Landwirtschaft : Bio statt Chemie - Jungunternehmer aus MV entwickeln Düngeralternativen

Die Start-ups GeoFert und trerra nutri aus MV entwickeln Alternativen zu herkömmlichen Düngemittel.

Die Start-ups GeoFert und trerra nutri aus MV entwickeln Alternativen zu herkömmlichen Düngemittel.

Zwei Start-up-Unternehmen in Teterow und Rostock haben Bio-Dünger entwickelt, die das Wurzelwachstum von Kulturpflanzen fördern. Sie können mehr Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen. Noch werden sie aber nicht in Mecklenburg-Vorpommern produziert.

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04. Dezember 2019, 10:27 Uhr

Im Lager von Tommy Klein in Teterow stapeln sich 20-Liter-Kanister mit einem rein biologischen Dünger - ein Zwei-Komponentengemisch im Zusammenspiel mit Bakterien.

So etwas gab es bislang nicht auf dem Markt. Dieser Dünger erfüllt alle Anforderungen, um die Nitratbelastungen im Boden sowie im Grund- und Oberflächenwasser zu senken, wie es die EU fordert. Tommy Klein, Vertriebschef des Unternehmens GeoFert
 

Bei der Entwicklung kam der Zufall zu Hilfe. Gemeinsam mit seinem Partner in Georgien hatte der Jungunternehmer und Vertriebschef des Unternehmens GeoFert bereits etliche biologische Düngergemische getestet, als er kurzerhand einen solchen Mix in eine Biogasanlage schüttete. Mit überraschender Wirkung: „Die Abläufe im Fermenter werden nachhaltig aktiviert und damit die Gasausbeute deutlich gesteigert“, sagt Professor Norbert Kanswohl von der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, der mit Partnern den Fermenterinhalt eingehend analysierte.

Weniger Nährstoffe gelangen ins Grundwasser

Inzwischen würden über 150 Anlagenbetreiber bundesweit diese kostengünstige Innovation aus Teterow nutzen. Die Rückstände aus dem Bioreaktor wurden schließlich zum Schlüssel für die Düngerrezeptur. Die Gärrückstände reichert Klein mit speziellen Mikroorganismen und einem Extrakt aus Leonardit an, das in oberflächennahen Braunkohleschichten gewonnen wird. Zum Heizen ist die Weichbraunkohle ungeeignet, zur Bodenverbesserung ideal. Das Gemisch fördert das Wurzelwachstum von Kulturpflanzen, die somit mehr Nitrat und andere Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen können.

Weniger Nährstoffe gelangen ins Grund- und Oberflächenwasser. Gaben mit chemischen Düngemitteln können stark reduziert werden, Wirtschaftsdünger wie Gülle und Mist werden effektiver genutzt. Das  stärkere Wurzelsystem erhöht auch die Trockenheitsresistenz von Pflanzen.

Die Mitscherlich Akademie für Bodenfruchtbarkeit in Paulinenaue weist nach Feldversuchen aus, dass durch den Einsatz des Düngers „GeoFert2“ die Trockenmasseerträge bei Mais um bis zu 67 Prozent über denen im Vergleich zum Mineraldüngereinsatz liegen. Bei anderen Kulturen waren es mindestens 9 Prozent.

Inzwischen gibt es auch erste positive Erfahrungen von Landwirten aus dem Raum Sternberg und Ahrenshagen. Dort wurde der flüssige Biodünger gemeinsam mit Gülle aufs Feld gebracht. „20 Liter pro Hektar reichen. Je nach Tankgröße eine entsprechende Menge hinzugegeben, mischt sich auf dem Weg zum Feld alles selbst gut durch und fertig“, sagt Entwickler Klein. Zusätzliche Kosten beim Ausbringen des Düngers entstehen nicht.

Firma „terra nutri“ setzt auf veganen Dünger

In Rostock hat das Geschwisterpaar Annekathrin und Tim Winkler einen rein veganen Dünger entwickelt. Die Idee für das Start-up-Unternehmen terra nutri (Erdnahrung) lieferte Vater Renè. Er ist im Vertrieb für Agrarerzeugnisse unterwegs und weiß um die anhaltende Düngeproblematik. Seit Jahren macht die EU Druck, Deutschland möge endlich seinen Nährstoffüberschuss im Boden senken, besonders die Nitratbelastung. Das jüngste Agrarpaket, das die Bundesregierung auf den Weg gebracht haben, treibt die Landwirte auf die Straße.

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Im Familienunternehmen Winkler kam der Anstoß beim Anblick des ramponierten Rasens vor der eigenen Haustür. Eine Mixtur auf Basis von Malzkeimen, die Bierhersteller nach dem Brauprozess liefern, ergänzt durch Gesteinsmehl, Kali und weitere natürliche Stoffe erwies sich als Erfolg. Schritt für Schritt wurde die Rezeptur optimiert.

Durch die kontinuierliche Freisetzung von Mikronährstoffen, Enzymen und Phytohormonen im Boden entwickelten sich kräftige, gesunde Pflanzen. Auch hier ist es das starke Wurzelwachstum, das es ermöglicht, dem Boden Nährstoffüberschüsse zu entziehen. Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow testete den veganen Dünger erfolgreich auf einer Versuchsplantage.

Firmengründer wollen Werke in der Region bauen

Die Rostocker Firmengründer wollen möglichst schnell eine eigene Produktionsstätte eröffnen. Am Stadtrand von Schwerin haben sie ein Grundstück gefunden. Bislang stellt ein Lohnunternehmen den Dünger von „terra nutri“ her. Auch GeoFert-Vertriebschef Klein möchte seine Produktion aus Georgien nach Deutschland verlegen. Für den Bau einer entsprechenden Anlage sucht er derzeit Geldgeber.

Kommentar: Unsere Bauern verdienen Respekt, keine Prügel

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