Neubrandenburg : 80-Jähriger gesteht tödliche Schüsse auf Anwältin

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rentner Mord aus Heimtücke vor. Es soll um einen Streit um 90 000 Euro geganegn sein.

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31. Juli 2018, 13:58 Uhr

Im Mordprozess um tödliche Schüsse auf eine Rechtsanwältin in Waren an der Müritz hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. „Ich habe geschossen, weil ich mich bedroht gefühlt habe“, sagte der 80-Jährige am Dienstag vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Neubrandenburg. Er sei aber nicht mit dem Vorsatz dort hingegangen, die Frau zu töten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord aus Heimtücke vor.

Jahrelanger Streit um Geld eskaliert

Der Rentner hatte die 67 Jahre alte Anwältin am 1. Februar in ihrer Kanzlei aufgesucht, um eine über 19 Jahre laufende Geldstreitigkeit mit ihr und ihrem Mann zu klären. Es kam laut Anklage zum offenen Streit und die Juristin wurde mit drei Schüssen in Hals und Kopf getötet. Der Angeklagte flüchtete, wurde aber noch am Tatabend in seiner Wohnung gefasst. Zeugenhinweise und Aussagen von Angehörigen des Opfers führten zu dem Schützen. Dem tödlichen Vorfall ging eine lange vermögensrechtliche Auseinandersetzung voraus. Wie der Angeklagte berichtete, hatte sich der Mann der Anwältin mehrfach unter falschem Vorwand größere Geldsummen bei ihm geborgt. Dazu sei man auch dreimal mit dem Auto der Anwältin nach Luxemburg gefahren, um Geld von einer Bank zu holen. Als er das Geld zurückverlangte, sei er jahrelang hingehalten worden.

Angeklagte fühlte sich erniedrigt

Das Landgericht Neubrandenburg hatte dem Angeklagten bereits 2015 in einem Zivilprozess gegen die Anwältin und deren Mann Recht gegeben.

Beide schuldeten dem ehemaligen Leiter eines Lagers in Waren rund 94 000 Euro. Doch auch nach dem Urteil sah der Angeklagte kein Geld. Der Ehemann der Anwältin habe ihm sogar verboten, seine Frau noch mal in der Kanzlei zu besuchen, weil sie „den Anblick seiner verkrüppelten Hand nicht ertragen kann.“ Er habe sich sehr erniedrigt gefühlt. Seine rechte Hand ist seit den 1960er Jahren verkrüppelt.

Schließlich habe die Anwältin ihm 2015 versprochen, erst einen Heimplatz für ihren Ehemann zu besorgen, dann das Haus an der Müritz zu verkaufen, und dann könne er auf Geld hoffen. Das habe er am 1. Februar 2018 dann klären wollen. „Ich hatte mein Leben lang gespart und wollte mir eigentlich selbst ein Haus bauen“, sagte der 80-Jährige. Die Anwältin und ihr Mann hätten ihm seinen Traum und sein Leben kaputt gemacht.

Opfer mit dem Tod gedroht

Der 80-Jährige war in der Zwischenzeit bereits wegen Depressionen in psychischer Behandlung. In einem Schreiben an die Juristin hatte er 2015 gedroht, sich umzubringen „und jemand aus der Familie der Anwältin mitzunehmen.“ Das habe aber nur eine Drohung sein sollen, um endlich sein Geld zurückzubekommen, sagte er vor Gericht. Die Pistole habe er sich in Tschechien besorgt. Die Waffe habe er immer mitgenommen, wenn er irgendwohin ging, wo er sich nicht sicher fühlte. Am Tattag sei ihm die Waffe in der Kanzlei aus der linken Tasche der Jacke gefallen.

Daraufhin sei die Anwältin kurz danach aufgestanden, habe ihn ein „geldgieriges Scheusal“ genannt und gedroht, „ihm den Locher um die Ohren zu hauen.“ Da habe er geschossen. In der Haft hatte der Mann der Polizei verraten, wo er die Pistole versteckt hatte.

Die Anwältin hatte ihren Mann, von dem sie seit 2015 bereits getrennt lebte, in ihrem Testament wegen der Betrügereien bereits enterbt, hieß es vor Gericht.

Der Prozess wurde am Nachmittag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

Nächster Verhandlungstag ist der 6. August. In dem Verfahren werden auch noch eine Gerichtsmedizinerin und ein psychiatrischer Gutachter zum Zustand des 80-Jährigen angehört. Ein Urteil soll frühestens Ende August fallen.

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