Durchbruch bei Verhandlungen : Neues Dokumentationszentrum Prora kommt

Ein Schild mit der Aufschrift 'MACHT Urlaub' hängt an der Fassade des Dokumentationszentrums Prora auf dem Gelände des KdF-Seebads Prora in der Gemeinde Binz auf der Insel Rügen.
1 von 2

Ein Schild mit der Aufschrift "MACHT Urlaub" hängt an der Fassade des Dokumentationszentrums Prora auf dem Gelände des KdF-Seebads Prora in der Gemeinde Binz auf der Insel Rügen.

Nun ist es keine Frage mehr ob, sondern nur noch wie das neue Bildungs- und Dokumentationszentrum im NS-Koloss Prora entstehen soll. In den zuletzt schwierigen Verhandlungen ist ein Durchbruch erzielt worden.

svz.de von
26. November 2018, 13:39 Uhr

In den stockenden Verhandlungen um den Umbau eines Teils des NS-Baus Prora zu einem Dokumentationszentrum sind überraschend Fortschritte erzielt worden. Der Landkreis Vorpommern-Rügen - Eigentümer des Teils von Block 5, in dem das Zentrum entstehen soll - habe die Trägerschaft für die Sanierung übernommen, bestätigte Landrat Stefan Kerth (SPD) am Montag. Bisher hatte der Kreis darauf bestanden, keinen finanziellen Risiken bei Umbau und Betrieb ausgesetzt zu werden. Die Einigung war am Freitagabend auf der Mitgliederversammlung des Dachvereins bekanntgegeben worden, der das Zentrum später betreiben soll.

Weiterlesen: Bauboom in Prora: Massentourismus überrollt Geschichte

Für die Sanierung der sogenannten Liegehalle stellen Bund und Land 6,8 Millionen Euro bereit. Der Landkreis werde als Empfänger der Förderung fungieren und zusammen mit dem Land die Bauarbeiten planen.

Alleine wäre der Kreis mit dem Projekt überfordert, sagte Kerth. Nach dem Umbau will der Kreis aber keine Verpflichtungen mehr haben: „Da muss abgesichert werden, dass wir von den Kosten bei der Betreibung frei gehalten werden“, sagte der Landrat. Der Vereinbarung müsse noch der Kreistag zustimmen, angepeilt werde dafür das erste Quartal 2019.

Blick auf Block 5 im denkmalgeschützten Komplex Prora.
Stefan Sauer

Blick auf Block 5 im denkmalgeschützten Komplex Prora.

 

Hoffnung: Eröffnung 2021

„Das ist wunderbar und eine ganz unerwartete positive Wendung“, sagte die Leiterin des Prora-Zentrums, Susanne Misgajski. Sie hoffe auf einen Baubeginn Anfang 2020 und eine Eröffnung im Jahr 2021. Wie das Zentrum danach aussehen könnte, skizziert die Betriebsstudie einer Beratungsfirma, die aber nicht verbindlich ist: In der Liegehalle könnte demnach auf mehreren Stockwerken mit Dauerausstellungen die Geschichte Proras in der NS-Zeit und der DDR erzählt werden. Hinzu kommen sollen Flächen für Sonderausstellungen, Seminarräume, Läden, Gastronomie und eine Aussichtsplattform auf dem Dach der Halle.

Für die Ersteinrichtung nach dem Umbau veranschlagt die Studie weitere 1,5 Millionen Euro. Zudem sei eine dauerhafte Förderung durch das Land nötig, die Berechnung geht von 200.000 Euro im Jahr aus.

Konkrete Förderzusagen wollte Bildungsstaatssekretär Steffen Freiberg zunächst nicht abgeben. Er sagte aber, es sei klar, dass - wenn so viel Millionen besorgt worden seien - niemand zusehen werde, wie das Projekt pleite gehe.

Weiterlesen: Prora jetzt auch Erholungsort

Der Block 5 ist der letzte Teil der auf etwa 4,5 Kilometer geplanten und auf 2,5 Kilometer erhaltenen Anlage, der noch in öffentlicher Hand ist. Der Bund hatte seit 2004 die Blöcke 1 bis 4 des einst von den Nationalsozialisten als „Seebad der 20000“ konzipierten Areals an Privatinvestoren verkauft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen