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Senioren nicht beim Fiskus gemeldet - jetzt drohen Nachzahlungen : 6000 Rentner bekommen Post vom Finanzamt

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Schöne Bescherung: Etwa 6000 Rentner in MV bekommen in diesen Tagen Post vom Finanzamt. Seit 2005 müssen deutlich mehr Senioren Steuern bezahlen. Doch längst nicht alle haben ihre Altersbezüge beim Finanzamt gemeldet.

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erstellt am 13.Dez.2012 | 08:00 Uhr

Schwerin | Schöne Bescherung: Etwa 6000 Rentner in Mecklenburg-Vorpommern bekommen in diesen Tagen Post vom Finanzamt. "Nach unseren Unterlagen gehen wir davon aus, dass diese Senioren Steuern zahlen müssten, dies aber bislang nicht getan haben", sagte gestern Stefan Bruhn, Sprecher des Finanzministeriums in Schwerin gegenüber unserer Redaktion.

Hintergrund: Seit 2005 müssen nach dem Alterseinkünftegesetz deutlich mehr Senioren Steuern bezahlen. Doch längst nicht alle haben ihre Altersbezüge freiwillig beim Finanzamt gemeldet. Jetzt drohen Nachzahlungen. Lange hatten die Behörden nur begrenzt einen Einblick in die Einkommenssituation der Senioren, die anders als Arbeitnehmer keine Lohnsteuerkarten haben. Aber seit Oktober 2009 sind alle Rentenversicherungsträger angewiesen, sogenannte Rentenbezugsmitteilungen an die Finanzämter zu verschicken. Inzwischen sind diese Datensätze komplett ausgewertet. Damit ist der Fiskus auch bei den Rentenempfängern voll im Bilde.

Selbst Rentner, die über 90 Jahre alt sind, bekommen in diesen Tagen Post von der Finanzbehörde. "Eine Frage der Steuergerechtigkeit", sagte der Ministeriumssprecher zur Begründung. Alle würden vom Staat gleich behandelt. "Das ist alles rechtens", meinte Olaf Benschneider vom Neubrandenburger Lohnsteuerhilfeverein. "Wer einen solchen Brief in seinem Briefkasten findet, sollte unbedingt reagieren", Vier Wochen haben die Rentner im Regelfall Zeit, um die Einkommensteuererklärung für das Vorjahr nachzureichen. Auch müssen die Angeschriebenen prüfen, ob sie für die Jahre davor Steuern nachzahlen müssen. "In die Steuerpflicht kann man schneller rutschen, als mancher denkt", berichtete Benschneider und nennt Beispiele. Rentner mit Zusatzeinkünften aus der Vermietung von Ferienwohnungen etwa oder Alleinstehende, deren Ehepartner gestorben sind und die zur eigenen Rente noch eine Hinterbliebenenrente bekommen. Ob die Betroffenen tatsächlich Steuern zahlen müssen oder ob sie durch Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen um die Steuer herumkommen, müsse im Einzelfall berechnet werden. Rentner mit durchschnittlichen Bezügen bleiben in Mecklenburg-Vorpommern allerdings unter den Freigrenzen des Einkommensteuergesetzes. Bei Alleinstehenden liegen diese bei rund 19 000 Euro im Jahr, wenn sie 2005 oder früher in den Ruhestand gegangen sind - bei Verheirateten sind es 38 000 Euro. Wer dennoch Steuern nachzahlen muss, aber finanziell dazu nicht in der Lage ist, kann mit dem Finanzamt Ratenzahlungen vereinbaren, hieß es aus dem Finanzministerium.

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