Ausbildung : Lehrstellen unbesetzt - Bildungsministerin wirbt für Berufsausbildung

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Anfang September beginnt das neue Lehrjahr. Doch ein Großteil der Lehrstellen ist noch unbesetzt. Die Wirtschaft sucht Nachwuchs und wird immer öfter nicht fündig. Auch die Politik sieht Handlungsbedarf.

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15. August 2019, 14:04 Uhr

Wenige Tage vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres hat Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) bei einer Unternehmenstour für die duale Ausbildung geworben. «Wer sich heute für eine berufliche Ausbildung entscheidet, eröffnet sich hervorragende Perspektiven für den späteren Berufsweg», betonte Martin am Donnerstag nach dem Besuch der ersten Station, der Dockweiler AG, in Neustadt-Glewe bei Schwerin. Der Metallbauer beschäftigt knapp 240 Mitarbeiter, darunter 16 Auszubildende. Nach der Dockweiler AG wollte Martin in Begleitung von Vertretern der jeweiligen Industrie- und Handelskammern noch die Mecklenburger Metallguß GmbH in Waren und die Neptun Werft in Rostock besuchen.

5000 Ausbildungsplätze unbesetzt

Viele Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs. So waren nach Angaben der Arbeitsagentur im Land Ende Juli noch fast 5000 Ausbildungsplätze als unbesetzte gemeldet. Dem standen lediglich 2600 noch unversorgte Jugendliche gegenüber. Den größten Nachwuchsmangel verzeichnen das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie der Einzelhandel, der allerdings mit dem jüngsten Tarifabschluss die Ausbildungsvergütung spürbar angehoben hat und so hofft, mehr junge Leute zu gewinnen. Immer mehr Lücken tun sich aber im Handwerk auf.

«Gute Fachkräfte werden überall gesucht, und die Unternehmen in unserem Land bieten die besten Voraussetzungen für eine gute Ausbildung», ermunterte Martin noch Unentschlossene sich rasch zu bewerben. Wichtig sei aber, sich mit dem Inhalt der Ausbildung und den Anforderungen des späteren Berufs genau auseinanderzusetzen. Nur so könne die richtige Wahl getroffen werden. Das war in der Vergangenheit oft nicht der Fall. So wurde jüngsten Erhebungen zufolge jeder dritte Lehrvertrag im Nordosten vorzeitig gelöst. Die Abbrecherquote war nur in zwei Bundesländern noch höher.

Mehr Berufsorientierung an Schulen

Martin kündigte daher eine verstärkte berufliche Orientierung an den Schulen an. «Auch an den Gymnasien haben wir mit diesem Schuljahr eine fundierte Berufsorientierung eingeführt, um aufzuzeigen, dass eine Ausbildung eine lohnenswerte Alternative zum Studium sein kann», sagte sie. Vom nächsten Schuljahr an werde an Gymnasien und Gesamtschulen berufliche Orientierung sogar Schulfach werden.

Nach Ansicht von Linksfraktionschefin Simone Oldenburg dient diese Ankündigung aber nur als Feigenblatt. «In der Praxis wird die berufliche Orientierung sogar geschwächt – denn die Stunden für Arbeit, Wirtschaft, Technik (AWT) wurden zusammengestrichen. Es muss Schluss damit sein, Dinge schönzureden, die nicht schön sind», betonte Oldenburg. Sie erneuerte ihr Forderung nach einer kostenfreien Nutzung des Nahverkehrs zum Ausbildungsplatz.

Martin rief ihrerseits die Unternehmen auf, die Bemühungen für eine bessere Berufsorientierung zu unterstützen. «Die duale Ausbildung kann nur dann gewinnen, wenn die Beteiligten sich als Partner verstehen», sagte sie.

Große Chancen auf dem Ausbildungsmarkt

«Die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt sind für unsere Jugendlichen noch nie so groß gewesen», erklärte der Präsident der IHK Schwerin, Matthias Belke. Die Wirtschaft suche engagierten und wissbegierigen Nachwuchs. Bislang noch Unentschlossene sollten sich für eine Ausbildung in der Region entscheiden, riet er. Vielfach ziehen Jugendliche aber wegen oft noch besserer Verdienstmöglichkeit die Ausbildung in westlichen Bundesländern vor.

Torsten Haasch von der IHK Neubrandenburg mahnte die Ministerin, die Konzentration der Berufsschulstandorte im östlichen Mecklenburg-Vorpommern zu beenden und die Digitalisierung voranzutreiben. Laut Martin wird mit dem Pilotprojekt Haleo derzeit erkundet, unter welchen Voraussetzungen sich E-Learning standortübergreifend an Berufsschulen einführen lässt.

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