Getöteter Rentner in Wittenburg : Mutmaßlicher Mörder älter als zunächst angenommen

Der gewaltsame Tod eines 85-jährigen Rentners erschütterte im November die westmecklenburgische Kleinstadt Wittenburg. Die Ermittler kommen langsam voran.

svz.de von
16. Januar 2019, 13:23 Uhr

Der mutmaßliche Mörder eines Rentners in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ist älter als in seinen Papieren steht und kann damit nicht mehr auf einen Prozess nach dem milderen Jugendstrafrecht hoffen. Sein Personaldokument wies den abgelehnten Asylbewerber aus Afghanistan als 20-Jährigen aus, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin am Mittwoch sagte. An dem Alter hätten aber schon bei der Haftvorführung Zweifel bestanden.

In den Ermittlungen sei dann bekannt geworden, dass der Mann selbst in seinem Asylverfahren am Verwaltungsgericht Chemnitz sein Alter mit 24 Jahren angegeben hatte. Eine Altersfeststellung durch einen Gutachter in der Untersuchungshaft habe ebenfalls erbracht, dass er „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ über 21 Jahre ist. Der Mann soll dem 85-jährigen Rentner im November nachts in dessen Bett die Kehle durchgeschnitten haben. Nach mehrstündiger Flucht wurde er gefasst. Die Tat war von einer Überwachungskamera gefilmt worden.

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Angestellt für Hilfsarbeiten

Der Tatverdächtige schweigt laut Staatsanwaltschaft weiter zum Tatvorwurf und zu seinen möglichen Motiven. Einen politischen Hintergrund hatten die Ermittler gleich zu Beginn ausgeschlossen. Dabei bleiben sie auch nach einer Durchsuchung des Zimmers des Afghanen in der Asylbewerberunterkunft im Raum Zwickau und der Befragung von Zeugen aus seinem dortigen Umfeld, wie aus der Mitteilung hervorgeht.

Der abgelehnte Asylbewerber war den Ermittlungen zufolge von der Tochter des Opfers für Hilfsarbeiten am Haus nach Wittenburg geschickt worden. Er war am Vorabend der Tat dort eingetroffen. Der junge Mann soll schon einige Monate zuvor kurzzeitig zur Pflege des alten Herrn eingesetzt gewesen sein.

Weil der Beschuldigte nun nicht mehr als Heranwachsender gilt, wurde er für die weitere Untersuchungshaft aus der Jugendanstalt Neustrelitz in die JVA Bützow gebracht, wie es hieß. Die Auswertung der in Wittenburg gesicherten Spuren dauere an. Auf Mord steht nach Erwachsenenstrafrecht lebenslange Haft, das Jugendstrafrecht sieht in der Regel bis zu zehn Jahre vor.

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