Nach Diesel-Skandal : Klagewelle gegen VW in MV

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Stress bei Gerichten: Hunderte Verfahren im Nordosten

svz.de von
07. November 2018, 20:00 Uhr

Aufstand der VW-Fahrer im Nordosten: Nach dem vor drei Jahren bekannt gewordenen Diesel-Skandal haben wenige Wochen vor dem Ende der Verjährungsfrist mehr als 200 Besitzer von Diesel-Fahrzeugen in MV bei den Landgerichten Klagen gegen den VW-Konzern oder Autohäuser eingereicht. Hunderte weitere Verfahren laufen vor Gerichten in anderen Bundesländern, berichten Juristen. Seit gestern werden vor dem Landgericht Stralsund 15 Klagen verhandelt. Der Vorwurf der Autobesitzer an VW: sittenwidriges Verhalten der Autobauer. Allein in Schwerin und Stralsund stehen etwa 180 Verfahren zur Verhandlung an, ergab eine Umfrage unter Gerichten – in Neubrandenburg 43, weitere in Rostock. Fast täglich kämen neue hinzu, erklärte Detlef Baalcke, Sprecher des Landgerichts Schwerin.

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Kampf gegen Klagewelle: VW macht lokrative Verleichsangebote

Bundesweit seien mehrere 1000 Verfahren anhängig – VW zufolge knapp 24.000. Die Kläger forderten Schadensersatz oder die Fahrzeugrücknahme durch den Hersteller, erläuterte der Vizepräsident des Landgerichts Neubrandenburg, Carl-Christian Deutsch. In ersten Verfahren hätten die Landgerichte inzwischen entschieden, zugunsten aber auch gegen VW-Besitzer. Gegen die Urteile sei Berufen vor dem Oberlandesgericht eingelegt worden, die nach entsprechenden Vergleichsangeboten aber zurückgenommen worden seien.

Juristen berichten, dass VW in den Fällen derart lukrative Angeboten unterbreitet habe, dass man nicht ablehnen konnte. Der Konzern scheue eine Entscheidung vor einem Oberlandesgericht, weil die als Referenz für andere Gerichte gelten könnte.

Anspruch auf Schadensersatz droht Verjährung

Die Verbraucherzentrale rät indess betroffenen Fahrzeugbesitzern in MV, bis zum Jahresende Schadensersatzansprüche gegen VW geltend zu machen. Die Erfolgsaussichten stehen gut, sagte Axel Drückler von der Verbraucherzentrale MV. Betroffene sollten entweder einen Anwalt beauftragen oder sich einer Musterfeststellungsklage der Verbraucherzentralen und des ADAC anschließen. Damit werde die drohende Verjährung gehemmt, sagte Christian Hieff, Sprecher des ADAC Hansa, am Mittwoch. Groben Schätzungen des Autobilclubs zufolge sind in MV Besitzer von bis zu 50 000 VW-Fahrzeugen vom Dieselskandal betroffen.

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Den Gerichten droht weiterer juristischer Megaaufwand: Nach VW rechnen die Richter in MV mit weiteren Verfahren auch gegen andere Fahrzeughersteller wie beispielsweise Opel oder Mercedes. Das sei von Juristen bereits angekündigt worden, hieß es. 

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