DDR-Atommeiler Lubmin : Baustart der Zerlegehalle für atomaren Abfall

n der Halle, deren Kosten das EWN mit 43 Millionen Euro beziffert, sollen schwach- und mittelradioaktive Kraftwerks-Großteile zerkleinert und für die Entsorgung beziehungsweise Endlagerung vorbereitet werden.
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In der Halle, deren Kosten das EWN mit 43 Millionen Euro beziffert, sollen schwach- und mittelradioaktive Kraftwerks-Großteile zerkleinert und für die Entsorgung beziehungsweise Endlagerung vorbereitet werden.

Nach dem Rückbau des DDR-Atommeilers in Lubmin konzentriert sich das EWN zunehmend auf das Zerlegen von Kraftwerksteilen und das Verpacken von radioaktiven Abfällen.

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26. Dezember 2018, 20:00 Uhr

Das bundeseigene Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) in Lubmin hat mit dem Bau einer Zerlegehalle für atomaren Abfall begonnen. In dem Gebäude, dessen Kosten das EWN mit 43 Millionen Euro beziffert, sollen schwach- und mittelradioaktive Kraftwerks-Großteile zerkleinert und für die Entsorgung beziehungsweise Endlagerung vorbereitet werden. Die Halle in Nähe des bestehenden Zwischenlagers soll mit technischen Bereichen für Trocken- und Nasszerlegung ausgestattet sein und Ende 2021 in Betrieb gehen, sagte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes. Die Baubehörden des Kreises Vorpommern-Greifswald hatten die erste Teilbaugenehmigung erteilt, auf deren Grundlage im Dezember die Gründungsarbeiten begannen. Eine weitere Genehmigung erwartet das EWN, Rechtsnachfolger der DDR-Atommeiler Lubmin und Rheinsberg, vom Innenministerium.

„Rückbau und Entsorgung von Nuklearanlagen werden sich bei uns wie auch in Deutschland insgesamt bis weit in die 30er Jahre hinziehen“, sagte Cordes. In den nächsten Jahren werde sich das Unternehmen auf das Zerlegen von Reaktordruckgefäßen, das Verpacken radioaktiver Abfälle, die Zwischenlagerung und die Vorbereitung der Endlagerlogistik konzentrieren. Das EWN beschäftigt an seinen Standorten in Lubmin und Rheinsberg rund 900 Mitarbeiter, rund zwölf Prozent mehr als 2014.

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Endlagerung im „Schacht Konrad“

In der ersten Ausbaustufe, die sich über die 2020er Jahre erstreckt, würden in der Halle Dampferzeuger, später auch Reaktordruckbehälter zerlegt, um sie für die Endlagerung im „Schacht Konrad“ vorzubereiten. Aufträge von Dritten lägen zurzeit nicht vor, doch schließt das bundeseigene Unternehmen solche Arbeiten nicht aus. Die Auslegung der Halle sei bundesweit einzigartig, sagte Cordes. Aus der Landespolitik hat es immer wieder Befürchtungen gegeben, dass das EWN nach dem Rückbau der DDR-Kernkraftwerke Lubmin und Rheinsberg das Drittgeschäft mit fremdem Atommüll am Standort Lubmin ausweitet.

Als Schutz vor Terrorangriffen plant das EWN zudem den Bau eines neuen Lagers für die im Zwischenlager Nord (ZLN) deponierten 74 Castoren mit hochradioaktivem Abfall. Im Frühsommer will das EWN nach den Worten Cordes den Bauantrag für die etwa 135 Meter lange Halle stellen.

Für den als Ersatzlager geplanten Neubau will das EWN zunächst keine sogenannte Heiße Zelle zur Umverpackung von Castoren beantragen, behält sich aber dafür eine Raumreserve vor, wie Cordes sagte. Diese könnte notwendig werden, sollten sich die Anforderungen an die Zwischenlagerung verändern. Bislang ist die Castoren-Lagerung in Lubmin bis zum Jahr 2039 genehmigt. Alle Bestrebungen, ein zentrales Endlager für den hochradioaktiven Abfall aus deutschen Atommeilern zu finden, sind bislang gescheitert. Im Frühjahr 2017 beschloss der Bundestag dafür das Standortauswahlgesetz.

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Bund zahlt für Demontage 6,6 Milliarden Euro

Die Grünen-Landesvorsitzende Ulrike Berger sagte, gerade vor dem Hintergrund der ungeklärten Endlagerfrage müsse eine „Heiße Zelle“ zu den notwendigen Sicherheitsstandards in Zwischenlagern gehören. „Die gültigen Nachweise attestieren den Transport- und Lagerbehältern eine Sicherheit für 40 Jahre“, sagte sie und verwies auf ein Positionspapier zur Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle, das von mittlerweile von mehr als 70 Anti-Atom-Initiativen und Verbänden mitgetragen werde.

Für die absehbare Verlängerung der Lagerdauer gebe es keine zuverlässigen Sicherheitsnachweise für Zustandsänderungen an den Behältern, sagte Berger. Die Transportfähigkeit der Behälter wie auch deren Reparatur und die Überprüfung des Inventars müssten über den gesamten Zeitraum der Zwischenlagerung gewährleistet sein. Die einzige „Heiße Zelle“ für den Austausch von Primärdeckeldichtungen der Behälter sowie das Umladen von Behälterinventaren sei in Deutschland die Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben. Diese entspreche schon heute nicht mehr dem Stand der Technik und werde zudem nach Angaben des Betreibers in absehbarer Zeit stillgelegt.

Der Rückbau des DDR-größten Atommeilers ist auch mehr als zwei Jahrzehnte nach der Stilllegung nicht abgeschlossen. Zwar sei die Ausrüstung in den einst fünf aktiven Blöcken weitgehend demontiert. Das Zerlegen und Verpacken dieser Komponenten oder auch das Entfernen von Leitungen und kilometerlangen Kabeln erweise sich als aufwendig. Als letzter großer Rückbauschritt ist die Dekontamination der Kraftwerksgebäude geplant. Dazu müssten mehr als 460 000 Quadratmeter Wand-, Boden- und Deckenflächen auf radiologische Kontamination untersucht und gereinigt werden - eine Fläche, 65-mal so groß wie die Spielfläche des Ostseestadions. Für die Demontage der DDR-Kraftwerke in Lubmin und Rheinsberg zahlt der Bund rund 6,6 Milliarden Euro.

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