Mehr Gewalttaten : Kriminalität in MV 2019 wieder gestiegen

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Die Polizei verzeichnete unter anderem bei Körperletzungen, Mord und Totschlag sowie bei Rauschgiftvergehen Zuwächse.

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17. März 2020, 14:12 Uhr

Die Zahl der Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern ist nach zwei Jahren mit Rückgängen 2019 erstmals wieder gestiegen. Wie aus der am Dienstag in Schwerin veröffentlichten Kriminalitätsstatistik hervorgeht, wurden im Vorjahr im Nordosten exakt 111 329 Straftaten erfasst. Das entsprach einem Zuwachs von etwa 2,5 Prozent. Während Diebstähle, Wohnungseinbrüche und Sexualdelikte zurückgingen, verzeichnete die Polizei unter anderem bei Körperletzungen, Mord und Totschlag sowie bei Rausgiftvergehen zum Teil deutliche Zuwächse.

Mit durchschnittlich 6916 Straftaten pro 100 000 Einwohner gehört der Nordosten aber weiterhin zu den Bundesländern mit der niedrigsten Kriminalitätsbelastung. „Mecklenburg-Vorpommern ist ein sicheres Land“, betonte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Das sei wesentlich ein Verdienst der Landespolizei, die rund um die Uhr im Einsatz sei. Die Aufklärungsquote stieg erneut, auf nunmehr 62,8 Prozent, und liegt damit abermals über dem Bundesdurchschnitt von 57,7 Prozent. „Eine hohe Aufklärungsquote ist auch ein weiterer Beleg für eine anhaltend gute und akribische Ermittlungsarbeit der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern“, lobte Caffier die Arbeit der Beamten.

Zahl der Mordfälle gestiegen

Die Behörden registrierten 2019 insgesamt 72 Straftaten gegen das Leben, 22 mehr als im Jahr davor. Bei Mord nahm die Fallzahl um 4 auf 12 zu. In 6 dieser Fälle habe es sich um Mordversuche gehandelt, hieß es. Im Bereich Totschlag wurden 30 Fälle registriert, darunter 25 Versuche. Zuwachs gab es auch bei fahrlässigen Tötungen. Die Aufklärungsrate in diesem Deliktbereich ist immer recht hoch und stieg laut Statistik nochmals auf 94,4 Prozent.

Die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit stieg um knapp 4 Prozent auf 16 582, darunter waren viele Fälle von Körperverletzung. Caffier beklagte, dass sich Gewalt zunehmend auch gegen Polizeibeamte richte. 167 solcher Fälle bedeute eine Zunahme von mehr als 25 Prozent. „Gewalt und Aggressionen gegen Polizeibeamte dürfen durch Gesellschaft und Rechtsstaat nicht toleriert werden“, mahnte der Minister.

Rückgang bei Internetdelikten

Nach Jahren des Anstiegs sank die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wieder. 1382 registrierte Fälle bedeuten einen Rückgang zum Vorjahr um 5 Prozent. Straftaten unter Nutzung des Internets gingen laut Statistik sogar um knapp ein Drittel zurück. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung seien mit einem Anteil von 1,2 Prozent zwar die zweitkleinste Straftatenhauptgruppe, doch sei jede dieser Straftaten eine zu viel, betonte der Innenminister. Deshalb sei der sexuelle Missbrauch von Kindern und die Kinderpornografie weiterhin ein Schwerpunkt der kriminalpolizeilichen Ermittlungsarbeit.

Im Jahr 2019 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 30 857 Diebstähle registriert, 3,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank mit insgesamt 887 Fällen erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten unter die Marke von 1000. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2014 hatte die Zahl mit 1530 fast doppelt so hoch gelegen. Diese Entwicklung zeige, dass die Bürger ihre eigenen vier Wände gut schützen und die polizeilichen Maßnahmen wirken, sagte Caffier. Allerdings wird weiterhin nur in jedem vierten Fall der Täter ermittelt. Laut Statistik ging auch der Diebstahl von Fahrrädern spürbar zurück.

Enkeltrick stark verbreitet

Obwohl die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte im Vorjahr wieder leicht auf nun 21 327 zurückgegangen sei, blieben Vergehen, bei denen die Leichtgläubigkeit Älterer ausgenutzt wird, ein Dauerthema. „Ein breites Spektrum nimmt dabei die Masche ein, mit der als vermeintlicher Enkel oder Mitarbeiter der Polizei versucht wird, an das Ersparte älterer Menschen zu kommen. Der Modus Operandi des sogenannten „Enkeltricks“, macht im Jahr 2019 46 Prozent aller Trickstraftaten zum Nachteil älterer Menschen aus. Auch die Schadenssumme ist in diesem Phänomenbereich mit 596 121 Euro im Jahr 2019 am höchsten», heißt es in der Mitteilung.

Rauschgiftdelikte nahmen um 25 Prozent auf 8321 Fälle zu. Allerdings sei der Zuwachs auch auf die erhöhte Kontrolldichte zurückzuführen. Die Fallzahlen in diesem Bereich stiegen „äquivalent mit dem polizeilichen Aufwand», heißt es in der Mitteilung. Der Anstieg um knapp 1700 Fälle sei überwiegend auch das Ergebnis erfolgreicher polizeilicher Ermittlungen und Kontrollen, erklärte Caffier, beklagte zugleich aber: „Andererseits zeigt sich aber auch, dass zunehmend unkritisch gerade mit dem Konsum von Cannabis-Produkten umgegangen wird.“

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