Vertretungsunterricht in MV : 43 000 Förderstunden mussten ausfallen

Vertretungsunterricht geht zu Lasten der schwächeren Schüler, kritisieren die Grünen. Foto: dpa
Vertretungsunterricht geht zu Lasten der schwächeren Schüler, kritisieren die Grünen. Foto: dpa

Der Vertretungsunterricht an den Schulen MVs konnte im vergangenen Schuljahr nur stattfinden, weil dafür 43 000 Förderstunden für andere Schüler ausfielen. Darunter leiden die schwächeren Schüler, kritisieren die Grünen.

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29. März 2013, 04:57 Uhr

Schwerin/Rostock | Sechs Prozent des Vertretungsunterrichts an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns konnte im vergangenen Schuljahr nur stattfinden, weil dafür der reguläre Förderunterricht für andere Schüler ausfiel. Das geht aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag hervor. Auch wenn Vertretungsunterricht besser sei als Unterrichtsausfall, gehe dies "zu Lasten der schwächeren Schüler", so die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Berger gegenüber dieser Zeitung.

Viele Schulen können schwächere Schüler fördern, indem sie in kleinen Gruppen vor allem in Deutsch und Mathematik unterrichtet werden. Die Kinder bekommen zusätzliche Stunden oder die Klassen werden geteilt. Das gilt für die Grundschulen und für die Orientierungsstufe (Klassenstufen fünf und sechs) an den weiterführenden Schulen. Auch die Musik- und Sportgymnasien, die bereits ab der fünften Klasse Schüler in ihren Spezialklassen aufnehmen, fördern Kinder, die in den "regulären" siebten Klassen neu auf die Schule kommen.

Nach Angaben des Bildungsministeriums sind im vergangenen Schuljahr 43 000 Förderstunden ausgefallen, weil die Lehrerinnen und Lehrer für den "regulären" Unterricht einspringen mussten, der sonst aufgefallen wäre. Welcher Anteil des insgesamt geplanten Förderunterrichts nicht stattgefunden hat, teilte das Ministerium nicht mit. Nicht nur die für den Förderunterricht zuständigen Lehrer mussten vom Ausfall bedrohte Stunden in anderen Klassen übernehmen. Bei 19 000 Schulstunden standen Schulsozial arbeiter, Praktikanten, Honorarkräfte oder "externe Fachdozenten" vor den Klassen, um Ausfall zu vermeiden.

"Wir werden mehr Vertretungslehrer brauchen", so Ulrike Berger. Denn viele Gründe für den Ausfall von regulärem Unterricht ergeben sich laut Berger aus dem normalen Schulalltag: Lehrer müssen Klassen zum Schwimmunterricht und anderen Sportveranstaltungen begleiten oder in den höheren Klassen mehrstündige Arbeiten beaufsichtigen. Auch wegen Dienstbesprechungen und die Ausbildung von Referendaren fällt regulärer Unterricht aus. Insgesamt sind im vergangenen Schuljahr 9,9 Prozent der regulären Unterrichtsstunden in Mecklenburg-Vorpommern nicht gegeben worden. 68 Prozent des Unterrichts an allgemein bildenden Schulen musste vertreten werden, weil Lehrer krank, auf Kur, beim Facharzt, in Mutterschutz oder in Elternzeit waren, oder ihre eigenen kranken Kinder betreuten. In vier von fünf Stunden kam ein Vertretungslehrer oder die Schüler mussten Stillarbeit ohne Aufsicht leisten, der Rest fiel komplett aus.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat inzwischen ein Programm gestartet, um mehr Vertretungslehrer für die Schulen anzuwerben. Außerdem sollen die Schulen Klassenreisen zeitlich zusammenlegen. Auch Fortbildungen für Lehrer sollen nicht mehr vormittags stattfinden. Ob dadurch Vertretungsstunden und Stundenausfall landesweit verringert wurden, wird die Statistik fürs erste Schulhalbjahr 2012/13 zeigen, die Brodkorb demnächst vorlegen will.

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