Im Gedenken an Ulrich Schacht : Die Würde unterschiedlich gelebter Leben

Die Streitgespräche mit Ulrich Schacht bei der SVZ waren legendär.
Die Streitgespräche mit Ulrich Schacht bei der SVZ waren legendär.

Die SVZ lädt zur Leserveranstaltung im Gedenken an unseren Gastautor Ulrich Schacht.

svz.de von
24. November 2018, 05:00 Uhr

Gerade noch hatte er sich einen kurzen Urlaub mit Stefanie gegönnt. Auf Bornholm. „Großartige Insel“, wie er mir nächtens am 31. August schrieb. Ulrich Schacht, ein lebensfroher, wortgewaltiger, aber höchst empfindsamer Kerl, dem es schmeichelte, als „Gedanken-Berserker“ tituliert zu werden.

Friedlich lächelnd sei er gegangen, am Sonntag, dem 16. September. Im Sessel sitzend, in seinem schwedischen Refugium Förslöv – mit dem weiten Blick aufs Meer, mit 67 Jahren.

Wenige Monate zuvor hatte Ulrich Schacht für Aufsehen gesorgt mit einem Interview in unserer Zeitung: Einen Gesinnungskorridor prangerte er da an. „Kritiker der durch die rechtswidrige Grenzöffnung entstandenen Probleme werden weder was die Personen betrifft noch ihre Argumente fair behandelt, um das Mindeste zu sagen“, äußerte er im Interview. Später stritt er sich mit unserem Autor Jan Philip Hein über Russland und den Westen. Starke Diskurse, manchmal an der Schmerzgrenze, aber auf jeden Fall lebendig, kraftvoll und authentisch.

Lesung im Gedenken an SVZ-Gastautor Ulrich Schacht

Das hatte seinen Grund in seiner vielfach gebrochenen Biografie. Der Theologe, Autor und Dichter wuchs in Wismar auf, saß wegen „staatsfeindlicher Hetze“ in Schwerin in Stasi-Haft, bis ihn 1976 die Bundesrepublik freikaufte. Welch bittere Ironie. Denn schon das Licht der Welt erblickte Schacht im Frauengefängnis Hoheneck, wo die SED seine schwangere Mutter eingekerkert hatte, während der Vater, ein sowjetischer Offizier, deportiert wurde.

Ulrich Schacht verlieh dieser Zeitung als streitbarer Autor und Diskutant Impulse. Die Zusammenarbeit habe ihn „berührt“, schrieb er in der letzten Augustnacht. „Es ist ungemein eindrucksvoll für mich, wie sich unser Gespräch seit der allerersten Runde entwickelt hat, und es ist bei Gott nicht so, dass nur Du der geistig in Bewegung Versetzte wärst – auch ich profitiere reich davon, zeigt sich darin doch zuletzt, was geistige Freiheit zu leisten vermag: Vertrauen zu schaffen, in dem die Würde unterschiedlich gelebter Leben dadurch entsteht und wächst, indem daraus für das neue Gemeinsame Erkenntnis gewonnen wird!“

Am 17. Oktober war eine Lesung seines stark autobiografischen Romanerstlings „Notre Dame“ in unserem Verlagshaus geplant. Die blieb uns versagt. Stattdessen wollen wir gemeinsam mit Weggefährten unseren streitbaren, strengen, aber auch lebensprallen Autor mit einer Lesung und Diskussion feiern.

Wir schätzen uns glücklich, dass seine Frau Stefanie wie auch Tochter Constanze uns die Ehre geben werden.

Leserforum: Seien Sie dabei
Sie, liebe Leserinnen und Leser, können dabei sein: Am Mittwoch, dem 28. November, um 17 Uhr, im Verlagshaus der Schweriner Volkszeitung, Gutenbergstraße 1 in Schwerin. Bitte sagen Sie uns, ob wir mit Ihnen rechnen dürfen: 0385 / 6378 8101 (Ortstarif)
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