Erkrankung : „So etwas ist immer ein riesiger Schock“: Ministerpräsidentin Schwesig hat Brustkrebs

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Foto: Volker Bohlmann

Schlimme Diagnose für Manuela Schwesig: Die 45 Jahre alte SPD-Politikerin ist an Brustkrebs erkrankt. Ihr Amt als kommissarische SPD-Chefin gibt sie deshalb auf. Als Ministerpräsidentin in Schwerin macht sie weiter.

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10. September 2019, 10:26 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat Brustkrebs. Es sei ihr wichtig, von vorneherein offen und ehrlich mit der Diagnose umzugehen, so die Politikerin. Erst am gestrigen Tag habe sie mit den Ärzten, nach mehreren Untersuchungen, eine abschließende Entscheidung über eine passende Behandlung für den Krebs besprochen. Angedacht seien medizinische, überwiegend ambulante Maßnahmen. „Viele Frauen erkranken jedes Jahr an Brustkrebs“, so Schwesig. Diese Frauen würden zeigen, dass Therapie und Beruf vereinbar seien.

Parteiämter auf Bundesebene niederlegen

Deshalb wolle sie das Amt der Ministerpräsidentin und auch den SPD-Parteivorsitz in Mecklenburg-Vorpommern weiter ausüben. Ihre Parteiämter auf Bundesebene werde sie jedoch niederlegen. „Es ist auch klar, dass ich in den kommenden Monaten meine Kräfte auf Mecklenburg-Vorpommern, meine Gesundheit und meine Familie konzentrieren muss“, so die Politikerin. Schwesig ist derzeit eine von drei kommissarischen SPD-Bundesvorsitzenden.

Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt und ich werde auch diesen Kampf führen. Manuela Schwesig
 

In diesem Zuge bat sie um Verständnis, dass sie aufgrund der Erkrankung in nächster Zeit nicht alle Termine wahrnehmen könne. Sie habe die Ministerinnen und Minister gebeten, sie an diesen Tagen zu vertreten, erklärte die 45-Jährige.

Verantwortung für MV und die Familie im Vordergrund

„So etwas ist immer ein riesiger Schock“, sagte Schwesig auf einer Pressekonferenz am Dienstagmittag. Allerdings sei sie zuversichtlich, die Krankheit zu besiegen und verwies auf ihre Parteigenossin Kerstin Weiss. Die Landrätin von Nordwestmecklenburg war ebenfalls vor Jahren an Krebs erkrankt und wieder in ihr Amt zurückgekehrt. Es sei wichtig, betonte Schwesig, ihre Genesung auf fünf Säulen bauen zu können. Neben der eigentlichen Gesundung nehme sie auch die Verantwortung für das Land MV und ihre Familie sehr ernst. Gleichzeitig sei eine gut funktionierende Landesregierung und der Rückhalt ihrer Partei wichtig.

„Die gute Nachricht ist: Dieser Krebs ist heilbar“, sagte Schwesig. Nach „intensiven Gesprächen mit den behandelnden Ärzten“, sei sie sehr zuversichtlich, wieder vollständig gesund zu werden. „Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt und werde auch diesen führen“, gibt sich die Politikerin zuversichtlich.

Es ist auch klar, dass ich in den kommenden Monaten meine Kräfte auf Mecklenburg-Vorpommern, meine Gesundheit und meine Familie konzentrieren muss. Manuela Schwesig

Schwesig ist derzeit eine von drei kommissarischen SPD-Bundesvorsitzenden. Zusammen mit Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel wollte sie die Partei bis zur geplanten Wahl eines Führungsduos im Dezember anführen.

Noch am Wochenende hatte Manuela Schwesig die Brandschützer und Helfer des Waldbrands von Lübtheen auf einer Dankesfeier geehrt.

Politischer Werdegang Manuela Schwesig

Schwesig hatte sich in den vergangenen zehn Jahren im Eilzugtempo in die erste Reihe der deutschen Politik vorgearbeitet. Nach nur vier Jahren als Stadtvertreterin in Schwerin wurde sie 2008 - gerade 34 Jahre alt - Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns und 2013 dann Bundesfamilienministerin. Nach nur sechs Jahren Parteizugehörigkeit war Schwesig 2009 als Hoffnungsträgerin der Ost-SPD Bundesvize ihrer Partei geworden.

Im Sommer 2017 gab sie ihr Ministeramt in Berlin vorzeitig auf und übernahm vom damals an Krebs erkrankten Erwin Sellering (SPD) auf dessen Wunsch das Ministerpräsidenten-Amt. Doch auch in ihrer neuen Funktion blieb die heute 45-Jährige bundespolitisch aktiv und trat dabei vorrangig als Fürsprecherin für die Interessen der Ostdeutschen in Erscheinung.

