Gegen Lehremangel : 60 Vorschläge für attraktiveren Lehrer

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Die ersten 60 Vorschläge, den Lehrerberuf in MV attraktiver zu machen, liegen vor. Gestern hat die von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gegründete Arbeitsgruppe ihre Abschlussarbeit vorgestellt.

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06. September 2012, 07:37 Uhr

Schwerin | Es sollte die abschließende Beratung der Arbeitsgruppe zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs werden. Gestern präsentierte das Gremium seinem Auftraggeber, Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), das Ergebnis: 60 Vorschläge zum Thema plus die Anregung, dem letzten Treffen unbedingt weitere folgen zu lassen. Ein Grund dafür: Die vielen Maßnahmen müssen noch nach Dringlichkeit geordnet werden. Zudem will die Gewerkschaft Bildung und Erziehung (GEW) nicht lockerlassen, bevor einige der wichtigsten Ideen als Fakten schwarz auf weiß festgehalten und bestenfalls im Zuge von Tarifvereinbarungen haltbar gemacht wurden.

Viele Vorschläge der Arbeitsgruppe betreffen die konkrete Arbeitsbelastung und -vergütung der Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern: So sollten alle Lehrer gleiches Geld erhalten, egal ob sie in Grund- oder Berufsschulen, an Gymnasien oder Regionalschulen unterrichten. Schon das Referendariat von Lehramtsanwärtern müsste als Berufserfahrung angerechnet werden. Berufseinsteiger könnten mit der Aussicht auf Verbeamtung angelockt werden. Ältere Kollegen müssten im Gegenzug in den Genuss von Arbeitserleichterungen, zum Beispiel Altersteilzeit, kommen. Die zusätzliche Arbeitsbelastung von Klassenlehrern sollte sich in einer reduzierten Pflichtstundenzahl niederschlagen, ebenso die Mühe der Lehrkräfte, die sich um den Berufsnachwuchs - sprich die Ausbildung von Referendaren - kümmern.

Hinzu kommen Ideen für Erleichterungen in der Schulorganisation. Als ein Beispiel nannte Minister Brodkorb die Schulverwaltungssoftware. Derzeit arbeiten die Staatlichen Schulämter mit anderen Computer-Programmen als die kommunalen Schulverwaltungsämter. Für Schulleitungen bedeutet das häufig doppelte Arbeit, wenn Daten hier wie dort zu erfassen sind. "Das abzuschaffen und zu vereinfachen, klingt vielleicht einfach, bedeutet aber einen riesigen Aufwand", sagte der Minister. Zudem verwies er darauf, dass bereits zu Beginn dieses Schuljahres erste Maßnahmen zur Entlastung von Lehrern wirksam wurden. So seien Förderpläne nur noch für ausgewählte Schülerinnen und Schüler nötig und die Kriterien zur Einschätzungen des Arbeits- und Sozialverhaltens vereinfacht worden.

Der Bildungsminister will es sich nicht nehmen lassen, das vorliegende 60-Punkte-Papier noch zu ergänzen. "Die Arbeitsgruppe hat in der ersten Phase der Arbeit viele große Themen betrachtet", begründete er. "In meinen Lehrergesprächen habe ich noch viel mehr Probleme identifiziert." In einer zweiten Phase bis Jahresende will Mathias Brodkorb die Vorschläge zu einem Arbeitsprogramm "Schulreform bis 2020" ordnen.

Neben den Vorschlägen, die sich ohne größeren finanziellen Aufwand verändern lassen, gebe es auch mehrere, "die richtig Geld kosten", erklärte der Minister. Mit Blick auf den Doppelhaushalt 2014/15 - aus heutiger Sicht der frühst mögliche Zeitpunkt, zusätzliches Geld locker zu machen, - muss er darum seine Vorhaben zunächst am Kabinettstisch präsentieren und danach im Landesparlament zur Diskussion und Abstimmung stellen. Als Termin strebt er Mitte kommenden Jahres an.

Dafür formulierte die GEW gleich gestern ihre Erwartung: "Wir fordern die Landesregierung auf, zentrale beschäftigungspolitische Punkte wie die Gestaltung der Arbeitszeit, Teilzeit, Altersteilzeit und Qualifizierungsmaßnahmen tarifvertraglich zu regeln", sagte die Vertreterin der Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kerstin Morawetz. Dabei gehe es um alle Lehrkräfte, unabhängig vom Alter und von der Schulart.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Mecklenburg-Vorpommern will abwarten, wie sich die Vorschläge der Arbeitsgruppe und die finanziellen Möglichkeiten des Landes zusammenbringen lassen. Landesvorsitzender Michael Blanck ist zwar zufrieden, dass "nun alle Maßnahmen auf dem Tisch liegen". Gleichzeitig sieht er jedoch einen "Teufelskreis": Der Dreh- und Angelpunkt, um den Lehrerberuf künftig attraktiver zu machen, seien mehr Stellen und damit letztlich mehr Geld. Ob er eher zuversichtlich oder skeptisch in die Zukunft sieht? Michael Blanck wollte es nicht verraten.

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