Jüngster Bürgermeister Deutschlands? : Das Leben des Brian

Brian Kipke

Brian Kipke

In Zingst will der 18-Jährige Brian Kipke Deutschlands jüngster Bürgermeister werden

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17. Mai 2019, 20:00 Uhr

Brian Kipke (FDP) steckt noch mitten im Abitur-Stress, da will er schon Bürgermeister von Zingst werden. Sollte er das schaffen, wäre er der jüngste Bürgermeister Deutschlands. Kipke wurde im September 2000 – elf Jahre nach dem Wendeherbst – in Zingst geboren. Nun kandidiert der Sohn einer Einzelhandelskauffrau und eines Tischlermeisters für das höchste Amt in dem Seebad. Am 26. Mai tritt der 18-Jährige bei der Kommunalwahl an. Sein Mitbewerber ist der Zingster Finanzchef Christian Zornow (CDU).

Mit 18 im Bürgermeisteramt? Kann das gut gehen?

Die Meinungen dazu gehen in dem 3200-Seelen-Ort auf dem Darß-Zingst auseinander. Fragt man Einheimische auf der Strandpromenade nach den Chancen von Schüler Kipke, dann wird oft abgewunken. Ein Jungspund, dem jede kommunale Erfahrung fehle, sich für den Ort durchzusetzen, sagt kopfschüttelnd ein Passant. Besser wären erst ein paar Jahre im Gemeinderat.

Aber es gibt auch viele Leute, die dem Abi-Absolventen einiges zutrauen. Ich wähle ihn auf jeden Fall, sagt ein junger Mann. „Ein Neuanfang und weniger Voreingenommenheit – das braucht Zingst jetzt.“ Der Neue könnte frischen Wind ins Amt bringen. Denn schon seit 1994 wird der Küstenort von CDU-Bürgermeister Andreas Kuhn regiert, der nach seiner Niederlage als Landratskandidat in Vorpommern-Rügen vor einem Jahr und seinem Rücktritt als Präsident des Bäderverbandes nun auch nicht mehr zur Kommunalwahl antritt.

Kipke hat Verständnis für diejenigen, die seine Kandidatur noch skeptisch sehen. Er habe tatsächlich nur wenige kommunalpolitische Erfahrungen. „Andererseits“, sagt er, „andererseits kenne ich mich aus in Zingst, weiß genau, wo der Schuh drückt. Ich traue mir das Amt durchaus zu.“ Sein Credo: Auch junge Leute können etwas bewegen, können neue Ideen einbringen.

Mit 16 in die FDP eingetreten

Der Kandidat, der schon mit 16 in die FDP eingetreten war, sitzt im Café und zeigt hinüber auf die andere Straßenseite. „Sehen Sie den weißen Klotz da drüben? Für das neue Appartementhaus mit drei Stockwerken und Tiefgarage musste ein reetgedecktes Haus weichen, eines der letzten aus der Zeit, als Zingst noch ein Dorf der Fischer und Schiffer war.“

Wie alle im Ort weiß auch Kipke nicht mehr, wie es war, als Zingst noch ein Fischerdorf war. Aber er sieht, was schief gelaufen ist auf dem Weg zum modernen Massentourismusort. Der Ortscharme sei weg, sagt er.

Mittlerweile gebe es so viele Hotels, Pensionen, Herbergen, Ferienhäuser und -wohnungen, dass die Vermietung – vom Hochsommer mal abgesehen – immer schwieriger werde. Zur Saison bekomme man ohne einwöchige Voranmeldung keinen Tisch mehr in den wenigen öffentlichen Restaurants. Und es fehle an Personal, auch, weil sich Einheimische eine Wohnung in Zingst kaum mehr leisten könnten. „Wenn ich Bürgermeister bin, dann werden wir Sozialwohnraum schaffen statt immer neuer Bettenburgen.“

Dass er ein Macher sein kann, hat er schon als Schülersprecher bewiesen. Sein Herzensprojekt ist „Juniorwahl“, ein Projekt der politischen Bildung an Schulen zur Vorbereitung auf Wahlen. Dazu gehöre die Organisation von Schülerexkursionen etwa zum Bundestag. „Für die Fahrten suche ich ständig nach Sponsoren“, sagt Kipke, der schon seit der 6. Klasse Lust auf Politik hat.

Kaum Zeit für Hobbys

Für Hobbys bleibt dem 18-Jährigen derzeit kaum Zeit. „Ich habe zwei Griechische Landschildkröten, aber mit denen kann man ja nicht so viel anstellen“, sagt er lächelnd. Früher habe er gern mal in Öl gemalt oder alte Musik von Barock bis Klassik gehört. Aber jetzt stünden eben Prüfungen an.

Seine Lehrer unterstützen größtenteils seine Kandidatur. Der Sozialkundelehrer sei sogar begeistert, sagt der 18-Jährige. Einen klassischen Wahlkampf will er aber nicht führen. Keine Kundgebungen oder Wahlkampfstände auf der Seebrücke. „Ich will lieber die Leute etwa beim Spaziergang direkt ansprechen, mit ihnen zusammen Probleme diskutieren und Lösungen entwickeln. Immerhin: Einen kleinen Flyer zu seiner Person will er in Umlauf bringen.

Und wenn es schiefgeht? „Kein Problem“, sagt der junge Mann. „Ich werde nicht verbittert in der Ecke stehen und traurig sein.“ Dann gehe er den nicht weniger wichtigen Plan B an: ein Lehrerstudium, möglichst in Rostock Geschichte und Sozialkunde und nach dem Abschluss ein Referendariat an seinem Gymnasium in Barth. Und ganz sicher würde es eines Tages einen zweiten Versuch zur Politik geben. „Irgendwann werde ich wieder kandidieren.“


Hintergrund: Junge Bürgermeister

Junge Bürgermeister gibt es immer wieder mal – aber 18 Jahre alt war noch keiner.  Die jungen Chefinnen und Chefs in Deutschlands Rathäusern verbindet eine andere, eben junge Sicht auf die kommunalen Dinge. Sie stehen aber auch vor der Herausforderung, als junger Mensch die Rolle des Verwaltungsoberhauptes auszuüben. Vor zwei Wochen hatten sie deshalb in Berlin ein überparteiliches Netzwerk gegründet, um Erfahrungen auszutauschen.

Als Deutschlands jüngste Bürgermeister gelten derzeit Michael Bergrab (27) in Lisberg (Bayern) und Michael Salomo (27) in Haßmersheim (Baden-Württemberg). Beide waren bereits im Jahr 2014 mit jeweils 22 Jahren als Rathauschefs gewählt worden. Die Stadt Tengen (Baden-Württemberg) wird von Marian Schreier (29) regiert, der 2015 mit 25 Jahren Bürgermeister wurde. Jüngster Bürgermeister Brandenburgs war Philipp Wesemann (29). Er hatte 2015 in Forst (Brandenburg) als 25-Jähriger sein Amt angetreten, bis er nach hohem Druck von Kollegen, Medien und Bürgern ein Burn-Out erlitt und zurücktrat.

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