Ministerium legt nach Monaten Zahlen vor : 60 000 Stunden fallen an Berufsschulen aus

Paukenschlag: An den 32 öffentlichen beruflichen Schulen sind im ersten Schulhalbjahr insgesamt 30119 Unterrichtsstunden komplett ausgefallen. Rein rechnerisch hatten 2750 Schüler somit keine einzige Stunde Unterricht.

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20. Juni 2012, 07:48 Uhr

Schwerin | Damit hat keiner gerechnet. Dass an den Berufsschulen Lehrer fehlen, ist ein Dauerthema. Dass die Wirtschaft mit der Qualität der Lehrlinge unzufrieden ist - auch. Aber neueste Zahlen aus dem Bildungsministerium von Mathias Brodkorb (SPD) belegen: An den 32 öffentlichen beruflichen Schulen sind im ersten Schulhalbjahr insgesamt 30 119 Unterrichtsstunden komplett ausgefallen. Weitere 30 000 Stunden wurden vertreten - irgendwie. Rechnet man diese Zahlen auf das gesamtes Schuljahr hoch, so sind 2011/2012 rund 60 000 Klassenstunden ohne Vertretung ausgefallen. Rein rechnerisch im Klartext: 2750 Schüler hatten keine einzige Stunde Unterricht. 2750 von 34 000 Schülern an öffentlichen beruflichen Schulen!

Simone Oldenburg, Abgeordente der Linksfraktion im Landtag, hat diese Zahlen in einer Parlaments-Anfrage vom Bildungsminister abgefordert. Die ehemalige Schulleiterin sieht jetzt die duale Berufausbildung in Gefahr. "Wenn sich das Jahr für Jahr so fortsetzt, dann werden wir den Fachkräftemangel nie bekämpfen können, weil unsere Berufsschulen keine Fachkräfte verlassen."

Erst am Montag beschäftigte sich das Bündnis für Fachkräfte in der Staatskanzlei mit dem Thema Berufsschulen. "Wir müssen besser werden beim Übergang von der Schule zum Beruf", forderte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nach dem Treffen mit Unternehmern und Gewerkschaften.

Dabei hatte der Landtag erst im November Gelder für 56 Lehrer-Stellen nachgeschossen. Das Geld floss aber nicht in zusätzliche Stellen, sondern in die Bezahlung von Vertretungsstunden. Hätte es das Geld nicht gegeben, wären allein in den Restmonaten des ersten Halbjahres weitere 14 300 Stunden ausgefallen. Die neuesten Zahlen offenbaren: Die derzeit 1450 Lehrer sind viel zu wenig. Es fehlen weitere 55! Doch auch im neuen Haushalt, der gestern den Landtag passierte, ist kein Geld für Mehr-Stellen eingeplant.

Dem nicht genug: Wie aus der Antwort auf die Kleine Anfrage der Links-Politikerin Oldenburg hervorgeht, schieben die Berufsschullehrer einen Stundenberg von fast 14 000 Überstunden allein aus dem Jahr 2010 vor sich her. Die sind als Freizeitausgleich zu nehmen. Simone Oldenburg: "Das produziert neuen Ausfall. Da entsteht eine Welle, der der Bildungsminister nicht mehr Herr wird."

Oldenburg hatte ihre Anfrage bereits zu Ferienbeginn im Februar gestellt. Bislang sah sich aber das Ministerium nicht in der Lage, die Statistiken auszuwerten. Zudem kann der Ausfall in einzelnen Fächern nicht benannt werden. Schulleiterin Oldenburg fragt: "Wie soll eine Stellenplanung für das nächste Schuljahr möglich sein, wenn die Erfassung des Ist-Zustandes fünf Monate dauert?"

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