Gefahr aus der Medikamentenbox : Arzneimittelreste belasten Gewässer in MV

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An 185 von 203 Messstellen konnten Rückstande nachgewiesen werden.

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16. Mai 2019, 05:00 Uhr

In MV werden in immer mehr Gewässern Arzneimittelreste entdeckt. An 185 von 203 Messstellen an Fließgewässern seien in den vergangenen zehn Jahren Rückstände nachgewiesen worden, teilte das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) heute mit. Tendenz: steigend.

Backhaus fordert Medikamenteneinsatz zu senken

Ein flächendeckendes Problem, meint LUNG-Chef Harald Stegemann. Schmerzmittel, Herzmedikamente, Antiepileptika oder auch Wassertabletten und Röntgenkontrastmittel: Bei 16,3 Prozent aller Messungen der letzten zehn Jahre seien im Wasser Wirkstoffe festgestellt worden – sowohl an kleinen als auch großes Abläufen von Kläranlagen. Von 47 untersuchten Arzneimitteln und vier Metaboliden seien 39 an Fließgewässern und 20 in Küstengewässern erkannt worden, teilte das Umweltministerium gestern mit. Selbst in Küstengewässern komme es trotz der starken Verdünnung zu Befunden. „Das zeigt, dass hier etwas passieren muss“, forderte Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern bei einem Treffen der Krankenhausgesellschaft den Arzneimitteleintrag in die Umwelt zu minimieren.

Größte Konzentrationen im ländlichen Raum

Die größten Konzentrationen hätten Prüfer an kleinen Vorflutern im ländlichen Raum registriert. Das sei u. a. auf die größere Zahl älterer Menschen in diesen Regionen zurückzuführen, die entsprechend mehr Medikamente verabreicht bekommen würden, sagte Stegemann. Die Pharmareste haben auch das Grundwasser erreicht – wenn auch an sehr wenigen der 270 Grundwassermessstellen. Für das Trinkwasser würden sich daraus allerdings „nach heutigem Stand der Wissenschaft keine Gesundheitsgefahren“ ergeben, meinte Backhaus.

Weitreichende Folgen für die Gesundheit

Die Abwasserwirtschaft wird dem Problem immer weniger Herr: 30 000 Tonnen Humanarzneimittel würden jährlich in Deutschland ausgereicht. Rückstände im Wasser können Folgen für die Gesundheit haben und die Wirkung von Medikamente einschränken. Die Stoffe ließen sich auch mit neuen Technologie nicht mehr vollständig aus Abwässern entfernen, mahnte Ralf Schüler, Landeschef der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) mehr Vorsorge und die Einführung eines Rücknahmesystems an. Ohne Kurskorrektur bestehe die Gefahr, dass die Ressourcen für die Trinkwasserentnahme weniger würden. Umweltminister Backhaus appellierte, durch Gesundheitsförderung den Medikamentenbedarf zu senken und forderte mehr umweltfreundliche Arzneimittel. Bis zum Jahresende wolle das Land in einem Prüfbericht das Ausmaß der Rückstandsbelastung im Wasser aufzeigen.

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