Angespannte Lage für Ostseefischer : Experten empfehlen Fangstopp für östlichen Dorsch

Ein Fischkutter ist auf der Ostsee vor Warnemünde unterwegs, Möwen begleiten den Kutter bei sonnigem Wetter.

Ein Fischkutter ist auf der Ostsee vor Warnemünde unterwegs, Möwen begleiten den Kutter bei sonnigem Wetter.

Die Situation für den Dorsch in der Ostsee wird seit Jahren mit Sorge verfolgt. Jetzt empfehlen Experten radikale Einschnitte. Ganz im Sinne von Tierschützern, Ostseefischer sehen das anders.

svz.de von
29. Mai 2019, 20:00 Uhr

Deutsche Ostseefischer müssen sich im kommenden Jahr auf teils deutlich weniger Fangquoten bis hin zu einem möglichen Fangstopp einstellen. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfahl am Mittwoch für 2020 unter anderem ein Fangstopp für den östlichen Dorsch und den westlichen Hering. Die Empfehlungen sind zwar nicht bindend - sie dienen aber als wissenschaftliche Grundlage für die Fangquoten, die der EU-Ministerrat im Oktober festlegt.

Nächste Runde im Existenzkampf

Aus Sicht des Verbandes der deutschen Kutter- und Küstenfischer geht für die deutschen Ostseefischer „der Existenzkampf in die nächste Runde“. Bei vielen Beständen, die für die deutsche Ostseefischerei von Bedeutung seien, drohten erhebliche Fangmengenabsenkungen bis hin zum Fangstopp. Dorsch und westlicher Hering gehörten zu den wichtigen Fischarten für die deutsche Ostseefischerei.

Die ICES-Experten rieten, östlich der Insel Bornholm keinen Dorsch mehr zu fangen. Problematisch für den dortigen Dorsch-Bestand sei in erster Linie ihr reduziertes Fortpflanzungspotenzial sowie eine hohe Sterblichkeit aus natürlichen Gründen. Für die westliche Ostsee empfiehlt der Rat eine Halbierung der Dorsch-Fangquote. In dieser Region solle aber im kommenden Jahr kein Hering gefangen werden.

WWF fordert sofortige Einstellung der Fischerei

Die Lage des Dorsches wird in der Ostsee seit Jahren mit Sorge verfolgt. Tierschutzorganisationen haben bereits einen kompletten Fangstopp für den östlichen Teil gefordert, nun empfiehlt dies auch der ICES. Der WWF sieht in den Empfehlungen einen Beweis, dass die Überfischung in der Ostsee dramatische Ausmaße erreicht habe. Um die Bestände von östlichem Dorsch und westlichem Ostseehering vor dem Kollaps zu retten, müsse die Fischerei sofort eingestellt werden. Auf deutsche Fischer entfallen laut WWF 55 Prozent der Quote beim westlichen Hering, beim östlichen Dorsch sind es neun Prozent.

Die Deutsche Umwelthilfe forderte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, die Fangquotenempfehlungen umzusetzen. Um die Fischpopulationen in der Ostsee stehe es schlecht, dem östlichen Dorsch drohe gar das kommerzielle Aussterben.

Biologische Veränderungen seien ausschlaggebend

Der Verband der Kutter- und Küstenfischer sieht das wirtschaftliche Überleben deutscher Ostseebetriebe bedroht. Dass der ICES erhebliche Senkungen der Fangmengen empfehle, fuße auf einem „politisch festgelegten Managementplan für die Ostsee“. Für den schlechten Zustand des östlichen Dorschbestandes seien hauptsächlich biologische Veränderungen ausschlaggebend.

Die enormen Reduzierungen bei den Fangempfehlungen zeigen aus Sicht des Verbandes, dass die wissenschaftliche Bestandsschätzung noch nicht die nötige Qualität erreicht habe: „Es gibt in den Empfehlungen jedes Jahr bei einigen Fischarten zu große Sprünge, die in der Natur so nicht vorkommen ...“ Ob die Ostseebetriebe die angespannte Lage überstehen können, hänge von der Fortführung der in den vergangenen beiden Jahren vom Bund bewilligten Krisenhilfe ab, hieß es weiter.

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