Namibia, Georgien, Afghanistan : Polizisten aus MV im Einsatz in den Krisenregionen der Welt

von 15. Oktober 2021, 20:07 Uhr

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Dieter Schönrock (l.) bildet palästinensische Polizisten in Tulkarem im Westjordanland aus.
Dieter Schönrock (l.) bildet palästinensische Polizisten in Tulkarem im Westjordanland aus.

Polizisten aus Mecklenburg-Vorpommern leisten 106 Einsätze in internationale Missionen. Die Herausforderungen sind vielfältig.

Mecklenburg-Vorpommern | Die Reisetasche ist immer gepackt und die Einreisevisa im Pass sind immer auf dem aktuellen Stand. Der Schweriner Kriminalhauptkommissar Dieter Schönrock ist Mitglied des Kriseninterventionsteams der Arbeitsgruppe Internationale Polizeimissionen im Bundesinnenministerium. Geraten deutsche Polizeibeamte im Auslandseinsatz an ihre seelischen Grenzen und brauchen Hilfe, muss das Team innerhalb von 24 Stunden vor Ort sein, egal ob in Mogadischu, Tiflis oder Priština. „Wenn wir einen Anruf bekommen, geht es, wenn nötig, sogar mit dem Streifenwagen direkt zum Flugzeug“, berichtet Schönrock. Etwa einmal im Jahr tritt für ihn dieser Ernstfall ein. Im Flieger trifft er auf die anderen Mitglieder des Teams. „Es ist immer auch ein Mediziner und ein Psychologe dabei“, erklärt der Hauptkommissar. Am Einsatzort wird in Gesprächen geklärt, wie dem in Not geratenen Polizisten geholfen werden kann. Manchmal sind es Erlebnisse im direkten Arbeitsumfeld des Polizisten, die eine Krise auslösen. Eine zerstörte Infrastruktur, hohe Kriminalitätsraten sowie Tragödien durch Elend und Vertreibung der Bevölkerung sind häufig Stressfaktoren in den Einsatzländern. „Wenn nichts mehr geht, wird der Kollege von seiner Mission abberufen“, sagt Schönrock. Es wird allerdings immer versucht, den Beamten in der Mission zu belassen. Bereits seit 1989 Auslandseinsätze für die Polizei Seit August 1989 nehmen deutsche Polizisten an Auslandseinsätzen teil. Die ersten Bundesgrenzschutz-Beamten wurden zur Umsetzung der Unabhängigkeit nach Namibia geschickt. Seitdem halfen Hunderte deutsche Polizisten freiwillig in mehr als 20 Ländern beispielsweise im Rahmen von EU- oder UN-Missionen bei der Ausbildung von Ordnungskräften, bei der Aufklärung von Kriegsverbrechen oder bei Einhaltung von Grenzabkommen. Allein aus Mecklenburg-Vorpommern waren in den letzten zwanzig Jahren 60 Beamte der Landespolizei bei 106 Einsätzen in sieben Ländern. Viele können auf mehrere Einsätze verweisen. Einer von ihnen ist Andreas Heiden aus Wismar. Er wurde von 2018 bis 2019 in der umkämpften Grenzregion zwischen Georgien und Südossetien im Kaukasus eingesetzt. Die Aufgabe des Polizisten aus Mecklenburg: Erkunden und Analysieren der Situation an der Grenzlinie im Rahmen einer Beobachtermission der EU. „In der Regel bestand unsere Patrouille aus zwei Geländewagen mit vier europäischen Polizeibeamten, einem Dolmetscher und einem Arzt“, so Heiden. Fast täglich waren die Beobachter in den teilweise schwer zugänglichen Grenzregionen unterwegs, kontrollierten Grenzmarkierungen, sprachen mit den Einheimischen und achteten auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Dem Auswahlverfahren folgen zahlreiche Lehrgänge Die Einsatzdauer beträgt für die deutschen Polizisten grundsätzlich bis zu 12 Monate. Nur in Ausnahmen bleiben die Beamten länger. Für die Bewerbung zum Auslandseinsatz sind eine Sprachprüfung für Englisch, ein Sporttest und eine ärztliche Untersuchung notwendig. Dem Auswahlverfahren folgen zahlreiche Lehrgänge, die die Bewerber auf die Auslandseinsätze vorbereiten. Nicht jeder ist geeignet, weiß Dieter Schönrock, der in den letzten zwei Jahren Auslandseinsätze für das Bundesinnenministerium koordiniert hat. „Interkulturelle Kompetenz, Charakterstärke, Teamfähigkeit, hohe Einsatzbereitschaft, Selbstmanagement und diplomatisches Geschick sind die Grundvoraussetzungen für die Teilnahme an Friedenseinsätzen“, so der Polizist. Schönrock war selbst im Auftrag des Bundeskriminalamtes als Dozent bei der palästinensischen Polizei und zwei Mal Ausbilder in Afghanistan und kennt die Probleme in Einsatzgebieten mit erhöhter Gefahr von Anschlägen. Außerhalb der gesicherten Camps durften sich die Deutschen nur in gepanzerten Autos und in Konvois bewegen. Ein mulmiges Gefühl hatten die Ausbilder vor allem beim Schießtraining der afghanischen Polizeischüler. „Wir mussten darauf vertrauen, dass sich keine Attentäter bei den Kursteilnehmern eingeschlichen hatten“, so der Hauptkommissar. Eine hundertprozentige Sicherheit gab es nicht. Es kommen neue Auslandseinsätze auf die Landespolizei zu Ende April dieses Jahres endete die Mission am Hindukusch. Daniel Cyrus, Dienstgruppenleiter in Heringsdorf auf Usedom, verließ als letzter deutscher Ausbilder Afghanistan. Dafür kommen neue Auslandseinsätze auf die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommerns zu. „Erstmals wird ein Beamter für Aufgaben im Niger vorbereitet“, berichtet Schönrock. Die EU-Mission hilft bei der Ausbildung und Beratung nigrischer Sicherheitskräfte. Schwerpunkt ist die Bekämpfung von Organisierter Kriminalität und Terrorismus, heißt es auf der Internetseite des Bundesinnenministeriums. Dieter Schönrock ist aktuell ins Schweriner Innenministerium abgeordnet, um bei der Koordinierung der Auslandseinsätze mitzuwirken. Außerdem hält er sich jeden Tag bereit, um im Kriseninterventionsteam Kollegen im Ausland zur Seite stehen zu können. ...

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