Bürgerbeauftragter Matthias Crone : Beachtung von Behindertenbelangen: „Könnte etwas mehr sein“

 ILLUSTRATION - Ein Mann sitzt in einem Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz am Schreibtisch.

 ILLUSTRATION - Ein Mann sitzt in einem Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz am Schreibtisch.

Die anhaltend große Arbeitskräftenachfrage erhöht auch die Chancen von Behinderten auf einen Job. Doch in anderen Bereichen bleiben die Hürden für Menschen mit Handicaps unvermindert hoch.

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27. Dezember 2018, 20:00 Uhr

Die gravierenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern wirken sich auch auf die Hilfeersuchen beim Bürgerbeauftragten Matthias Crone aus. «Früher beschäftigte die Leute vor allem, wie sie bei Arbeitslosigkeit an die staatlichen Leistungen kommen. Heute wird immer häufiger die Frage gestellt: Wie komme ich in Arbeit», sagte Crone der Deutschen Presse-Agentur. Die wachsende Nachfrage nach Arbeitskräften erhöhe die Vermittlungschancen auch für Schwerbehinderte. «Die Marktentwicklung verändert die Haltung der Firmenchefs spürbar», stellte Crone fest. Gemeinsam mit den Arbeitsagenturen informiere er Unternehmen über die bestehenden Eingliederungshilfen.

Barrieren im Alltag bleiben

Weniger spürbar sei hingegen der seit Langem geforderte Abbau von Barrieren im Alltag. «Der Bedarf an barrierefreien und auch noch bezahlbaren Mietwohnungen wächst, ohne dass das Angebot Schritt hält», konstatierte Crone. Bei Neubauten werde zwar darauf geachtet, dass ein Teil dieser Wohnungen auch für Menschen mit Handicaps nutzbar ist. Doch seien die gesetzlichen Vorgaben in der Bauordnung unzureichend. «Das Landesrecht ist weder ambitioniert noch zukunftsfest», kritisierte Crone. Zudem werde die Einhaltung der Vorgaben, insbesondere bei Sanierungen, zu wenig kontrolliert.

Beschwerden hätten ihn auch von Touristen erreicht, die über unzureichende Angebote der Hotelbranche für Behinderte klagten. «Es ist auch schwer, ein Hotel für eine mehrtägige Konferenz zu finden, an der fünf Rollstuhlfahrer teilnehmen», sagte Crone. Der auch für die Belange Behinderter zuständige Bürgerbeauftragte forderte den Gesetzgeber auf, über die bisher für die Hotellerie formulierten Minimalstandards hinauszugehen. «Für ein Land, das so stark vom Tourismus lebt, könnte es schon etwas mehr sein», mahnte Crone.

Städte nicht auf Bedürfnisse eingestellt

Kritisch äußerte er sich auch zu jüngsten Tendenzen im Städtebau. In Neubaugebieten würde - offenbar aus Kostengründen - immer häufiger auf Bürgersteige verzichtet. «Solche Mischverkehrsflächen sind aber für Rollstuhlfahrer und auch für Sehbehinderte, die sich mit ihrem Stock bisher am Bordstein orientieren konnten, problematisch. Sie sind Teil des Straßenverkehrs und haben keinen geschützten Bereich mehr für sich», sagte Crone. Zudem gebe es noch immer Bahnhöfe im Land, die nicht auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern eingestellt sind.

Für das zu Ende gehende Jahr rechnet der Bürgerbeauftragte mit rund 1700 Eingaben und Hilfeersuchen. Das wären in etwa so viele wie 2017, als mit 1727 Beschwerden die bislang höchste Zahl seit langem registriert wurde. Etwa jeder zweite Fall beziehe sich weiterhin auf den Bereich Soziales und Sozialrecht. Erneut gestiegen seien die Eingaben zur Kinder- und Jugendhilfe aber auch zu kommunalen Problemen.

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