Kritik der Linken : Bedürftige Schüler in MV unzureichend gefördert?

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Schüler mit Lernschwächen und sprachlichen Defiziten sollen im Sinne der Inklusion an Regelschulen zusammen mit ihren Altersgefährten unterrichtet werden. Dabei soll es spezielle Förderung geben. Das aber funktioniert nach Ansicht der Linken nicht wie erforderlich.

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08. Februar 2019, 15:12 Uhr

Schülern mit Lernschwierigkeiten bleibt nach Ansicht der Linken an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zu oft die dringend notwendige Sonderförderung verwehrt. „Es ist skandalös und ein fatales Zeichen, dass immer mehr Anträge auf sonderpädagogischen Förderbedarf abgelehnt werden“, sagte die Chefin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, am Freitag in Schwerin. Sie bezog sich dabei auf die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage ihrer Fraktion, in der die Daten der zurückliegenden vier Schuljahre abgefragt wurden.

Hälfte der Anträge auf Nachholungsbedarf abgelehnt

Demnach sind im Schuljahr 2017/18 etwa 48 Prozent der 1070 von Lehrern gestellten Anträge auf Förderung wegen Nachholbedarf in der „emotionalen und sozialen Entwicklung“ abgelehnt worden. Ähnlich hoch war die Ablehnungsquote mit 47 Prozent bei 317 Schülern, die zusätzliche Unterstützung in der Sprachentwicklung bekommen sollten.

In den Schuljahren davor hatte der Anteil der Ablehnungen zumeist unter 40 Prozent gelegen. In diesem Bereich bewegt sich seit drei Jahren auch die Ablehnungsquote für Schüler mit generellen Lernschwierigkeiten.

Individuelle Förderung bleibt zurück

Im Rahmen der sogenannten Inklusion werden Schüler mit Handicaps und Lernproblemen nur noch in Ausnahmefällen in gesonderten Förderschulen unterrichtet und besuchen im Regelfall reguläre Schulen. Im Gegenzug soll die individuelle Förderung verbessert werden.

Das aber geschieht nach Ansicht Oldenburgs zu wenig. „Gemeinsames Lernen funktioniert nur, wenn jedes Kind so gefördert und gefordert wird, wie es seine individuellen Voraussetzungen verlangen“, sagte sie. Mit dem gemeinsamen Unterricht allein würden „weder die Schwierigkeiten im Lernen noch die im Verhalten weggezaubert“.

Oldenburg warf Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) vor, die Chance eines funktionierenden gemeinsamen Unterrichts dem Sparzwang zu opfern. „Wer gemeinsames Lernen will, muss auch die Mittel dafür bereitstellen“, mahnte die Oppositionspolitikerin.

Bildungsminsiterium: Förderung folgt einheitlicher Richtlinien

Das Ministerium wies die Vorwürfe zurück. „Es geht nicht darum, eine möglichst hohe Anzahl von Anträgen auf sonderpädagogische Förderung zu bewilligen, sondern den Schülerinnen und Schülern sonderpädagogische Förderangebote zukommen zu lassen, die sie auch wirklich brauchen“, betonte Sprecher Henning Lipski. Der Förderbedarf müsse jeweils diagnostiziert werden und dies erfolge nach landesweit einheitlichen Standards. Als verbindliche Richtlinie zur Beratung, Diagnostik und Förderung diene ein eigens dafür entwickeltes Handbuch. Die Auswahl der Testverfahren werde regelmäßig aktualisiert.

Die Förderpraxis zeige zudem, dass bereits vor der Feststellung besonderer Förderbedarfe beraten und entsprechend gefördert werde.

Lipski erinnerte zudem daran, dass seit dem Schuljahr 2014/2015 jährlich 7640 Lehrerwochenstunden für pädagogische, sonderpädagogische und inklusive Maßnahmen zur Verfügung stünden. Wenn die Quote der Sonderförderung sinke, verringere sich damit nicht die Stundenzahl, die dafür zur Verfügung stehe. „Die Stunden können für diejenigen eingesetzt werden, die diese Förderung wirklich brauchen“, erklärte Lipski und mahnte die Rückkehr zu einer „sachlichen Debatte“ an.

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