Durchschnittsverdienst: Lediglich 200 Euro : 52 000 Frauen in Billigjobs

Auf der einen Seite ein steigender Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Landesregierung - auf der anderen 52.000 Frauen in MV in geringfügiger Beschäftigung. Durchschnittsverdienst eines Minijobbers: 200 Euro.

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07. März 2013, 08:21 Uhr

Schwerin | Auf der einen Seite ein steigender Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Landesregierung - auf der anderen rund 52 000 Frauen im Land in geringfügiger Beschäftigung. Der Durchschnittsverdienst eines Minijobbers laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB): 200 Euro. Zum heutigen Frauentag fordert der DGB Nord deshalb eine Offensive von Bund und Ländern, "um die Verarmung von Frauen zu verhindern", so Lisanne Straka, zuständig für Frauenpolitik und Gleichstellung. "Meist finden die betroffenen Frauen auch nicht den Weg zurück in reguläre Beschäftigungsverhältnisse. 76 Prozent der Frauen haben seit ihrem ersten Minijob keinen sozialversicherungspflichtigen Job ausgeübt", sagte sie gestern.

Vollzeitjobs auf Top-Ebene haben hingegen die drei Ministerinnen, drei Staatssekretärinnen und acht Abteilungsleiterinnen der Landesregierung. Zum Vergleich: Vor der Landtagswahl gab es ebenfalls drei Ministerinnen, aber nur eine Staatssekretärin und lediglich zwei Abteilungsleiterinnen. "Außerdem haben wir die Aufsichtsratssitze des Landes zur Hälfte mit Frauen besetzt und mit allen Ministerien wurde eine Zielvereinbarungen abgeschlossen, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen bis zum Ende der Wahlperiode weiter zu erhöhen", sagte Regierungssprecher Andreas Timm. Bis Ende 2016 solle der Frauenanteil im höheren Dienst von 38 auf 45 Prozent gesteigert werden.

In einem der größten Unternehmen Mecklenburg-Vorpommerns sind die leitenden Funktionen sogar zu etwa 60 bis 70 Prozent mit Frauen besetzt - bei Netto in Stavenhagen, so Sprecherin Margit Kühn. Kein Wunder, sind doch im Einzelhandel besonders viele Frauen beschäftigt. Die Kehrseite der Branche laut Linkspartei: "52,8 Prozent der mehrheitlich weiblich Beschäftigten arbeiten im Einzelhandel in MV unterhalb der offiziellen Niedriglohngrenze", so Vorsitzende Heidrun Bluhm. In den anstehenden Tarifverhandlungen im Einzelhandel fordere man deshalb auch die Kunden auf, sich solidarisch zu zeigen.

Auf den ersten Blick äußerst positive Zahlen präsentiert hingegen das Arbeitsministerium MV, dessen Sprecher aber auch selbst Klarheit in die Quote bringt: "Im Top-Management der Unternehmen im Nordosten sind 30 Prozent Frauen beschäftigt - allerdings gilt das für alle Firmen, also beispielsweise Tagesmütter, Kleinstpflegebetriebe oder die allein arbeitende Einzelhändlerin." Immerhin: In Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeitern sind 29 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt.

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