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Entschädigung für Traumatisierte : 700 000 Euro für frühere DDR-Heimkinder

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180 ehemalige DDR-Heimkinder in Mecklenburg-Vorpommern haben bisher Geld aus dem vor einem Jahr eingerichteten Fonds "Heimerziehung in der DDR" erhalten. Sie erhielten rund 700 000 Euro.

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erstellt am 23.Jun.2013 | 07:56 Uhr

Schwerin | 180 ehemalige DDR-Heimkinder in Mecklenburg-Vorpommern haben bisher Geld aus dem vor einem Jahr eingerichteten Fonds "Heimerziehung in der DDR" erhalten. An sie sind rund 700 000 Euro ausgezahlt worden, wie die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marita Pagels-Heineking, am Wochenende sagte.

Bei der Landesbeauftragten ist vor einem Jahr - am 1. Juli 2012 - eine Beratungsstelle für die Männer und Frauen eröffnet worden, die in der DDR in Heimen und Jugendwerkhöfen drangsaliert wurden. Bisher kamen rund 2000 Ratsuchende. "Wir hatten eigentlich noch mehr erwartet", sagte die Landesbeauftragte. Sie habe gerechnet, dass von den etwa 15 000 ehemaligen Heimkindern ein Drittel einen Antrag stellen werde. "Bisher beantragten 1275 Unterstützungsleistungen", sagte sie.

Pagels-Heineking nannte den Fonds einen Erfolg. "Es war gut, dass die Beratungsstelle bei uns angesiedelt wurde, weil wir uns mit DDR-Biografien auskennen." Die einzige Kritik seien die langen Wartezeiten von einem bis zu anderthalb Jahren. Im Mai sei ein dritter Berater eingestellt worden. Bei jedem Betroffenen seien mindestens zwei Gespräche und zahlreiche Korrespondenzen nötig.

"Am häufigsten geht es um Rentenersatzleistungen", sagte die Landesbeauftragte. Viele Jugendliche in den Heimen mussten arbeiten, zumeist in der Landwirtschaft, ohne dass dafür Geld in die Rentenkasse eingezahlt wurde. Sie können jetzt für jeden Arbeitsmonat einmalig 300 Euro erhalten. Anderen wurden materielle Leistungen gewährt. Das reiche vom Kauf eines Fahrrades oder Autos über Wohnungseinrichtungen, behindertengerechte Umbauten, Umzüge oder medizinische Leistungen wie Zahnersatz, berichtete Pagels-Heineking. In mehreren Fällen waren es nur noch die Beerdigungskosten.

Zu den ungewöhnlichsten Fällen gehörte ein Mann, der es seit dem Heimaufenthalt nicht mehr in geschlossenen Räumen aushält und nach Thailand ausgewandert ist, wo er im Zelt lebt. Der Gehbehinderte habe in Thailand mit Schweriner Unterstützung ein Auto kaufen können.

Nicht jeder Antragsteller kann Pagels-Heineking zufolge bedacht werden. Nachweise, etwa über die Arbeit, seien notwendig. Zudem müssten Folgeschäden aus den Heimaufenthalten bis heute wirken. Viele der Betroffenen sind nach Angaben von Verbänden traumatisiert, krank, frühverrentet oder leben von Grundsicherung. Der vom Bund und den ostdeutschen Ländern eingerichtete Fonds ist mit 40 Millionen Euro ausgestattet. Auf MV entfallen knapp 12 Prozent, also 4,8 Millionen Euro. Der Fonds läuft bis Mitte 2016.

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