Interview zum Corona-Gipfel : Wirtschaft wünscht sich in der Krise mehr Vertrauen

Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände

Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände

Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände, äußert sich zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise.

23-11368466_23-66108087_1416392671.JPG von
19. August 2020, 05:00 Uhr

Am nächsten Dienstag wollen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und ihre Minister mit den Spitzen von Wirtschaft, Tourismus und Kommunen das weitere Vorgehen nach dem Lockdown in der Corona-Krise beraten. Nachdem Schulstart, der nach Schwesigs Meinung mit nur sechs Infektionsfällen an 563 Schulen gut funktioniert habe, geht es um weitere Lockerungen. Wie wir bereits berichteten, soll nun über den Tagestourismus gesprochen werden. Wir werden in den kommenden Tagen Politiker, Unternehmer- und Verbandsvertreter befragen, was als nächstes geschehen muss. Zum Start sprach Max-Stefan Koslik mit dem Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände des Landes, Sven Müller.

Herr Müller, was erwarten Sie vom Gipfel am Dienstag?
Zur Forderung einer neuen Strategie zum Umgang mit Corona in MV: Die Wirtschaft spricht sich seit Wochen für eine realistische Betrachtung des Infektionsgeschehens in MV aus. Die Politik darf, kann und muss sich mehr trauen. Es braucht eine Strategie für eine neue Normalität. Die Zeit, bis ein verlässlicher Impfstoff verfügbar sein wird, kann sich noch lange hinziehen. Diese Zeit haben viele Branchen nicht mehr. Sie und ihre Beschäftigten stehen sehr bald vor dem nichts.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern und Ministerpräsidentin Schwesig sind in ihrer Vorsicht nicht allein, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will sogar die Karnevalssaison komplett ausfallen lassen, ist alles wirklich übertrieben?

Vorsicht, Achtsamkeit und Sensibilität werden uns künftig weiterhin beschäftigen und unseren Alltag bestimmen. Das gilt nicht nur für die Verantwortungsträger in der Politik, sondern für jeden einzelnen von uns. Sie sind die Grundlage für eine neue Normalität. Die Bürgerinnen und Bürger in MV haben es selbst in der Hand, durch verantwortungsvolles Handeln die neue Normalität mit Corona zu gestalten. Darauf muss die Regierung bauen und mit Mut sowie Transparenz neue Wege aufzeigen. Mehr Zu- und Vertrauen wünschen wir uns.

Wie sähe Ihr Ausstiegsszenario aus, welches sind die Schritte raus aus dem Lockdown?
Es geht nicht um ein Ausstiegsszenario. Ein Zurück in die Zeit vor dem März wird es nicht geben. Wir brauchen den Einstieg in eine ergebnisorientierte Diskussion, wie wir mit Corona mittelfristig unser Leben gestalten können, ohne Angst und ständigem sorgenvollen Blick auf die RKI-Zahlen. Politik, Gesellschaft, Medizin, Sozialpartner müssen gemeinsam Lehren aus den vergangen Monaten ziehen. Damit sollten wir jetzt beginnen und nicht warten, bis ein Impfstoff auf dem Markt ist. Die Ministerpräsidentin hatte im Juni bereits ihre Idee eines „Corona-Beirates" vorgestellt. Ein erster guter Ansatz. Nur, gibt es diesen schon?

Die Ministerpräsidentin sagt, Schule ist jeden Tag eine Großveranstaltung, und der Start hier habe gut geklappt, Ihr Urteil?
Ich denke, im Großen und Ganzen haben die ersten 14 Tage nach Schulbeginn gezeigt, dass die „Großveranstaltung" Schule mit Blick auf das Infektionsgeschehen beherrschbar ist und die Konzepte greifen. Sicherlich ist immer wieder etwas nach zu justieren. Es ist ein Mammutprojekt, welches ebenso gut angelaufen ist, wie der Start in die Tourismussaison. Womit wir wieder bei den Punkten Mut und Verantwortungsbewusstsein sind. Tourismus- und die Hotel und Gaststätten-Branchen haben sich zu Beginn der Saison mutig und verantwortungsbewusst der Herausforderung, Öffnung unter Corona-Bedingungen, gestellt. Mit Erfolg!

Was kann die Wirtschaft zusagen, wenn es weitere Öffnungen gibt? Arbeitsplätze? Was passiert bei Großlagen von Infektionen?

Die Wirtschaft braucht Verlässlichkeit, Perspektive und vor allem Vertrauen. Vertrauen darauf, dass jedes Unternehmen, jede/r Betriebsinhaber/in sich der eigenen Verantwortung in diesen Zeiten bewusst ist. Und alles daran setzen wird, dem Betrieb und vor allem den Beschäftigten eine halbwegs sichere Perspektive in der neuen Normalität mit Corona zu schaffen.
 

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen