680 Lehrer hören in den nächsten drei Jahren auf

svz.de von
26. März 2013, 07:09 Uhr

Schwerin | In den nächsten drei Jahren scheiden 680 Lehrer aus dem Schuldienst aus. Allein 595 davon gehen aus der Altersteilzeit in die Freiphase, so wie es 1995 mit dem Lehrerpersonalkonzept ausgehandelt wurde. Das geht aus einer Parlamentarischen Anfrage der Links-Fraktion im Landtag an das Bildungsministerium hervor. Besonders betroffen sind die Schulamtsbezirke Rostock und Schwerin, in denen jeweils über 190 Lehrer in den Quasi-Ruhestand gehen. Neubrandenburg ist lediglich mit 57 Lehrern betroffen. Jetzt schlägt die Links-Opposition Alarm. "Wir brauchen mehr Lehrer", fordert Simone Oldenburg, die selbst bis 2011 Schulleiterin in Nordwestmecklenburg war. Die Linkspolitikerin verlangt von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) eine Einstellungsoffensive. Sie kritisiert, dass in MV nicht bedarfsgerecht ausgebildet werde. Zudem seien von den 250 Referendarstellen, die im Frühjahr ausgeschreiben wurden Anfang Februar lediglich 150 besetzt gewesen. Oldenburg: "Die Personalengpässe werden sich verstärken." Aus der detaillierten Auflistung der Lehrer in Teilzeits-Ruhestand geht zudem hervor, dass mit dem Lehrerpersonalkonzept Mangelfächer und Mangellehrämter produziert wurden. "Jeder, der das Instrument nutzen wollte, hat in der Vergangenheit einen solchen Vertrag erhalten. Es gab keine Fachauswahl", analysiert Frau Oldenburg. "Da insbesondere Grundschul- und Förderschullehrer in Altersteilzeit gingen, werden wir hier Engpässe erhalten." Oldenburg spricht von "ausufernden AT-Regelungen", die die Schulämter überfordern werden. "Dort können doch nur Lehrer in den Ruhestand geschickt werden, wenn man auch für die Fächerkombination Ersatz hat. Wie soll das organisiert werden?"

Da erhält die Linkspolitikerin sogar Zustimmung von Bildungsminister Brodkorb. "Die Altersteilzeit ist ein problematisches Modell, weil die Belastungen sehr ungleichmäßig verteilt sind", sagt dieser. Allerdings sieht der Minister die Lage nicht so hoffnungslos, wie Oldenburg. Brodkorb versucht zu beruhigen: "Durch das Ausscheiden der Altersteilzeit-Lehrer können alle Kollegen im System, die derzeit in normaler Teilzeit sind, wieder länger arbeiten. Der Beschäftigungsumfang der Lehrer steigt." Das aber gerade treibt Frau Oldenburg um: Eine Umfrage des Bildungsministeriums selbst habe ergeben, dass die meisten älteren Lehrer gerne in Teilzeit weiter arbeiten wollen, sagt sie. Zudem zeigt sich die Links-Politikerin über Zahlen aus dem Bildungsministerium verwundert, dass in den nächsten drei Jahren nur 82 Lehrer in den regulären Ruhestand gehen. 82 von derzeit 12 000 Lehrern im im Land. Im Ministerium verweist darauf, dass entsprechend der letzten Lehrer bedarfs prognose umfangreiche Einstellungskontingente geplant seine, in diesem und im nächsten Jahr je 190 Lehrkräfte, 2015 dann 270 Lehrkräfte. Bereits zum 1. Februar wurden 40 Lehrkräfte neu eingestellt. Die bereits vorliegenden Bedarfsmeldungen ließen zudem erwarten, dass zum Schuljahresbeginn noch einmal 200 Stellen ausgeschrieben werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen