Innovation aus MV : Humus aus Ostsee-Treibsel

Martin Staemmler verarbeitet Ostseetreibsel.

Martin Staemmler verarbeitet Ostseetreibsel.

Gärtner profitieren von Idee aus MV. Auch Schalke 04 hat schon bestellt

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14. Mai 2019, 11:17 Uhr

Ein Strandabschnitt der Ostsee an einem Hotel in Hohe Düne in Rostock: Es ist noch dunkel, als Michael Woest, Inhaber eines Landwirtschaftlichen Lohnunternehmens, mit Spezialtechnik den Strand abfährt. „Für die Technik gibt es weltweit nur wenige Anbieter“, sagt er. Ursprünglich war Woest nur auf Feldern unterwegs – bis er den Strand als neues Betätigungsfeld entdeckte.

Seine Maschine schiebt alles zusammen, was sich in den vergangenen Wochen am Strand angesammelt hat. Neben Seegras und Algen sind das Plastik, Glas, Metall, Papier. Dinge, die Strandgäste zurückgelassen haben oder die auf See über Bord geworfen und angeschwemmt wurden.

Dann wird vorgereinigt, aussortiert. Auch viel Sand wird herausgesiebt. Anschließend schaufelt ein Bagger das Seetang-Gemisch auf einen Hänger. Ladung für Ladung geht aufs Betriebsgelände der Hanseatischen Umwelt GmbH in Sandhagen im Landkreis Rostock.

Biologisches Strandgut zu Kompost umwandeln

Martin Staemmler, der Firmeninhaber, hatte bei einem Strandspaziergang nach einem heftigen Sturm die Idee, das angeschwemmte biologische Material in Kompost umzuwandeln. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Erden spezialisiert. Um die Idee Wirklichkeit werden zu lassen, waren zunächst die Eigentumsverhältnisse des Treibsels zu klären. Das Treibsel gehört niemandem und die zuständigen Behörden sagten ja. Kommunen dürfen es entsorgen, aber sie wissen zumeist nicht so recht, wohin damit. Und die Bürgermeister in den Ostseekommunen zeigten sich erfreut über eine dauerhafte Entsorgung der Strandanspülungen.

Nachfrage nach besonderen Humus steigt

Seit 2018 läuft das Unternehmen. Staemmler gründete die Verwertungsgemeinschaft Arge Strandreinigung. Sie versprechen Sauberkeit fast zum Nulltarif. Gearbeitet wird nur nachts, wenn keine Badegäste am Strand sind. Nach der Vorreinigung am Strand wird das Material im Betrieb für die spätere Humusproduktion weiter sortiert und aufbereitet. Der Humus soll Unkraut unterdrücken und zugleich den Boden auflockern. „Die Nachfrage steigt ständig“, freut sich Staemmler, der früher einen Ökobauernhof betrieb.

Mehrere Kunden lassen sich bei Staemmler Humus auf ihre Pkw-Hänger laden.  Inzwischen ist man sogar im Ausland interessiert. Selbst in Gelsenkirchen sei man aufmerksam geworden, so Staemmler. „Wir haben für Schalke 04 den Rasen mit unserem Material so aufbereitet, dass der jetzt besser bespielbar ist“, sagt er.

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