Niedrigster Wert seit Wiedervereinigung : MV: Tourismus lässt Zahl der Arbeitslosen weiter sinken

Ein Mann verlässt die Agentur für Arbeit in Rostock.
Ein Mann verlässt die Agentur für Arbeit in Rostock.

Die Arbeitslosenzahlen für April stimmen erneut positiv. Gerade die Tourismusregionen erleben einen Aufschwung. Doch die Erfolgsbilanz hat auch ihre Schattenseiten.

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30. April 2019, 20:00 Uhr

Die Arbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern ist im April erneut zurückgegangen. Im Vergleich zum März sei die Zahl der Erwerbslosen um 8,7 Prozent gesunken und liege nun bei 58 600, teilte die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit. Die Arbeitslosenquote sank demnach von 7,8 auf 7,1 Prozent.

Landkreis Vorpommern-Rügen als Paradebeispiel

Die wenigsten Arbeitslosen verzeichnete den Angaben zufolge der Landkreis Rostock mit 5,3 Prozent, die meisten Menschen ohne Arbeit lebten im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit 8,8 Prozent. Ein Grund für den Frühjahrsaufschwung ist demnach vor allem der Beginn der Tourismussaison, sagte die Chefin der Regionaldirektion, Margit Haupt-Koopmann. Besonders im Landkreis Vorpommern-Rügen lasse sich dies gut beobachten. Dort sei die Arbeitslosenquote im Vergleich zum März um 16,4 Prozent und damit stärker als in den anderen Regionen im Land gesunken.

Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung liege die Zahl der Arbeitslosen in einem April unter der Marke von 60 000, sagte Haupt-Koopmann. Erfreulich sei, dass alle Alters- und Personengruppen von dem Aufschwung profitierten. Sowohl Junge wie Ältere, Ausländer und Behinderte hätten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Alleinerziehenden und langzeitarbeitslosen Eltern sei es häufiger als zuvor gelungen, aus Hartz IV herauszukommen. Der Anteil der Kinder, die von der Grundsicherung leben, sei im Vergleich zum Vorjahr um 8,6 Prozent gesunken.

Anstieg der prekären Beschäftigungen

Die Langzeitarbeitslosigkeit ist trotz Rückgängen in den vergangenen Jahren weiter ein Problem: Aktuell sind laut Wirtschaftsministerium 20 200 Menschen langzeitarbeitslos und damit 43 Prozent weniger als vor fünf Jahren. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) appellierte an die Unternehmen, die Unterstützungsmöglichkeiten zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit verstärkt zu nutzen: «Der Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern ist in Bewegung wie noch nie zuvor.» Die stabile Entwicklung der Konjunktur sorge für einen wachsenden Bedarf an Mitarbeitern und das Rennen um Fachkräfte habe in einigen Branchen längst begonnen.

Der stellvertretende Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds Nord, Ingo Schlüter, wies auch auf Schattenseiten hin. Vor allem steige die prekäre Beschäftigung. Dazu zählten Leiharbeit, unfreiwillige Teilzeit, Minijobs und Niedriglöhne. «Circa 33 Prozent der Beschäftigten müssen mit Niedriglöhnen auskommen», sagte Schlüter. Im bundesweiten Vergleich der Arbeitslosenquoten liegt der Nordosten zusammen mit Sachsen-Anhalt auf dem drittletzten Rang, vor Bremen und Berlin.

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