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Krankenkasse warnt vor Fehleinschätzungen : 8000 Kranke verlassen Kliniken auf eigene Faust

vom

2010 brachen 8000 Frauen und Männer eine stationäre Behandlung auf Wunsch und eigene Gefahr ab. Die höchste Abbrecherquote besteht bei den psychischen Erkrankungen.

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erstellt am 10.Nov.2011 | 07:32 Uhr

Schwerin | In den Krankenhäuser Mecklenburg-Vorpommerns geht die Zahl der Klinikflüchtlinge stetig zurück. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) ermittelt hat, brachen 2008 noch gut 9000 Frauen und Männer eine stationäre Behandlung auf Wunsch und eigene Gefahr ab, 2 Prozent aller Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung. 2010 seien es nur noch 8000 - knapp 1,9 Prozent - gewesen, wie Heike Schmedemann, TK-Sprecherin in Schwerin, erklärte. "Dabei ist die Zahl der Klinikaufenthalte sogar gestiegen", betonte sie.

Für 2010 hat das Sozialministerium 406 000 Krankenhausbehandlungen gezählt, zwei Jahre zuvor waren es 387 000 Fälle. Als Ursache für den Zuwachs gilt das steigende Durchschnittsalter im Land.

Die höchste Abbrecherquote besteht bei den psychischen Erkrankungen. Aus diesem Bereich kamen 2010 rund 1200 Klinikflüchtlinge, was 15 Prozent entspricht. Nach Einschätzung der TK kann eine Erklärung dafür in der Verweildauer liegen: Im Durchschnitt bleiben körperlich kranke Menschen in MV 7,5 Tage im Krankenhaus, psychisch Kranke hingegen 19,8 Tage. "Wer keine Gefahr für sich und andere darstellt, den müssen die Ärzte auf Wunsch gehen lassen", sagt die TK-Sprecherin. "Wer sich selbst entlässt, trägt die Verantwortung und das Risiko."

In diesem Zusammenhang warnt sie vor Fehlurteilen und verweist auf eine Beobachtung von Kinderärzten. Demnach zählen Gehirnerschütterungen zu den häufigsten, doch meist unterschätzten Verletzungsfolgen bei Kindern. Durschnittlich 2000 Mädchen und Jungen unter zehn Jahren werden pro Jahr in Krankenhäusern wegen eines leichten Schädel-Hirn-Traumas behandelt. "Im vergangenen Jahr wurde jedes achte betroffene Kind gegen ärztlichen Rat aus dem Krankenhaus nach Hause geholt", sagte Heike Schmedemann.

Ob aus Angst vor den Weißkitteln? Weil Bevormundung befürchtet wird? Oder Misstrauen herrscht? Über Gründe von Selbstentlassung gibt die Statistik weder bei Kindern noch bei Erwachsenen Auskunft. "Vermuten lässt sich, dass Patienten immer aufgeklärter und souveräner sind", so Heike Schmedemann. Zudem habe eine Umfrage unter TK-Mitgliedern gezeigt, dass sich jeder zweite Patient in Therapie-Entscheidungen einbezogen fühlt. Vielleicht werden Klinikflüchtlinge aus diesem Grund knapper, so die These der Krankenkasse.

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