Mecklenburg-Vorpommern : Heiligendammer Klinik kümmert sich um geheilte Covid-19-Patienten

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Wer eine schwere Lungenentzündung nach einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus und die anschließende Zeit auf einer Intensivstation überstanden hat, ist noch lange nicht gesund.

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24. April 2020, 08:43 Uhr

Wenn Susanne Herpold den Raum betritt, ist nicht zu erahnen, dass sie vor zwei Wochen auf einer Intensivstation in Hannover und zuvor 13 Tage im künstlichen Koma lag. Sie hatte sich wie viele andere beim Skifahren im österreichischen Ischgl mit dem Coronavirus infiziert. Die sportliche 54-Jährige gehört nicht zu einer der Risikogruppen und ist trotzdem wie sie selbst sagt: „Dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen“.

Susanne Herpold, geheilte Covid-19-Patientin, bekommt in der Median Klinik eine neuromuskuläre Elektrostimulation, mit der Muskulatur und Muskelaufbau angeregt werden sollen.
Bernd Wüstneck

Susanne Herpold, geheilte Covid-19-Patientin, bekommt in der Median Klinik eine neuromuskuläre Elektrostimulation, mit der Muskulatur und Muskelaufbau angeregt werden sollen.

 

Seit ein paar Tagen ist sie in der Median Klinik in Heiligendamm, die wie zwei Schwesterkliniken in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen auf die Rehabilitationstherapie von Lungenkranken und nun auf die Nachbehandlung von Covid-19-Patienten spezialisiert ist. Derzeit sind sechs Patienten im Alter von 40 bis 60 Jahren aus ganz Deutschland in der Klinik direkt am Ostseestrand. Sie alle haben eine Behandlung auf Intensivstationen mit schweren Lungenentzündungen hinter sich, sagt Vize-Chefärztin Jördis Frommhold.

Leistungsniveau sei oft nah Null

Sie weiß, dass die Betroffenen teilweise ein Martyrium durchlebt haben, bevor sie die Intensivstationen verlassen konnten. Dabei sei der Krankheitsverlauf bei Susanne Herpold sehr schlimm gewesen. Dass sie nun überhaupt in Heiligendamm sein kann, sei deshalb etwas ganz Besonderes, betont Frommhold.

Das Leistungsniveau nach dem Covid-bedingten Aufenthalt in einer Intensivstation sei oft nahe Null, viele Muskeln hätten sich zurückgebildet, erklärt der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger.

Deshalb sei es wichtig, schon auf den Intensivstationen jeden Tag Physiotherapie anzubieten und die Patienten zu mobilisieren.

Frommhaold rechnet nun in den kommenden Tagen mit einem starken Anstieg der Patientenzahlen, Anfragen kämen von Akutkliniken aus ganz Deutschland. Voraussetzung für die Reha-Behandlung sei, dass die Menschen virusfrei sind und sich selbst versorgen können.

In Heiligendamm liegt der Fokus der mindestens dreiwöchigen Behandlung auf der Verbesserung der Atemnot, der Atemmuskelkraft und der Belastbarkeit der Lunge. Das werde durch Atemgymnastik, Atemmuskeltraining und Physiotherapie erreicht. Permanent würden die physiologischen Lungenwerte überprüft, um bei einer akuten Verschlechterung sofort eingreifen zu können.

In der Median Klinik findet eine Atemgymnastik statt. Die Klinik hat jetzt Patienten mit einer überstandenen schweren Covid-19-Erkrankung zur Nachbehandlung aufgenommen.
Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

In der Median Klinik findet eine Atemgymnastik statt. Die Klinik hat jetzt Patienten mit einer überstandenen schweren Covid-19-Erkrankung zur Nachbehandlung aufgenommen.

 

Wie Frommhold sagt, haben ihre Patienten nun die Krankheit zwar überlebt, sind aber zunächst völlig unfähig, an dem für sie normalen Alltagsleben teilzunehmen. Das sei für die vergleichsweise jungen Patienten mit das Schlimmste - rausgerissen aus der Karriere und den Verpflichtungen in der Familie. Deshalb liegt auch ein wesentlicher Teil der Therapie auf psychologischen Aspekten, um den Menschen aus ihren Tal herauszuhelfen, durch das sie gegangen sind.

Susanne Herpold hat Glück gehabt, auf der Intensivstation in Hannover mussten alle Register gezogen werden, wie Frommhold sagt. Und Herpold ergänzt: „Mir geht das gar nicht schnell genug, man muss mich eigentlich ausbremsen.“ Doch noch sorge der immer noch schwache Körper selbst für die Entschleunigung.

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