Mecklenburg-Vorpommern : 500 000 Menschen engagieren sich im Ehrenamt

Rund 500 000 Menschen in MV sind ehrenamtlich tätig. Sie helfen anderen oder organisieren "nur" ihr Hobby. Stellvertretend für alle zeichnet Ministerpräsident Sellering heute 62 von ihnen im Schweriner Schloss aus.

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30. November 2012, 08:19 Uhr

Schwerin | Sie kümmern sich um Obdachlose oder um Sterbenskranke. Sie leiten einen Chor oder stehen einer Kleingartenanlage vor. Sie löschen Feuer, prüfen Lehrlinge, trainieren Turnerinnen oder sitzen als Schöffen zu Gericht. Rund 500 000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind ehrenamtlich tätig. Sie helfen anderen oder organisieren "nur" ihr Hobby. Stellvertretend für alle zeichnet heute Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) 62 von ihnen im Schweriner Schloss aus. Darunter sind auch Karl-Heinz Paschke und Dirk Bönning.

Wenn es in Boizenburg und Umgebung brennt, ein Autofahrer nach einem Unfall aus seinem Wagen geschnitten werden muss oder jemand im Fahrstuhl stecken geblieben ist - in der Regel ist Dirk Bönning mit vor Ort. Seit 1985 ist der 39-Jährige bei der Feuerwehr aktiv. Inzwischen hat er es zum Zugführer gebracht. Neben den "normalen" Feuerwehreinsätzen kümmert er sich seit Jahren auch um den Nachwuchs, den die Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern dringend nötig haben. Er organisiert die Jugendwettbewerbe der Feuerwehren in seinem Landkreis, bei denen bis zu 30 Mannschaften gegeneinander antreten.

Außerdem reist Bönning quer durchs Land und durch die Republik und steht als Wertungsrichter bei Landes- und Bundeswettbewerben zur Verfügung. In Boizenburg hat er den "Florian-Treff" mit aus der Taufe gehoben, benannt nach dem Schutzpatron der Feuerwehr. "Das ist eine Art Schnupperkurs in Sachen Feuerwehr, in dem wir Kindern vor allem Spaß und Spiel bieten", berichtet Bönning. Mehr als 20 Gruppen haben bereits mitgemacht.

"Für mich ist die Hilfe für andere selbstverständlich", sagt Bönning zu seinem überdurchschnittlichen Engagement, "und da frage ich nicht, was ich dafür bekomme. Ich mache die Arbeit halt gern." Das Engagement für die Feuerwehr muss er mit seiner Arbeit im Fliesenwerk Boizenburg in Einklang bringen. Auch dort engagiert er sich - als Betriebsratsvorsitzender. Manche freie Abende sind für ein weiteres Ehrenamt verplant. Böning ist Mitglied in der Stadtvertretung und sitzt für die CDU im Sozialausschuss. "Ich habe eine verständnisvolle Frau, die inzwischen selbst beim Florian-Treff mitmacht", räumt er ein. Anders wären seine Aktivitäten wohl kaum mit gutem Gewissen zu schaffen.

Karl- Heinz Paschke bezeichnet sich selbst als "Mädchen für alles" beim Rostocker Abstinenzverein "Trockendock". Der kümmert sich um Menschen, die ohne Alkohol leben wollen. Weil sie alkoholkrank sind, wie die meisten der Mitglieder, "oder einfach nur so", sagt Paschke. Paschke kauft ein, was in der Küche gebraucht wird. Er macht den Dienstplan für die Mitarbeiter der täglich geöffneten Einrichtung. Er organisiert auch manche Geburtstagsfeier. Er fährt den Vereinsbus, wenn die Mitglieder einen Ausflug machen. Er holt die Mitglieder von zu Hause ab, wenn sie zeitweise oder überhaupt nicht mehr laufen können. Und so manches Mal schließt Paschke abends als Letzter ab. Außerdem leitet er einmal in der Woche eine Selbsthilfegruppe.

Seit 1994 ist der 59-jährige Rentner Mitglied im "Trockendock", der in Groß-Klein seine Hauptstelle hat. Inzwischen sitzt Paschke mit im Vorstand und hat jene Funktion übernommen, die - wie in den meisten Vereinen - kaum jemand machen will. Er ist Schatzmeister. "Wenn man den Job hat, dann hat man ihn für immer." Paschke führt die Kassenlisten und er verwaltet Einnahmen und Ausgaben.

Er habe immer etwas zu tun, berichtet Paschke. "Manchmal hab’ ich die Jacke noch nicht ausgezogen, da will schon jemand etwas wissen." Manche Menschen suchen Rat im "Trockendock", andere konkrete Hilfe. Oder sie wollen einfach nur reden. Dann schenkt Paschke Kaffee aus und hört zu.

"Man wird gebraucht und man bekommt etwas zurück", sagt der ehemalige Werftarbeiter Paschke über sein Ehrenamt. Und er will einen Teil der Hilfe zurückgeben, die er bekommen hat. Damals, als er das "Trockendock" kennen lernte, hatte er sie selbst bitter nötig.

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