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Ostseebad Rerik : 57 Kilogramm Granaten gefunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bergungsdienst pflügt Strand von Rerik nach Munition um – bis Juli / Innenminister Caffier wirbt um Verständnis bei den Badegästen

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2014 | 20:30 Uhr

Sonne und sommerliche Hitze locken schon vor Beginn der Ferienzeit zum Strandbesuch an der Ostseeküste. Doch im Ostseebad Rerik fällt der Badespaß an einem sonst vielbesuchten Strandabschnitt bis auf weiteres aus. Wo Kinder zu dieser Jahreszeit sonst die ersten Kleckerburgen an den Strand setzen, wühlen sich nun Bagger metertief durch den Sand und hinterlassen Gräben und hohe Sandberge. Seit vor wenigen Wochen dort gut 50 zum Teil stark verrostete Granaten gefunden wurden, sind 1,5 Kilometer Strand gesperrt. An drei Übergängen hindern Gitter und Warntafeln mit dem Hinweis „Lebensgefahr“ sonnenhungrige Badegäste am Betreten des Strandes.

Auch die Seebrücke ist gesperrt. „Die Gefahr, dass die Munition bei den Arbeiten explodiert, besteht“, stellt Innenminister Lorenz Caffier (CDU) fest, der sich am Donnerstag persönlich über den Fortgang der systematischen Munitionssuche informierte. Er wirbt um Verständnis für die weitreichenden Sicherheitsvorkehrungen, die wochenlang zu erheblichen Einschränkungen für den Badebetrieb sorgen. „Sicherheit geht in jedem Fall vor“, macht Caffier unmissverständlich klar. Denn beim Rütteln der beiden Siebanlagen wirkten starke Kräfte auf die möglicherweise noch im Sand verborgenen Granaten, Detonationssplitter könnten mehrere Hundert Meter weit fliegen. Nach Ansicht Caffiers rechtfertigten die bisherigen Ergebnisse die Vorkehrungen und auch den zeitlichen sowie finanziellen Aufwand. Seit Beginn der Suchaktion vor gut einer Woche seien am Strand weitere 57 Granaten und 170 Kilogramm Munitionsteile zutage gefördert worden.

Von Patronenhülsen bis hin zu armdicken Granaten. Noch ist unklar, woher die Munition kommt. Es gibt Vermutungen, dass sie bei den jüngst abgeschlossenen Strandaufspülungen freigelegt wurde. Wie Robert Molitor, Leiter des Munitionsbergungsdienstes, sagte, wurden bisher etwa 7000 der rund 80 000 Kubikmeter Sand im betroffenen Abschnitt durchgesiebt und sind somit kampfmittelfrei.

Bei den Arbeiten liege man gut im Zeitplan. Die Kosten für die Suche mit schwerer Technik waren zunächst auf knapp 700 000 Euro geschätzt worden. Doch könnte es auch eine Million Euro werden, hieß es gestern. Dafür komme zunächst das Land auf. Doch bestehe die Aussicht, dass sich auch der Bund an der Finanzierung beteiligt. Die Auswirkungen der Strandsperrung für den Tourismus in Rerik nannte Caffier „ärgerlich“. Der Strand beiderseits der Seebrücke bleibe voraussichtlich noch bis mindestens Mitte Juli gesperrt. Damit gehe ein Viertel der Saison verloren. Bürgermeister Wolfgang Gulbis (SPD) sagte, dass die Kurverwaltung Informationen zur aktuellen Situation an die Urlaubsgäste, die in Rerik gebucht haben, verschickte. Die Zahl der Stornierungen sei aber an einer Hand abzuzählen. Um Alternativen für den gesperrten Strand bemüht sich derweil die Reriker Stadtvertretung zusammen mit Bürgermeister Gulbis. So wird erwogen, das Salzhaff, ein durch die Halbinsel Wustrow vom Meer abgetrenntes und vor allem bei Surfern beliebtes Boddengewässer, durch Sandaufschüttungen auch für Badegäste interessanter zu machen. Die Genehmigung für den „Ersatzstrand“ durch die zuständige Naturschutzbehörde stehe aber noch aus.

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