Kommentar : Freiheit der Berichterstattung

Der Großbrand ist ein Medienereignis, und das seit Tagen. Allerdings schlugen einige Medienvertreter dabei auch immer wieder deutlich über die Stränge.

Der Großbrand ist ein Medienereignis, und das seit Tagen. Allerdings schlugen einige Medienvertreter dabei auch immer wieder deutlich über die Stränge.

Einsatzleiter Stefan Sternberg verschärft Regeln der Berichterstattung, aber nicht für alle

seidel.jpg von
03. Juli 2019, 19:00 Uhr

Tagelang berichteten Reporter unserer Zeitung von allen Fronten des Katastropheneinsatzes sachlich, wertschätzend, mitfühlend und korrekt. Trotzdem verschärfte Einsatzleiter Stefan Sternberg seit Dienstag die Regeln, untersagte Einsatzkräften wie „Passanten“, direkt mit der Presse zu sprechen.

Presse folgt Verhaltensgrundsätzen

Pflichtbewusst hielten sich Polizisten und Feuerwehrleute an die Weisung. Doch es traf die Falschen. Denn unsere Arbeit folgt nicht nur presserechtlichen und -ethischen Regeln, sondern auch den von Innenministern 1993 beschlossenen Verhaltensgrundsätzen, die extra für solche Situationen geschaffen wurden. Die stellen klar, dass es zu den Aufgaben der Medien gehört, die Allgemeinheit über Ereignisse von öffentlichem Interesse „aus unmittelbarer Kenntnis und Beobachtung der Vorgänge zu unterrichten“ und „in eigener Verantwortung entscheiden, in welchem Umfang und in welcher Form sie berichten“.

Unstrittig ist, dass manche Berufskollegen, die im Branchenjargon „Witwenschüttler“ genannt werden, unverantwortlich handeln. Das Ansinnen der Einsatzleitung, die heterogene Journalistenschar und deren Ansprüche zu kanalisieren, etwa durch Poollösungen, ist legitim. Der Versuch, die Informationen selbst „zu steuern“, ist schon streitbar. Bildtermine jenseits des tatsächlichen Geschehens zu inszenieren, ist Kinderkram oder gar Fakenews.

Einzelne Medien zu bevorzugen ist Wettbewerbsverzerrung

Einzelne Medien, wie etwa den öffentlich-rechtlichen NDR, dann doch zu privilegieren, ist dagegen Wettbewerbsverzerrung! Zumal, wenn in sozialen Medien auch noch die Bezahlschranke der allein aus Aboerlösen refinanzierten Regionalzeitung diffamiert – und aktiv mit Links zu Kostenlosangeboten von NDR, Landkreis oder Polizei torpediert wird. Der Appell an die Eigenverantwortung der Medien ist richtig. Wenn „Rüpelreporter“ Regeln verletzen, muss das aber polizeilich geahndet werden, statt sie mit seriösen Journalisten über einen Leisten zu schlagen. Auch der beste Einsatzleiter ist kein Sonnengott.

 
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