Schwesig wurde 1974 in Frankfurt (Oder) geboren. Im Land Brandenburg verlebte sie auch ihre Kindheit, legte das Abitur ab und absolvierte ihr Studium zur Diplom-Finanzwirtin. Im Jahr 2000 zog sie nach ihrer Heirat nach Schwerin, wo sie heute mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt.

Schwesigs Amtsvorgänger Sellering: Krebs-Nachricht ist ein Schock

Ex-Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der vor zwei Jahren wegen einer schweren Krebserkrankung aus dem Amt geschieden war, hat die Nachricht von der Brustkrebs-Diagnose bei seiner Nachfolgerin Manuela Schwesig (SPD) als Schock bezeichnet.„Aber Brustkrebs hat - anders als viele andere Krebsarten - eine wirklich gute Prognose, so dass alles dafür spricht, dass Manuela Schwesig ihr Amt bald wieder voll ausüben kann“, sagte Sellering am Dienstag. „Ich wünsche ihr und ihrer Familie von Herzen, dass sie diesen Schicksalsschlag gemeinsam gut bewältigen.“

Weiterlesen: Manuela Schwesig löst Erwin Sellering ab : Eine Frau führt die Regierung

Erwin Sellering war im Mai 2017 an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und hatte deshalb sein Amt als Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern nach knapp neun Jahren niedergelegt. Nach erfolgreicher Therapie kehrte er im Dezember 2017 als Landtagsabgeordneter in die Politik zurück. Außerdem engagiert er sich für die deutsch-russische Verständigung, wofür er im vergangenen Jahr den Verein „Deutsch-Russische Partnerschaft“ gründete.

Bestürzung bei Parteien

Der CDU-Landesvorsitzende Vincent Kokert wünschte ihr im Kampf gegen den Krebs viel Kraft, alles erdenklich Gute und Gottes Segen. „Angesichts einer solchen Nachricht muss Politik in den Hintergrund rücken.“

Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Krüger, drückte seine Hochachtung für den Umgang Schwesigs mit der schlimmen Nachricht aus. „Sie stellt die Anforderungen des Landes über ihre persönlichen Belange und hat angekündigt, das Amt der Ministerpräsidentin weiterzuführen.“ Dass sie dennoch an irgendeiner Stelle kürzer treten muss und in der Bundespartei Aufgaben abgibt, sei selbstverständlich.

 

Die besten Wünsche im Namen aller Fraktionsmitarbeiter und „viel Kraft und Zuversicht im Kampf gegen die Erkrankung“ kamen von der Vorsitzenden der Linksfraktion, Simone Oldenburg.

„Trotz aller politischer Differenzen hoffen wir, dass Frau Schwesig das Amt der Ministerpräsidentin bald wieder mit voller Kraft ausfüllen kann“, erklärte David Wulff, Landesgeneralsekretär der FDP.

Auch die AfD bekundete ihr Bedauern über die „tragische Krebsdiagnose“ und drückte den Wunsch nach schneller und vollständiger Genesung aus.

Merkel wünscht Schwesig Genesung

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der an Brustkrebs erkrankten SPD-Spitzenpolitikerin Manuela Schwesig vollständige Genesung gewünscht. „Die Nachricht von Manuela Schwesigs Krebserkrankung macht mich betroffen“, sagte Merkel nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert. „Ich habe mit ihr telefoniert und ihr von Herzen gewünscht, dass sie wieder ganz gesund wird, dazu Kraft und Zuversicht in dieser schwierigen Zeit.“ CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer äußerte sich im Kurznachrichtendienst Twitter:

 

Genesungswünsche aus Thüringen

Thüringens CDU-Landesvorsitzender Mike Mohring hofft ebenfalls auf Genesung der an Krebs erkrankten SPD-Spitzenpolitikerin Manuela Schwesig. „Von Herzen wünsche ich Ihnen Genesung und auf dem anstrengenden Weg dahin, Kraft und Zuversicht, ein Licht an dunklen Tagen und wenn ich das darf, Gottes reichen Segen“, twitterte Mohring am Dienstag. Mohring hatte zu Jahresbeginn selbst eine im vergangenen Herbst festgestellte Krebserkrankung öffentlich gemacht, seine Akuttherapie ist inzwischen abgeschlossen.

Weiterlesen: Mit offenem Visier: Politiker und ihr Umgang mit Krebs

Thüringens SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee sprach auf Twitter von einer schlimmen Nachricht. „Meine Gedanken sind bei Dir. Ich wünsche Dir in den nächsten Wochen viel Kraft für Deine Genesung“, schrieb er. Die Thüringer SPD hoffe „so sehr, dass alles gut wird“.

Schwesig dankte ebenfalls auf Twitter mit einer Gedichtzeile von Dietrich Bonhoeffer (1906-1945):

 

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist Brustkrebs mit rund 69 000 Neuerkrankungen jährlich die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Fast 30 Prozent der betroffenen Frauen sind demnach bei Diagnosestellung jünger als 55 Jahre. Bei frühzeitiger Erkennung gelten die Heilungschancen aber als gut.

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