Fachkräftemangel im Gastgewerbe : Lagus: Mehr Behinderte beschäftigen

Die Hotels und Gaststätten suchen wie nahezu jede andere Branche händeringend nach Arbeitskräften. Ein Teil der offenen Stellen könnten durchaus von Behinderten besetzt werden, ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales überzeugt.

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05. Dezember 2018, 10:26 Uhr

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) hat die Arbeitgeber im Hotel- und Gaststättenbereich aufgerufen, bei Personaleinstellungen verstärkt auf Behinderte zuzugreifen. Es gebe genügend Beschäftigungen, die von Schwerbehinderten ausgeführt werden können, sagte Kathrin Baumgarten, Leiterin des Integrationsamtes beim Lagus, vor dem Branchentag des Gastgewerbes Mecklenburg-Vorpommerns am Mittwoch in Heiligendamm. Sie könnten gut dazu beitragen, offene Arbeitsplätze zu besetzen.

„Viele Arbeitgeber haben noch gar nicht ausprobiert, einen Behinderten einzustellen“, sagte Baumgarten. Sie wüssten deshalb auch nicht, welche Bereicherung es im Gegenzug für das Team geben kann. „Sie sehen vielleicht nur den Mehraufwand und nicht den Nutzen.“ Viele Arbeitgeber wüssten auch nicht, dass Einstellungen von Behinderten vom Land bezuschusst werden können. Die zu Verfügung stehenden Gelder seien bislang noch nie ausgeschöpft worden.

Potenzielle Jobs für Behinderte gibt es viele im Gastgewerbe

Ein Ziel des Lagus sei, individuell danach zu schauen, wie Behinderte eingesetzt werden können. „Da sind wir auf die Informationen der Arbeitgeber angewiesen. Es ist auch unser Anliegen dazuzulernen“, sagte Baumgarten. Arbeitsplätze böten sich beispielsweise an im Küchenbereich oder in den Wäschekammern. In manchen Hotels würden solche Arbeitsplätze ausgelagert, weil sie kostenintensiv sind.

Dagegen könnten Waschstationen oder Bügelplätze extra eingerichtet werden. Dies seien Arbeitsplätze, bei denen die körperliche Bewegung oder Kommunikation nicht die zentralen Rollen spielten.

4000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos

Nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit waren im November 2018 landesweit rund 4000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Von ihnen hätten knapp 100 angegeben, im Hotel- und Gaststättenbereich arbeiten zu wollen. In Hotels und Gaststätten in MV sind rund 37 000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon laut Arbeitsagentur 399 Schwerbehinderte.

In Zeiten des Fachkräftemangels müsse jede Chance auf Einstellungen ergriffen werden, sagte Matthias Dettmann, Hauptgeschäftsführer der Dehoga in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Betriebe sind gut beraten, das auch zu tun.“ Hotels und Gaststätten hätten sich dazu bekannt, Tourismus für alle anzubieten. Deshalb sollten auch Behinderte dort arbeiten, wo es ihnen mit ihren Einschränkungen möglich ist. Dettmann jedoch räumte ein, dass die Einstellung von Behinderten bislang keine große Rolle gespielt habe.

Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) verwies in ihrem Grußwort darauf, dass in der Justizvollzugsanstalt Neustrelitz regelmäßig junge Gefangene die Berufsreife für das Hotel- und Gastgewerbe erreichen. „Wenn wir es schaffen, jungen Menschen auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft eine Perspektive ohne neue Straftaten aufzuzeigen, ist unser Konzept aufgegangen“, sagte sie. „Ich kenne Beispiele dafür, die auch immer wieder geeignet sind, mich zuversichtlich zu stimmen.“

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