Keine Schlachtung mehr in Teterow : Schweinezuchtverband: Schlachthof entscheidet gegen das Tierwohl

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Das Ende der Schweineschlachtung in Teterow stellt Erzeuger und Verbände vor Probleme. Und sie sehen eine Entscheidung gegen das Tierwohl.

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23. Juli 2019, 17:53 Uhr

Das Ende der Schweineschlachtung in Teterow ist nach den Worten von Züchtern eine Entscheidung gegen das Tierwohl. Dass Schweinehalter deswegen aufgeben, wird nicht erwartet. Aber sie bleiben auf höheren Kosten für den Transport sitzen. Mit der Danish Crown Teterower Fleisch GmbH stellt der letzte Großschlachthof in Mecklenburg-Vorpommern im August die Schweineschlachtung ein und konzentriert sich auf Rinder.

Die Geschäftsführerin des Hybridschweinezuchtverbandes Nord/Ost in Malchin, Renate Schuster, sagte am Dienstag, die Bedingung für das Tierwohllabel seien in Mecklenburg-Vorpommern dann für die meisten Halter nicht mehr zu erfüllen. Danach dürfen die Schweine nicht mehr als 200 Kilometer weit zum Schlachten gefahren werden. Zudem schreite die Monopolisierung der Schlachtung voran.

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Über die Entfernungen funktioniert das Tierwohllabel nicht mehr

Der Bauer könne keinen Preis für seine Schweine verlangen. Die Begründung von Danish Crown zur Schließung kann Schuster nicht nachvollziehen. „Der Export von Schweinefleisch läuft sehr, sehr gut“, sagte sie. Vor allem China nehme sehr viel ab. „Dort ist ein Drittel der Schweine der Afrikanischen Schweinepest zum Opfer gefallen.“

Sie meinte, beim letzten Besitzerwechsel des Schlachthofes hätte die Schweineschlachtung als eine Bedingung formuliert werden sollen. Auch für die Überprüfung der Fleischqualität durch den Verband werde es schwieriger, zu den Schlachtungen zu fahren.

Die Geschäftsführerin der überregionalen Erzeugergemeinschaft Qualitätsschlachtschwein, Heidi Bartsch, sagte, in Ostdeutschland gebe es nur noch in Perleberg (Brandenburg), Altenburg (Thüringen) und Weißenfels (Sachsen-Anhalt) Großschlachthöfe. „Über diese Entfernungen funktioniert das Tierwohllabel nicht mehr“, erklärte sie.

Weiterlesen: Ende der Schweineschlachtung in Teterow: Entscheidung gegen das Tierwohl

Kann Perleberg alles auffangen?

Nur der Schlachthof Perleberg käme für Erzeuger in Mecklenburg-Vorpommern noch in Frage. „Aber fängt der alles auf?“, sagte sie. Alleine ihre Erzeugergemeinschaft mit mehr als 20 Betrieben bringe wöchentlich mehr als zehn Lastzüge mit jeweils 170 Schweinen zum Schlachten, bislang nach Teterow und Weißenfels.  

Der Landwirt Bernd Klänhammer aus Penkun (Vorpommern-Greifswald) mit 880 Schweineplätzen in seinem Betrieb, liefert nach Weißenfels, seitdem der EU-Schlachthof in Stettin der Erzeugergemeinschaft keine Schweine mehr abnimmt. „Wir brauchen aber mehrere Anbieter, damit nicht einer die Preise diktieren kann“, sagte er.

Der Präsident des Landesbauernverbandes Detlef Kurreck war überrascht, dass die Schweineschlachtung in Teterow schon Ende August ausläuft. Für Betriebe, die ihr Fleisch direkt vermarkten, brauche man eine „regionale Schlachtstufe“. Wenn sich die Betriebe, die auf regionale Herkunft und Vermarktung setzen, beteiligen, sollte ein mittelständischer Schlachtbetrieb im Land aufgebaut werden. Der Verband sei mit dem Land und dem Landkreis Rostock im Gespräch. Eine Standortvariante wäre ein Gewerbegebiet in Laage.   

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