Fischerei MV : Binnenfischer verlangen längere Pachtverträge

Fischer Uwe Siekierkowski arbeitet auf seinem Hof an den Hälternetzen.

Fischer Uwe Siekierkowski arbeitet auf seinem Hof an den Hälternetzen.

Die Binnenfischer in MV fordern vom Land eine deutliche Laufzeitverlängerung ihrer Pachtverträge von 12 auf 18 Jahre. Sie versprechen sich davon mehr wirtschaftliche Sicherheit für notwendige Investitionen.

svz.de von
06. März 2019, 11:09 Uhr

„Das war ein guter Tag. Ich habe fast alles verkauft: Frischfisch, Räucherware, verschiedene Zubereitungen in Aspik“, bilanziert der Fischer Uwe Siekierkowski und macht seinen Verkaufswagen startklar für die Rückfahrt. Zweimal wöchentlich steht der Fischwirtschaftsmeister aus Raden (Landkreis Rostock) auf dem Teterower Markt, um seine Fänge aus acht Seen zu verkaufen. „Direktvermarktung - alles andere rechnet sich nicht“, sagt er.

Er plant einen zusätzlichen Verkaufswagen, um neue Märkte zu erschließen. „Aber die Unsicherheit ist einfach zu groß“, sagt Siekierkowski und verweist auf die Pachtverträge für die Gewässer. Die Fischer würden die Seen gerne länger pachten, 18 statt der aktuell zwölf Jahre, als Sicherheit für ihre Investitionen. Die Gewässer gehören dem Land. Bislang tut sich das Agrarministerium aber schwer damit, dem Wunsch der Fischer nachzukommen.

Vorschriften für Zuschüsse geändert

Nun soll ein neuerlicher Anlauf auf der Mitgliederversammlung des Binnenfischereiverbands am Donnerstag in Waren/Müritz unternommen werden. Derzeit bewirtschaften in Mecklenburg-Vorpommern 44 Binnenfischereibetriebe im Haupt- und weitere sechs im Nebenerwerb insgesamt 65 000 Hektar Gewässerfläche. In mehreren Fischereien steht eine Betriebsübergabe aus Altersgründen bevor.

„Längere Pachtzeiten und weniger Risiko bei dringend notwendigen Investitionen“, appelliert Landesverbandschef Ulrich Paetsch an Minister Till Backhaus (SPD). Der erklärt, dass sich die Förderung von Investitionen in der Fischerei Ende vergangenen Jahres geändert hat. Damit würden Vorschriften für finanzielle Zuschüsse aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds umgesetzt. Erfreulich für Siekierkowski: Damit ist jetzt auch die Förderung von Verkaufseinrichtungen für die Direktvermarktung möglich.

Angst vor höheren Pachten

„Nun muss nur noch die 2021 auslaufende Pachtzeit schnellstmöglich auf 18 Jahre verlängert werden“, sagt der Fischer. Viele seiner Kollegen befürchten jedoch höhere Pachtforderungen des Landes, sollte es ab 2022 längerfristige Pachtverträge geben. Die Pachthöhe richtet sich nach dem Fischbestand in den Seen, der vor rund 20 Jahren vom Institut für Fischerei in Rostock ermittelt wurde. Anders als erwartet hat sich der Fischbestand durch zahlreiche Umweltschutzmaßnahmen nicht erhöht, sondern verringert, heißt es aus der Branche. Es fehle vielen Arten schlichtweg an Nährstoffen.

Weniger Fisch bedeutet geringere Erlöse. Aber es gibt auch andere Beispiele: „Bei uns war beispielsweise die Maräne fast ausgestorben“, sagt Verbandschef Paetsch, der viele Jahre Chef der Seenfischerei Müritz-Plau war. Derzeit hat sich der Bestand im heute sehr sauberen Wasser nachhaltig erholt - allerdings mit Hilfe von Besatzmaßnahmen, dem Aussetzen aufgezogener Jungfische.

Zusätzliche Belastungen abgelehnt

Auch bei anderen Arten reicht die natürliche Vermehrung für akzeptable Fänge nicht mehr aus. Doch anders als die Kutter- und Küstenfischer haben die Binnenfischer vieles selbst in der Hand. Vorgeschriebene Fangquoten gibt es hier nicht. Die Binnenfischer können der Höhe der Bestände mit Besatzmaßnahmen nachhelfen. Doch die kosten Geld. Zusätzliche finanzielle Belastungen durch womöglich höhere Pachtzahlungen lehnen sie deshalb kategorisch ab.

Gleichwohl unterstützt das Land auch Besatzmaßnahmen. Im Zuge eines 2009 initiierten EU-Aalprojekts sind bislang knapp elf Millionen Euro geflossen. Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich bis Ende 2021 mit weiteren 1,6 Millionen Euro. Auch der Landesanglerverband unterstützt den Aalbesatz mit jährlich rund 100 000 Euro. Gerade hat der Verband ein Angelkursprojekt an Ganztagsschulen gestartet. Was Verbandspräsident Karl-Heinz Brillowski als lehrreiches Angebot für junge Naturkundler bezeichnet, kritisiert die Tierrechtsorganisation Peta als Erziehung zur Grausamkeit. Die Binnenfischer wiederum werten das Projekt als gute Möglichkeit, beruflichen Nachwuchs zu gewinnen.

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