Getötetes Mädchen in Torgelow : Stiefvater der Sechsjährigen nach einer Woche Flucht gefasst

Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12.01. eine Sechsjährige ums Leben kam.
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Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12.01. eine Sechsjährige ums Leben kam.

Der seit dem 14. Januar flüchtige Stiefvater eines kleinen Mädchens aus Torgelow wurde jetzt festgenommen. Er soll das Kind schwer misshandelt, aber keine Hilfe geholt haben. Ihm wird Mord durch Unterlassen vorgeworfen.

svz.de von
21. Januar 2019, 12:31 Uhr

Der unter Mordverdacht stehende 27-Jährige aus Torgelow ist gefasst und sitzt hinter Gittern. Eine Woche nach seiner Flucht nahm die Polizei den Gesuchten am Montagmittag auf der Bundesstraße 109 zwischen Ducherow und Anklam fest. „Er wollte nach Anklam zur Polizei, wo er sich in Begleitung eines Anwaltes stellen wollte“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Beatrix Heuer, in Neubrandenburg. Woher der Flüchtige kam, sei noch nicht klar. Torgelow liegt südlich von Anklam. Am Abend verkündete ein Haftrichter dem Beschuldigten den bereits bestehenden Haftbefehl - der Mann wurde in die Justizvollzugsanstalt Bützow gebracht.

Tod des Kindes billigend in Kauf genommen

Dem Mann werden Mord durch Unterlassen und Körperverletzung vorgeworfen. Er soll die sechs Jahre alte Tochter seiner Lebensgefährtin derart misshandelt haben, dass sie am 12. Januar in der Wohnung der Familie in Torgelow starb. Er habe den nahenden Tod des Kindes infolge der Misshandlungen erkannt und billigend in Kauf genommen, erklärte Heuer. Um seine Tat zu verdecken, habe er auch keine medizinische Hilfe geholt.

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Am 12. Januar hatte der Stiefvater die Retter alarmiert und vorgegeben, das Kind sei eine Treppe heruntergefallen.

Auch den jüngeren Bruder der Getöteten misshandelt

Rechtsmediziner widerlegten diese Angaben anhand des Verletzungsbildes des Mädchens. Zudem soll der Gesuchte auch den jüngeren Bruder der Getöteten misshandelt haben, wie erst später festgestellt wurde. Nach seiner Festnahme machte der 27-Jährige bei der Polizei keine Angaben zu den Vorwürfen. „Er hat von seinem Recht Gebrauch gemacht, zu schweigen“, sagte die Polizeisprecherin. Danach war der Mann nach zum Amtsgericht Pasewalk gebracht worden, dass wegen des großen Medienandrangs von Polizisten extra gesichert worden war. Dort verkündete ein Richter den bereits am 17. Januar erlassenen Haftbefehl wegen Mordes durch Unterlassen. Ob der Beschuldigte dort Angaben machte, war unklar. Beamte brachten ihn nach Bützow.

Torgelow: Eine Frau stellt vor dem Haus eine Kerze auf, wo am 12.01.2019 ein sechsjähriges Mädchen ums Leben kam.
Bernd Wüstneck/dpa

Torgelow: Eine Frau stellt vor dem Haus eine Kerze auf, wo am 12.01.2019 ein sechsjähriges Mädchen ums Leben kam.

Der Mann aus Vorpommern war am 12. Januar zunächst wegen „Körperverletzung mit Todesfolge“ unter Verdacht geraten, hatte aber bei einem Festnahmeversuch am 14. Januar aus dem Polizeirevier in Pasewalk fliehen können. Das hatte Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) bereits scharf kritisiert und die Umstände extra prüfen lassen.

Am Freitag veröffentlichte die Polizei zwei Fotos des 27-Jährigen, der in der Region Anklam/Torgelow aufgewachsen war und zeitweise auch in Wolgast gelebt hatte. Im Zuge der Fahndung wurden mehrere Wohnungen in Wolgast und Umgebung durchsucht. Es gab immer wieder Hinweise auf mögliche Aufenthaltsorte des mutmaßlichen Mörders.

Jugendamt fand keine Anhaltspunkte für Verfehlungen

Das Jugendamt hatte die Familie im Februar 2018 - damals hatten sich die Eltern getrennt und die Mutter lebte mit dem neuen Lebensgefährten noch in Wolgast - nach einem Hinweis überprüft, aber keine Anhaltspunkte für Misshandlungen gefunden.

Der Bruder der Getöteten wurde vom Jugendamt zum leiblichen Vater gebracht. Gegen die Mutter der beiden Kinder, die mit einem Baby in eine Mutter-Kind-Einrichtung gebracht wurde, wird wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung ermittelt.

Am Dienstag ist in Torgelow eine Trauerstunde in der evangelischen Kirche geplant. 

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