Folgen : 72 500 profitieren in MV vom Mindestlohn

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Bruttolöhne im Land sind laut DGB bislang die niedrigsten in ganz Deutschland.

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11. Dezember 2014, 07:45 Uhr

Fast jeder Dritte der in Vollzeit beschäftigten Arbeitnehmer in MV wird ab Januar vom gesetzlichen Mindestlohn profitieren. Nach Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord werden in MV mehr als 72 500 Vollzeitbeschäftigte dann mit dem Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro in der Stunde entlohnt. Derzeit müssten diese mit einem Bruttoverdienst oft von deutlich unter 1500 Euro pro Monat auskommen. Das wird künftig mehr.

„Von Vollzeitarbeit muss jeder in Deutschland leben können“, fordert DGB-Vorsitzender Uwe Polkaehn. Die Bruttolöhne in MV seien laut DGB bislang die niedrigsten in ganz Deutschland. „Das laute Wehklagen der Arbeitgeber zeigt deutlich, wie viele von ihnen in der Vergangenheit ihr Geschäft mit Lohndumping gemacht haben“, sagt Polkaehn auf Nachfrage unserer Zeitung. „Das Hotel- und Gastgewerbe stellt eine besondere Herausforderung dar, denn durch die saisonale Beschäftigung kann die Zahl der Betroffenen regional nicht genau festgelegt werden und höher sein“, fügt DGB-Sprecher Günter Beling an. Auch bei den 146 541 Teilzeitbeschäftigten im Land wird der Anteil derjenigen, die schlussendlich vom Mindestlohn profitieren, deutlich höher liegen.

Überraschend ist die ungleiche Verteilung der Männer und Frauen im Niedriglohnbereich: Deutlich mehr Frauen müssen laut Gewerkschaftsbund von Billiglöhnen leben. Dieser Trend zeigt sich auch im Küstenland MV: Etwa 16 Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer verdienen brutto weniger als 1 500 Euro monatlich, der Anteil der Frauen beträgt 27 Prozent. Damit liegt MV sogar über dem Bundesdurchschnitt von 14,6 Prozent. „Besonders die Dienstleistungsbranchen werden von dem Stopp der Lohn-Spirale nach unten profitieren, denn das schützt faire Firmen vor dem Lohndumping der Schmutz-Konkurrenten“, ist sich Polkaehn sicher.

Aber nicht nur die Vollzeitbeschäftigten profitieren vom gesetzlichen Mindestlohn – die geringfügig Beschäftigten und Mini-Jobs sind laut DGB ebenfalls betroffen. 92 400 Minijobber in MV werden vom 1. Januar 2015 an 8,50 Euro Stundenlohn bekommen. „Geschäftsmodelle, die auf Billiglohn basieren, haben keine Zukunft mehr. Das tariflich entlohnte und unbefristete Arbeitsverhältnis muss zur Regel werden“, fordert DGB-Vorsitzender Polkaehn.

Er warnt: Sollten Firmen vorhaben, ihr Lohndumping auszulagern und an Sub-Unternehmen zu delegieren, handelten diese rechtswidrig. Denn es gehöre vom 1. Januar an zur Pflicht eines Unternehmers, der Aufträge an Geschäftspartner vergibt, auch dort die Einhaltung des Mindestlohns sicherzustellen. „Der DGB wird darauf achten, dass die nötigen Kontrollen stattfinden, damit das Recht auf Mindestlohn nicht nur auf dem Papier steht“, versichert der DGB-Vorsitzende. Zum 2. Januar wird vom DGB eine Telefon-Hotline freigeschaltet.

In loser Abfolge zeigen wir die Folgen des gesetzlichen Mindestlohns auf. Lesen Sie in der nächsten Folge, wie die Sozialverbände unter der neuen Lohnregelung leiden.


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