Bestattungskultur in MV : Ende des Friedhofszwangs? Expertenkommission vertagt Votum

Letzte Ruhe: Bei der Ausstellung von Todesbescheinigungen waren in der Vergangenheit viele Fehler aufgetreten.
Letzte Ruhe: Bei der Ausstellung von Todesbescheinigungen waren in der Vergangenheit viele Fehler aufgetreten.

Bei einem Treffen am Montag blieb auch noch eine andere Frage offen.

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14. Oktober 2019, 20:00 Uhr

Die Expertenkommission zur Bestattungskultur in Mecklenburg-Vorpommern hat ihr Votum zum Friedhofszwang vertagt. Auch die Frage, ob man künftig einen kleinen Teil der Asche eines lieben Verstorbenen in einem Schmuck-Anhänger oder einer Kleinplastik mit nach Hause nehmen kann, blieb beim Treffen der Kommission am Montag offen.

Theologie-Professor Thomas Klie von der Universität Rostock empfahl, Trauernden künftig zu erlauben, eine Urne für gewisse Zeit bis zur Bestattung bei sich zu Hause behalten zu dürfen, um Abschied nehmen zu können. Früher seien die Menschen dafür nach ihrem Tod zu Hause aufgebahrt worden.

Auf November verschoben

Diesem Vorschlag schlossen sich unter anderem die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Kröger (Linke) und der Vorsitzende des Bestatterfachverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Torsten Lange, an. Andere Mitglieder der Expertenkommission, wie Claudia Schophuis von der Katholischen Kirche, lehnten eine solche Möglichkeit vehement ab. Markus Wiechert von der evangelischen Nordkirche warb für das Abschiednehmen auf dem Sterbebett.

Angesichts der weit auseinanderliegenden Positionen verschob der Kommissionsvorsitzende Heinrich Lang die Verabschiedung einer Empfehlung für den Landtag auf die nächste Sitzung im November.

Angst vor privatem Missbrauch

Die Kritiker gaben zu bedenken, dass mit der Urne im privaten Umfeld Missbrauch betrieben werden könne. Wer die Urne habe, könne anderen, die auch trauern wollten, den Zugang verwehren, hieß es. Claudia Schophuis betonte: „Keine Aufbewahrung der Urne zu Hause, keine Aufhebung des Friedhofszwangs, keine Teilung der Asche.“

Klie argumentierte, die Ascheteilung gebe es bereits. Wer einen kreativen Bestatter finde, bekomme alles, was er oder sie wolle, und sei es aus der Schweiz oder den Niederlanden mit ihren liberalen Bestattungsgesetzen. Es habe sich in der Bevölkerung einiges geändert. „Wir sind jetzt beim Nerv der Dinge.“

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