Land kürzt Lehrstellen : „4000 Schüler zusätzlich“

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Linke: Land plant mit zu kleiner Zahl und spart 200 bis 250 Lehrerstellen – die Folge sind zu große Klassen

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29. Juli 2015, 21:00 Uhr

Die Landesregierung will nach Berechnung der oppositionellen Linksfraktion im neuen Schuljahr mindestens 200 bis 250 Lehrerstellen einsparen. Wie die bildungspolitische Fraktionssprecherin Simone Oldenburg sagte, bekämen die Schulen zu wenig Unterrichtsstunden zugewiesen, weil das Bildungsministerium von einer zu geringen Schülerzahl ausgehe.  Die Stundenzuweisung erfolge auf Grundlage der Zahlen des Schuljahres 2013/2014. „Dabei gab es bereits im Schuljahr 2014/2015 rund 2500 Schüler mehr an den allgemeinbildenden Schulen“, sagte Oldenburg.

Sie rechne damit, dass im kommenden Schuljahr mindestens 1500 Schüler dazukommen. Bisher habe sich gezeigt, dass der Bevölkerungsrückgang längst nicht so hoch sei wie prognostiziert. Zudem gebe es sehr viele Sitzenbleiber. Von den Schülern, die die Schule mit der Berufsreife – dem Abschluss der 9. Klasse –verlassen, würden 85 Prozent ein- oder zweimal ein Jahr wiederholen müssen. Die meisten Sitzenbleiber gebe es in den Klassen 1 bis 4, in der 8. und 9. sowie der 11. Klasse.

„Diese insgesamt 4000 zusätzlichen Schülerinnen und Schüler im kommenden Schuljahr fallen bei der Stundenzuweisung unter den Tisch“, sagte Oldenburg. Eine minimale Nachbesserung, die Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) im Winter vorgenommen habe, reiche bei weitem nicht aus. Zum zweiten Halbjahr 2014/15 seien 115 neue Lehrerstellen geschaffen worden, allerdings hauptsächlich für Vertretungslehrer oder für das Lernen an einem anderen Ort. Ein Großteil der Stellen – nach ihren Kenntnissen 79 – sei immer noch nicht besetzt, sagte die Linken-Politikerin.

Mehr Ausfälle erwartet

Brodkorb hatte im Januar erklärt, 115 Lehrerstellen seien zusätzlich ausgeschrieben worden, weil im Schuljahr 2014/15 mehr Kinder angemeldet wurden als kalkuliert. Knapp die Hälfte der Extra-Stellen sollte nach Angaben des Ministers dazu dienen, die Integration von Flüchtlingskindern zu verbessern und den Förderunterricht zu stärken.

Durch die Berechnungsgrundlage bei der Stundenzuweisung gingen den Schulen Unterrichtsstunden verloren, sagte Oldenburg. Diese seien gezwungen, große Klassen zu bilden und jahrgangsübergreifenden Wahlpflichtunterricht einzuführen. Das Land aber spare 15 bis 17 Millionen Euro ein, die dem Schulsystem entzogen würden. Oldenburg sprach von einer „Kürzung durch die Hintertür“.

Für das kommende Schuljahr erwartet die Bildungsexpertin trotz der zusätzlichen Vertretungslehrer mehr Unterrichtsausfälle – einfach durch die vielen Schüler in den Klassen. „Zwei große Klassen kann ich zur Vertretung nicht mehr zusammenlegen“, sagte sie. 2013/14 waren laut Ministerium an den allgemeinbildenden Schulen des Landes 171 000 oder 2,1 Prozent der Schulstunden ausgefallen. Das sei  ein guter Wert, der kaum noch zu senken sei, sagte Brodkorb.

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