Natur in Mecklenburg-Vorpommern : Antrag auf Wolfs-„Entnahme“ beschäftigt Behörden und Kreistag

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Nach zahlreichen Attacken auf Weidetiere plädieren Bauern, Politiker und Betriebe für den Abschuss von Wölfen. Ihr Vorschlag wird geprüft.

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08. Juni 2020, 10:01 Uhr

Nach mehreren Wolfsangriffen auf junge Rinder und Schafe im Süden Vorpommerns fordern Bauernverband, Politiker und der betroffene Betrieb die „Entnahme“ der Tiere, womit in der Regel der Abschuss gemeint ist. „Wir wollen den Wolf nicht ausrotten, aber wer eine tiergerechte Landwirtschaft will, kann die Raubtiere nicht einfach so weitermachen lassen“, sagte der Vorsitzende des Bauernverbandes Uecker-Randow, Emanuel Reim, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Rings um Storkow (Vorpommern-Greifswald) haben Wölfe von einer Weide mit Mutterkühen 2020 den Angaben zufolge fünf Kälber gerissen. Im Jahr 2019 verlor der Betrieb auf diese Weise demnach zehn Kälber. „Die Wölfe haben sich anscheinend darauf spezialisiert“, sagte Reim.

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Experten: Kein dauerhaftes Verscheuchen möglich

Ein Antrag des Betriebes wird beim Landkreis und im Schweriner Umwelt- und Agrarministerium geprüft, wie Sprecher beider Behörden erklärten. Am 15. Juni befasst sich der Kreistag in Pasewalk mit dem „Entnahmeantrag“. Die CDU-Fraktion begründet dies unter anderem mit Sachverständigenmeinungen. Experten hätten nahegelegt, dass sich Wölfe auf Kälberrisse spezialisiert hätten und ihre Jagderfahrungen an den Nachwuchs weitergäben, hieß es. Eine Vergrämung - also ein dauerhaftes Verscheuchen - sei nicht mehr möglich.

Starker Anstieg der Attacken im vergangenen Jahr

Es wäre das erste Mal, dass ein solcher Antrag im Nordosten genehmigt würde. Laut Ministerium haben Wolfsattacken 2020 stark zugenommen. Demnach wurden bis Ende Mai 36 Wolfsangriffe registriert, bei denen rund 190 Schafe, Rinder, Damhirsche und andere Nutztiere getötet und schwer verletzt wurden. Im gesamten „Rekordjahr“ 2019 waren es 43 Attacken mit 205 getöteten und verletzten Nutztieren. Schwerpunkte seien 2020 der Süden Vorpommerns und Südwestmecklenburg.

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