Freispruch für einen Stürmer : Kampfsportart Fußball

Das Schweriner Amtsgericht
Das Schweriner Amtsgericht

Zu unterschiedliche Zeugenaussagen vor Schweriner Amtsgericht

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22. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Am Ende der überlangen „Nachspielzeit“ haben sich der Stürmer und der Torwart so benommen, wie es echte Sportler nun einmal tun. Noch im Gerichtssaal tauschten sie gestern einen kräftigen und vielleicht auch versöhnlich gemeinten Händedruck. Für den Stürmer stand die Geste für den Abschluss eines Prozesses, von dem er nie geglaubt hätte, dass er da hineingeraten könnte. Für den Torwart blieb der bittere Nachgeschmack, dass er den Prozess aus seiner Sicht verloren hat.

Unklarheit trotz 19 Zeugen

Mehr als zwei Jahre nachdem die beiden Fußballer in einem Kreisoberliga-Spiel in Dalberg aneinandergeraten waren, hat das Amtsgericht Schwerin den Stürmer von dem Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Obwohl an zwei langen Verhandlungstagen 19 Zeugen gehört wurden, konnte Richter Michael Aschoff nicht mit der notwendigen Sicherheit feststellen, dass der 29-Jährige dem 31 Jahre alten Torwart während einer kniffligen Situation kurz vor dem Ende des Spiels mit Absicht seinen Ellenbogen in die Schulter gerammt hat. Das aber wäre eine Voraussetzung für eine Verurteilung gewesen.

Die Schulter des Torwarts war nach dem Zusammentreffen der beiden allerdings und zweifelsfrei schwer lädiert. Er war längere Zeit arbeitsunfähig und hat mehrere Monate kein Spiel mehr bestreiten können.

Einig waren sich alle Zeugen, dass es am 2. Oktober 2016 in Dalberg beim Spiel zwischen dem SV Dalberg und dem FSV Testorf Upahl in der 80. Minute 2:1 für Testorf-Upahl stand, als der Ball im Aus hinter dem Testorfer Tor landete. Einig waren sie sich auch, dass sich sowohl der Testorfer Torwart als auch der Dalberger Sportler auf den Weg zum Ball machten. Dabei hatte es der Stürmer deutlich eiliger. Da seine Mannschaft zurücklag, wollte er den Eckball schnell ausführen. Der Torwart räumte während der Verhandlung ein, dass er durchaus darauf aus war, den Ball ein wenig zu blockieren, um für seine Mannschaft etwas Zeit „von der Uhr zu nehmen“

Ellbogencheck war nicht zu klären

Uneins waren sich die Zeugen in ihren Angaben zum Augenblick der mutmaßlichen Tat. Die einen berichtete, dass beide Spieler gleich schnell und auf den letzten Metern Schulter an Schulter zum Ball liefen, wobei der Torwart unglücklich zu Fall kam. Andere meinten gesehen zu haben, wie der Torwart bereits mit dem Ball in der Hand stand, als der Stürmer ihn, erbost über das als unsportlich empfundene Zeitspiel, von hinten mit Wucht anrempelte. Zwischen diesen beiden „extremen“ Darstellungen bekam Richter Aschoff zahlreiche weitere Varianten geschildert. Ein eindeutiges Bild konnte er sich daraus nicht machen. Der unterstellte Ellbogencheck war nicht zu beweisen. Selbst wenn ein solches Tackling erwiesen wäre, hätte Aschoff weitere Rechtsfragen klären müssen, um zu einem Strafurteil zu kommen.

Fußball gilt bei Juristen als Kampfsportart. Wer sich auf den Platz begibt, muss damit rechnen, ihn mit Blessuren zu verlassen, sofern der Gegner nicht gegen „die guten Sitten“ verstößt.

Und die Sitten sind rau auf dem Fußballplatz. Außer Reichweite der Strafjustiz liegt ein Fußballspiel dennoch nicht. Mit einem Videobeweis oder etwas konkreteren Nachfragen an die Zeugen gleich nach dem Spiel wäre der Prozess möglicherweise anders ausgegangen. Das Spiel endete übrigens 2:2.

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