Ernährungswirtschaft in MV : Salami und Schinken aus der Online-Fleischerei

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Ernährungswirtschaft in MV hält sich mit Web-Handel noch zurück.

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14. Mai 2019, 20:00 Uhr

Die ersten Fleischer machen es, Bio-Produktehersteller auch oder Pralinenfabrikanten: Die Ernährungswirtschaft in MV hat erste Produkte in Onlineshops im Angebot. Bratwürste, Salami, Schinken, auch Bock- oder Leberwurst im Glas und bald Frischfleisch von den eigenen Rindern – mehr als 60 verschiedene Wurstwaren hat Fleischer Robert Kriewitz aus Ueckermünde inzwischen in seinem vor drei Jahren eröffneten Online-Geschäft im Angebot.

Für ihn habe es seinerzeit kaum eine Alternative gegeben, erzählt er. „Wir sind fast dazu gezwungen worden, weil die Kunden in unserer ländlichen Region rarer wurden“, erinnert sich der 43-Jährige. Nach ersten Versuchen mit einem eigenen Online-Shop verkaufe er nun über Händlerplattformen wie Amazon. Das sorge für einen größeren Kundenkreis, meint er, auch wenn die Plattformen den Herstellern mit ihren Ansprüchen das Leben schwer machten.

Qualitätsware aus dem Internet

Seitdem würden in seinem Geschäft täglich zahlreiche Pakete mit seinen Wurstwaren versandfertig gemacht – für Kunden deutschlandweit. Die würden für die frische Ware aus dem Handwerksbetrieb auch die zusätzlichen Versandkosten in Kauf nehmen. Er setze auf Kunden, die bereit seien, Qualität zu bezahlen und das Handwerk schätzten, erklärt der Firmenchef.

Mit seiner Qualitätsware könne er sich im Netz in eine Reihe mit Gourmettempeln stellen. Inzwischen habe das Online-Geschäft einen Anteil am Gesamtumsatz seiner Fleischerei im niedrigen zweistelligen Prozentbereich – mit hohem Aufwand. Allein eine Mitarbeiterin sei nur mit der Betreuung der Online-Kunden beschäftigt. Doch für Kriewitz führt am Web-Handel kein Weg vorbei: „Das ist die Zukunft.“

Viele Hersteller zögern mit einem Onlineshop

Der Fleischer ist in MV mit seinem Shop für Lebensmittel im Netz noch ziemlich allein unterwegs. Nur für 3,5 Prozent der Hersteller im Nordosten ist der Online-Verkauf der umsatzstärkste Vertriebsweg, ergab eine gestern vorgestellte Umfrage unter 136 Unternehmen in Norddeutschland. Noch zögerten viele Hersteller, erklärte Tobias Blömer, Chef der Marketinggesellschaft der Agrar- und Ernährungswirtschaft MV (AMV), gestern im Vorfeld des 3. Norddeutschen Ernährungsgipfels heute in Rostock.

Auf dem Branchentreffen wollen Hersteller, Händler und Politiker Chancen des Online-Handels erörtern. Teurer und komplizierter Versand von Frischware, hohe Aufbaukosten für den Online-Shop, rechtliche Fallstricke: Viele Hersteller scheuten den Online-Einstieg. Jedes zweite Unternehmen in MV lehne das Geschäft im Netz noch ab und habe keinen Online-Shop, so die Umfrage.

Neue Verkaufswege und neue Kunden

Doch es entwickelt sich: Zumindest jedes zehnte Unternehmen in MV plant den Angaben zufolge den Aufbau eines eigenen Online-Shops. Die Angst vor dem hohen Aufwand stehe der Hoffnung auf höhere Margen, zusätzliche Verkaufswege und neue Kunden gegenüber. Doch Blömer gibt sich keinen Illusionen hin: Mit dem Web-Handel ließen sich zwar neue Geschäfte machen. Die Umsatzbußen der Branche könnten damit aber nicht ausgeglichen werden, sagte er.

Erst im vergangenen Jahr habe die Ernährungswirtschaft in MV Umsatzverluste von 4,6 Prozent wegstecken müssen. Der Online-Handel sei zwar ein Weg, sich dem Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels zu entziehen. „Er wird in den kommenden fünf Jahren wachsen. Er wird aber vorerst ein Nischen-Geschäft bleiben“, meinte Blömer.

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