Beschluss des Landtags : Grundschullehrer bekommen ab nächstem Schuljahr mehr Geld

Für angehende Grundschullehrer gibt es in MV nur wenige Studienanfängerplätze.
Für angehende Grundschullehrer gibt es in MV nur wenige Studienanfängerplätze.

Vom kommenden Schuljahr an sollen auch die Pädagogen in den unteren Klassenstufen nach den Einkommensklassen A13/E13 bezahlt werden.

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10. Juni 2020, 13:31 Uhr

Nach jahrelanger Debatte um eine finanzielle Gleichbehandlung von Lehrern passt Mecklenburg-Vorpommern die Vergütung der Grundschullehrer an die ihrer Kollegen in weiterführenden Schulen an. Vom kommenden Schuljahr an sollen auch die Pädagogen in den unteren Klassenstufen nach den Einkommensklassen A13/E13 bezahlt werden. Der Landtag ebnete am Mittwoch mit der Verabschiedung eines neuen Lehrerbildungsgesetzes den Weg dafür.

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Neben den Regierungsparteien SPD und CDU stimmte auch die Linke trotz Kritik zu. Die AfD lehnte die Änderung mit Hinweis auf das Abstandsgebot ab. Gewerkschaftsvertreter äußerten sich erfreut über die Einkommenssteigerung.

Ein Zeichen großer Wertschätzung

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) sprach von einem „echten Meilenstein“ in der Bildungspolitik. Die bessere Bezahlung vom 1. August an sei ein Zeichen großer Wertschätzung. „Grundschullehrkräfte machen einen enorm wichtigen Job. Die Anhebung der Besoldung von Grundschullehrkräften ist ein überfälliger Schritt, der endlich deren Professionalität und ihrer Bedeutung für die Bildung von Kindern Rechnung trägt.“ Zudem verspreche sich das Land davon, dass sich mehr junge Lehrer für eine Anstellung im Nordosten entscheiden.

Wie andere Bundesländer hat auch Mecklenburg-Vorpommern großen Bedarf an Pädagogen, um das Ausscheiden älterer Lehrer kompensieren und zusätzlichen Personalbedarf decken zu können. Nach Angaben Martins benötigt das Land etwa 600 bis 700 neue Lehrer jährlich. Noch vor wenigen Jahren hatte die Zahl der Neueinstellungen unter 200 gelegen.

Nach früheren Angaben ergeben sich für die betroffenen Lehrer Einkommenssteigerungen von teilweise knapp 500 Euro brutto im Monat.

Finanziert werde die Einkommenssteigerung aus dem insgesamt 200 Millionen Euro umfassenden „Bildungspaket“ des Landes. Für die höhere Vergütung seien jährlich 18 Millionen Euro eingeplant.

Studium soll ebenfalls reformiert werden

Nach Angaben Martins wird mit der Einkommensanpassung auch das Grundschullehrer-Studium reformiert. Die Ausbildung werde um ein Praxissemester auf dann zehn verlängert. Dafür werde das Referendariat für angehende Grundschullehrer von 18 auf 12 Monate verkürzt. „Wir erfüllen damit eine Forderung, die von allen Seiten an uns herangetragen wird: mehr Praxis im Studium“, sagte Martin.

Linksfraktionschefin Simone Oldenburg kritisierte, dass die Verkürzung des Referendariats nur auf Antrag möglich sei. Zudem habe die Landesregierung die Entscheidung für die Einkommensanpassung zu lange hinausgezögert und die nötigen Änderungen im Studium nur unzureichend vorbereitet. „Trotz mehrfacher Nachhilfe von meiner Fraktion hielten Ministerium und Koalitionsfraktionen an ihrem Unwissen fest. So wird es nach Gesetzeslage kein Praxissemester und keine reguläre und versprochene Verkürzung des Referendariats für das Grundschullehramt auf 12 Monate geben“, sagte Oldenburg.

Forderung nach Gleichwertigkeit der Lehrämter

Mit dem Landtagsbeschluss werde eine langjährige Forderung nach Gleichwertigkeit der Lehrämter umgesetzt, erklärte der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Michael Blanck. Er gehe davon aus, dass mit der höheren Vergütung das Grundschullehramtsstudium auch für Männer attraktiver werde. Doch erwartet der Lehrerverband auch eine Reform der Lehrerbildung in allen Lehrämtern wie auch eine zeitliche Entlastung der Lehrkräfte.„Es gibt im Bildungsbereich noch viel zu tun“, sagte Blanck.

In einer gemeinsamen Stellungnahme äußerten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Grundschulverband Kritik an der geplanten Verkürzung des Referendariats. „Selbst wenn, wie beabsichtigt, das 10. Semester an der Universität als Praxissemester angelegt würde, kann ein solches die schulpraktische Ausbildung nicht ersetzen“, erklärte Ralph Grothe, Landesgruppenvorsitzender des Grundschulverbands. GEW-Landeschef Maik Walm äußerte die Befürchtung, dass die Ausbildungsqualität sinkt.

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