Pandemie in Mecklenburg-Vorpommern : Landesweite Corona-Tests in Alten- und Pflegeheimen haben begonnen

Das Coronavirus gefährdet insbesondere auch alte Menschen in Pflegeeinrichtungen.
Das Coronavirus gefährdet insbesondere auch alte Menschen in Pflegeeinrichtungen.

Die Testreihe hatte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) in Auftrag gegeben. Unumstritten ist die Entscheidung aber nicht.

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08. Mai 2020, 15:59 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern haben landesweite Tests auf das Coronavirus bei Bewohnern und Beschäftigten von stationären Pflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen der Tages- und Kurzzeitpflege in Alten- und Pflegeheimen begonnen. Gestartet wurde das Projekt in Einrichtungen in Rostock, Ribnitz-Damgarten und Grimmen, wie das Gesundheitsministerium am Freitag berichtete. Damit werde bundesweit erstmals ein spezifischer Testschwerpunkt auf Bewohner und Beschäftigte von Pflegeeinrichtungen gelegt. „Durch die Tests kann ein mögliches, sonst unentdecktes Infektionsgeschehen frühzeitig erkannt und eingedämmt werden“, sagte Minister Harry Glawe (CDU). Alle Abstrichtests des Rostocker Biotech-Unternehmens Centogene beruhten auf Freiwilligkeit.

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Zentraler Bestandteil der Strategie

In dem Projekt, dessen Umfang Glawe jüngst mit 3,5 Millionen Euro angegeben hatte, werden rund 25 000 Menschen in den Einrichtungen und 15 000 Beschäftigte untersucht. Die Probanten sollen im Wochenrhythmus zweimalig getestet werden, um so eine Übersicht zum Infektionsstatus in den Einrichtungen zu erhalten und positiv Getestete sofort zu isolieren. Eine Woche später werde das Personal noch einmal getestet, um Einflüsse wie Urlaub oder Krankheit besser erfassen zu können. Die systematische Covid-19-Testung der Alten- und Pflegeheime in MV ist für Centogene-Chef Arndt Rolfs zentraler Bestandteil der Strategie zur Eindämmung der Pandemie.

Rostocker Mediziner übt Kritik

Der Chef des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Unimedizin Rostock, Andreas Podbielski, kritisierte den Test. Da es in Mecklenburg-Vorpommern kaum Infektionsfälle gebe, sei davon auszugehen, dass dies auch bei den älteren Menschen in den Heimen so sein werde. „Wo soll der Erreger herkommen. Es wird viel Geld dafür ausgegeben, um etwas bestätigt zu bekommen, was wir schon wissen.“

Zudem zeigten die Abstrichtests immer nur eine Momentaufnahme, selbst ein zu 100 Prozent negatives Ergebnis werde zu keiner Aufhebung der Kontaktbeschränkungen in den Heimen führen. Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten wäre es sinnvoller gewesen, repräsentativ Altenheime auszusuchen und dort dann regelmäßig zu untersuchen, sagte Podbielski.

Rückendeckung durch Datenschützer

Grünes Licht für die Testreihe kam vom Landesbeauftragten für Datenschutz, Heinz Müller. „Dem Start der Testserie können wir zustimmen, da sichergestellt ist, dass die Tests freiwillig sind und vor allem die Datenschutzrechte der Pflegekräfte sowie der Bewohner gewahrt sind.“ Er kündigte allerdings an, sich die konkrete Umsetzung seiner Vorgaben auch noch in der Praxis anzusehen.

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