A20-Behelfsbrücke bei Tribsees frei : Vorfreude auf ruhige Nacht in Langsdorf

Nach der Freigabe der 773 Meter langen Behelfsbrücke für die teilweise im Moor versunkene Ostseeautobahn A20 rollen die Fahrzeuge in Fahrtrichtung Stettin.

Nach der Freigabe der 773 Meter langen Behelfsbrücke für die teilweise im Moor versunkene Ostseeautobahn A20 rollen die Fahrzeuge in Fahrtrichtung Stettin.

Aufatmen an der A20: Monatelang quälten sich bis zu 20 000 Autos täglich über eine Umleitungsstrecke durch Dörfer, nachdem die Autobahn über einem Torfgebiet bei Triebsees aufgebrochen war. Jetzt dürften die Bewohner wieder ruhiger schlafen.

svz.de von
12. Dezember 2018, 20:00 Uhr

Viele Anwohner der Autobahn 20 bei Tribsees erinnern sich noch an den 7. Dezember 2005. Erst wenige Tage im Amt, gab Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Trebeltalbrücke die letzten beiden Teilstücke der insgesamt 324 Kilometer langen Ostseeautobahn frei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU,M), der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD, l) und sein Amtskollege aus Schleswig-Holstein, Peter-Harry Carstensen (CDU, r) schneiden am Mittwoch (07.12.2005) auf der Trebeltalbrücke bei Tribsees das Band zur Freigabe der kompletten Ostseeautobahn A20 durch.
Foto: Jens Büttner dpa/lmv
Foto: Jens Büttner dpa/lmv
 

Das größte Autobahnprojekt der deutschen Nachkriegszeit war nach elf Jahren Bauzeit vollendet. Im Herbst 2017 stürzt die über ein Torfgebiet führende Brücke der A20 bei Tribsees ein. Schlagzeilen bestimmten bundesweit die Berichterstattung. Verletzt wurde damals niemand.

Das abgesackte Autobahnteilstück der A20 an der Trebeltalbrücke bei Tribsees (Mecklenburg-Vorpommern) wird am 10.10.2017 von Fachleuten begutachtet.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Das abgesackte Autobahnteilstück der A20 an der Trebeltalbrücke bei Tribsees (Mecklenburg-Vorpommern) wird am 10.10.2017 von Fachleuten begutachtet.

 

Heute wurde nur wenige Meter vom Platz der früheren Zeremonie  vor 13 Jahren eine Behelfsbrücke freigegeben. Die zweiteilige, insgesamt 854 Meter lange und jeweils einspurig befahrbare Brücke erlöst rund 400 Bewohner der Dörfer Langsdorf und Böhlendorf von 14 Monaten Dauerstress durch die Autos, die auf der Umleitungsstrecke unterwegs waren. Ein Bändchen wollte an diesem kalten Mittwochmorgen aber niemand durchschneiden.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) saß zuvor zusammen mit dem zuständigen Bauingenieur Ronald Normann und Langsdorfs Bürgermeister Hartmut Kolschewski im ersten Auto, das nach der Freigabe über die insgesamt 55 Millionen Euro Stahlbrücke in Richtung Stralsund fuhr. Gleich dahinter folgte der reguläre Verkehr, der erahnen ließ, was die Anwohner seit dem Zusammenbruch erleiden mussten. „Lärm, Dreck und Gestank“, wie Kolschewski sagte. Er blickte wie die anderen Bewohner schon voller Vorfreude auf die erste ruhige Nacht.

Nach der Freigabe der 773 Meter langen Behelfsbrücke für die teilweise im Moor versunkene Ostseeautobahn A20 spricht Christian Pegel (SPD, M), Landesverkehrsminister, zu den Journalisten, links Ronald Normann, Abteilungsleiter im Landesamt für Straßenbau und Verkehr, 2.v.l. Hartmut Kolschewski, Bürgermeister der Gemeinde Lindholz.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Nach der Freigabe der 773 Meter langen Behelfsbrücke für die teilweise im Moor versunkene Ostseeautobahn A20 spricht Christian Pegel (SPD, M), Landesverkehrsminister, zu den Journalisten, links Ronald Normann, Abteilungsleiter im Landesamt für Straßenbau und Verkehr, 2.v.l. Hartmut Kolschewski, Bürgermeister der Gemeinde Lindholz.

 

Erste Befürchtungen, dass der Lärm von der Brücke vielleicht doch lauter als erwartet werden könnte, scheinen sich zu zerschlagen. Die Stahlträger brauchen einen gewissen Abstand, um sich bei höheren Temperaturen ausdehnen zu können, wie Pegel erklärte. Doch von den „klack, klack, klack“-Geräuschen, die beim Überfahren der Ritzen entstehen, war am Mittwochmorgen wenig zu hören.

Pegel zeigte sich dankbar für die zügige Arbeit, die beim Bau der Brücke geleistet wurde. Alle Beteiligten hätten an einem Strang gezogen, ohne dieses Engagement wäre die Brücke noch nicht fertig. Dazu zählte Pegel auch die Bundesbehörden, die teilweise innerhalb von Stunden telefonisch Finanzzusagen in Größenordnungen gegeben hätten, für die normalerweise mehrere Wochen nötig gewesen wären.

Tempolimit auf der Behelfsbrücke

Klar sei auch, dass nun keine staufreie Zeit folge, warnte Pegel. Denn der Verkehr werde von zwei auf eine Fahrbahn zusammengeführt. In beiden Richtungen werde das erlaubte Tempo 60 streng kontrolliert. Damit sollen die Lärmentwicklung eingeschränkt und die Unfallgefahr gesenkt werden. Ein Unfall auf der Brücke würde zur Vollsperrung und Umleitung des Verkehrs auf den bekannten Strecken führen.

Weiterlesen: Blitzerstatistik auf A20-Umleitung: Mehr als 58 000 Verfahren

Im kommenden Jahr solle nun der Wiederaufbau der A20 ausgeschrieben werden. Dann werde in den Jahren 2020/21 an der Fahrbahn Richtung Rostock gebaut. Ist die fertig, geht es an die Gegenrichtung. „Wir haben noch einige Jahre vor uns. Das ist nichts, was man aus der Hüfte schießt“, sagte Pegel. Nicht ein Wort kommt zu einem möglichen Datum der Bau-Fertigstellung über seine Lippen.

Beim Neuaufbau sei mit rund 100 Millionen Euro zu rechnen, erklärte Ingenieur Normann. Bei der Gründung der Fahrbahn über dem Moorgebiet sei inzwischen technisch alles geklärt. Zur möglichen Ursache des Zusammenbruchs gibt es noch keine Erkenntnisse. Spekulieren wollte am Mittwochmorgen niemand. Es müsse das Ergebnis der Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen abgewartet werden.

Weiterlesen: Behelfsbrücke fertig - Probleme mit Lärm?

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen