Interview zum Corona-Gipfel : Es darf keinen dauerhaften Alarm-Modus geben

Michael Sack
Michael Sack

Michael Sack, Landrat und CDU-Landesvorsitzender, äußert sich zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise.

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23. August 2020, 18:00 Uhr

Morgen wollen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und ihr Kabinett mit den Spitzen von Wirtschaft, Tourismus und Kommunen das weitere Vorgehen nach dem Lockdown in der Corona-Krise beraten. Es wird u.a. darum gehen, ab wann und in welchen Schritten Tagestouristen wieder nach Mecklenburg-Vorpommern kommen dürfen. MV ist das einzige Bundesland, in dem der Tagestourismus noch untersagt ist. Wir fragten in den letzten Tagen Politiker und Verbandsvertreter, was als nächstes geschehen muss. Heute geht es um die Kommunen. Mit dem Landrat in Vorpommern-Greifswald, Michael Sack, zugleich neuer CDU-Landesvorsitzender, sprach Max-Stefan Koslik.

Herr Sack, was erwartet die kommunale Ebene, was erwarten Sie als Landrat von dem Gipfel?
Die allermeisten Kommunen wirtschaften äußerst sparsam, trotzdem hat fast keine etwas auf der hohen Kante. Durch Corona gibt es deswegen jetzt schon gut sichtbare Löcher in den Haushalten vieler Kommunen. Ich erwarte von der Landesregierung bald ein Signal, wann die Kommunen in welcher Größenordnung mit Hilfe rechnen dürfen.

Ministerpräsidentin Schwesig ist in ihrer, manche meinen übertriebenen, Vorsicht nicht allein, auch Kanzlerin Merkel mahnt weiter zur Vorsicht, ist alles überzogen?
Die Bundesregierung hat bislang ziemlich viel richtig gemacht und die Länder haben die gemeinsamen Verabredungen in aller Regel gut umgesetzt. Vorsicht ist niemandem vorzuwerfen und auch nach wie vor richtig. Ich spüre aber, dass viele Menschen eine Antwort auf die Frage erwarten, wie es weitergehen soll, wenn kurzfristig kein Impfstoff zur Verfügung steht. Einen permanenten Alarm-Modus mag ich mir nicht vorstellen.

Wie sähe Ihr Ausstiegsszenario aus, welche Schritte würden sie raus aus dem Lockdown wählen?
Inzwischen ist ja schon vieles gelockert, die Restaurants und Frisöre sind geöffnet, der Tourismus hat wieder einigermaßen Tritt gefasst, einen großen Teil des Alltags haben wir wieder zurück. Priorität haben aus meiner Sicht Schulen und Kindertagesstätten. Der erste Schritt wird sein, dort wieder vollständig zur Normalität zurückzukehren – für diesen Schritt ist es aber noch zu früh.

Ministerpräsidentin Schwesig sagt, der Schulstart habe bislang gut geklappt, nur vier Schulen von 600 betroffen, wie sehen Sie das aus kommunaler Sicht?
Mecklenburg-Vorpommern ist als erstes Bundesland ins Schulhalbjahr gestartet und konnte daher nicht von den Fehlern anderer Länder lernen. Nach meiner Wahrnehmung klappt der Unterricht inzwischen ganz gut, Organisatorisch ist das jedoch für die Schulen eine große Herausforderung. Allen in der Schule kann man nur für die Umsicht nur danken.

Für den September ist ein Nachtragshaushalt geplant, muss das Land weitere Schulden für die Kommunen und die Wirtschaft aufnehmen?
Wenn das Land weitere Schulden machen will, dann braucht es auf jeden Fall verbindliche Tilgungspläne. Es tragen ohnehin die Jüngeren bzw. Familien mit Kindern jetzt schon die Hauptlast der Krise, das Land muss darauf achten, die Jungen mit einem Schuldenberg nicht auch noch zusätzlich zu bestrafen.
 

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