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Nordkirche auf Schiffstour : 500 Jahre Reformation: Mit Segeln und Posaunen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Evangelische Nordkirche schickt zum Reformationsjubiläum ein Schiff durch alle Kirchenkreise

von
erstellt am 02.Jul.2017 | 08:45 Uhr

Gemächlich gleitet die „Artemis“ in den Hafen von Stralsund. Am Fockmast sind die Rahsegel der 1926 gebauten, einst als Walfänger im Nordmeer eingesetzten Dreimastbark gesetzt. Eines von ihnen trägt eine Reklame: „500 + - Reformation im Norden“, heißt es dort. Denn einen Monat lang wird aus dem ehemaligen Walfänger nun das Nordkirchenschiff: Aus Anlass des Reformationsjubiläums hat die evangelische Nordkirche den Traditionssegler gechartert. Bis zum 30. Juli soll er alle 13 Kirchenkreise der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland besuchen, dazu die Nordschleswigsche Gemeinde der deutschen Minderheit im südlichen Dänemark.

Als der Segler den Kai ansteuert, beginnt ein Posaunenchor zu spielen. „Ein feste Burg ist unsere Gott“, Choräle erklingen über dem Hafenbecken. Am Kai ist eine Bühne aufgebaut, hier soll später ein Gottesdienst stattfinden. Zelte informieren über Projekte aus dem Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. „Als Nordkirche haben wir keine historischen Orte, die mit dem Reformationsjubiläum direkt in Verbindung stehen“, sagt Peter Schulze aus der Stabsstelle Presse der Nordkirche. „Und mit Reformatoren wie Bugenhagen oder Slüter haben wir auch nur bedingt bekannte Menschen.“ Die Kirche habe daher früh vor der Frage gestanden, wie man das Reformationsjubiläum begehen wolle.

Die Idee, ein Schiff auf die Reise zu schicken, sei entstanden, weil die Nordkirche die einzige Landeskirche sei, die in allen Kirchenkreisen einen Meereszugang habe. „Ein Schiff ist ja ein wunderbares Symbol für die Kirche“, sagte der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit. „Denn ein Schiff bewegt sich durch das Wasser, wie die Kirche durch die Zeit.“ Die Aktion solle zudem zum Zusammenwachsen der Nordkirche beitragen. „So wie Martin Luther in seiner Zeit Aufsehen erregt hat, wünsche ich auch dem Nordkirchenschiff, dass es Aufsehen erregt, und Gesprächsthema für viele Menschen ist.“

In den Häfen, in denen das Schiff anliegt, organisieren die Kirchenkreise dann lokale Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum. So auch in Wismar, wo das Schiff an diesem Wochenende am Kai liegt: Wenn das Schiff heute gegen 16 Uhr die alte Hansestadt anläuft, sollen 220 singende Kinder, die am Kinderchortag Mecklenburg-Vorpommern teilnehmen, das Schiff begrüßen. Bläsermusik, ein Bordkonzert und ein Jugendevent für Konfirmanden der Propstei Wismar soll es ebenso geben wie einen Festgottesdienst am Sonntagmorgen, den der Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn und der Wismarer Propst Karl-Matthias Siegert leiten soll. Und den ganzen Tag über soll es um das Schiff ein buntes Familienprogramm geben.

Doch nicht nur im Hafen, auch auf hoher See finden Veranstaltungen auf dem Nordkirchenschiff statt. Während der einzelnen Etappen werden Gemeindegruppen aus ganz Norddeutschland an Bord des Schiffes mitsegeln – insgesamt rund 1500 Menschen. Zu denen, die schon bei der Bereitstellungsfahrt des Schiffes von Greifswald am Donnerstag nach Stralsund an Bord waren, gehörte der Bischof der Diözese Breslau der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Waldemar Pytel. „Wenn man nur vier Stunden gemeinsam auf einem Schiff unterwegs ist, bildet sich eine ganz andere Gemeinschaft unter den Menschen“, sagt Pytel. „Auf dem Schiff muss man einander helfen und auf sich aufpassen.“

Auch die für Kirchenangelegenheiten zuständige Justizministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Katy Hoffmeister, nannte die Idee des Nordkirchenschiffs „sehr gelungen“. „Das Nordkirchenschiff zeigt, dass in der heutigen Zeit auch Zusammenhalt und Toleranz wichtig sind“, sagte sie in Stralsund. „Wir müssen mehr denn je das Gespräch miteinander suchen, an Bord wie an Land.“

Doch manchmal macht auch das Wetter den norddeutschen Protestanten einen Strich durch die Rechnung: Eigentlich war am Donnerstagabend noch ein Festgottesdienst vor der Kulisse des Schiffes geplant. Aber weil die „Artemis“ auf dem Weg nach Rostock-Warnemünde den versandenden Strelasund nicht direkt nach Westen verlassen konnte und für die Gewässer um Kap Arkona eine Sturmwarnung ausgegeben wurde, musste der Posaunenchor am Donnerstag schon viel früher in seine Instrumente blasen: Schon am frühen Nachmittag machte sich der Segler zu den Klängen von „Muss I denn zum Städtele hinaus“ auf die stürmische Reise über die Ostsee.

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