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Nach Sturmtief „Xavier“ : 4000 Kunden ohne Strom, Züge fallen aus, ICE gestrandet

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Sturmtief „Xavier“ beeinträchtigt das Leben in MV auch am Freitag. Am Morgen fallen viele Pendlerzüge aus, die Bahn rechnet noch den ganzen Tag mit Problemen. Rund 10 000 Stromkunden sind vom Netz

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 09:02 Uhr

Der Sturm ist aus Mecklenburg-Vorpommern abgezogen, doch die Folgen sind am Tag danach noch deutlich zu spüren. Der Bahnverkehr lag am Morgen in Teilen noch lahm. So kann zwischen Schwerin und Hamburg kein Zug fahren. Auch die Schnellstrecke Berlin-Hamburg ist noch blockiert, wie ein Bahnsprecher in Berlin sagte. Dort seien 15 Bäume ins Gleisbett gestürzt, die zum Teil auch Oberleitungen mitrissen. Zwischen Ludwigslust und Schwerin ist die Strecke ebenfalls noch nicht befahrbar.

Nach Auskunft der Bahn ging auch von Neustrelitz in Richtung Berlin am Freitagmorgen noch nichts wieder. Züge fahren aber zwischen Rostock und Schwerin, Rostock und Neustrelitz sowie Rostock und Stralsund, wie es hieß. Auch die Rostocker S-Bahn sei wieder in Betrieb. Die Bahn hatte wegen Sturmtief „Xavier“ den Bahnverkehr im gesamten Norden am Donnerstag eingestellt. Ein Bahnsprecher in Berlin sagte, die Aufräum- und Reparaturarbeiten würden voraussichtlich den ganzen Freitag über andauern. Die Auswirkungen des Sturms auf die Infrastruktur der Deutschen Bahn werden sich aber teilweise bis zum Sonntag hinziehen.

Folgende Strecken des Fernverkehrs sind aktuell in beiden Richtungen gesperrt und nicht befahrbar:

Berlin - Hannover
Hamburg - Berlin
Hamburg - Hannover
Berlin - Leipzig
Berlin - Dresden
Leer (Ostfriesland) - Oldenburg - Bremen
Bremen - Hannover
Osnabrück - Hamburg
Hannover - Magdeburg -Berlin
Hamburg - Kiel
Hamburg - Westerland (Sylt)

Die Beräumung der folgenden Streckenabschnitte ist noch nicht abgeschlossen:
RE 1 Schwerin - Hamburg
RE 3 Eberswalde - Berlin
RE 4 Neubrandenburg - Stettin/Üeckermünde
RE 5 Neubrandenburg - Neustrelitz - Berlin
RB 17 Schwerin - Ludwigslust

 

ICE standet in Ludwiglust

In Ludwigslust war am Donnerstag ein ICE mit 496 Fahrgästen an Bord auf dem Weg von Berlin nach Hamburg gestrandet. Während die meisten Passagiere mit Taxen und Privat-Pkw weiterfuhren, wurden rund 60 Männer, Frauen und Kinder in einer Sporthalle untergebracht. Feuerwehr, Katastrophenschutz und DRK-Betreuungszug kümmerten sich um die Gestrandeten. Sie bekamen nicht nur ein Feldbett und Decken, sondern auch warmes Essen, Getränke und am Freitagmorgen ein Frühstück. Mit Bussen wurden die Fahrgäste am Morgen abgeholt. Die Hälfte fuhr nach Hamburg, die andere Hälfte zurück nach Berlin. Gegen 9 Uhr hatte der letzte Gestrandete die Stadt verlassen.

Weitere Informationen zu der aufwendigen Evakuierung lesen Sie heute Abend auf www.svz.de

 

Noch immer ohne Strom

Die Reparaturarbeiten im westmecklenburgischen Stromnetz erweisen sich nach Sturmtief «Xavier» als schwierig. Am Freitagmittag waren immer noch 4000 Kunden in der vom Unwetter besonders hart getroffenen Region ohne Strom, erklärte eine Sprecherin des Energieversorgers Wemag. Insgesamt sind 220 Trafo-Stationen nicht funktionstüchtig. Unmittelbar nach dem Sturm am Donnerstagnachmittag waren 35 000 Kunden von Stromausfall betroffen, am Freitagmorgen waren es noch rund 10 000 gewesen.

Im Umland von Hagenow und in der brandenburgischen Prignitz an der Bundesländer-Grenze sei das Schadensbild weiter angespannt, hieß es. Probleme gebe es in den und um die Ortschaften Glöwen, Steesow, Lübzow, Boberow,Bentwisch-Lenzen, Eldena, Glaisin, Redefin, Lübtheen, Jessen, Jabel, Tewswoos, Laave und Banzin. Dort seien mehrere, zum Teil sehr große Bäume in die Leitungen gefallen.

Die Reparaturarbeiten würden durch Regen und umgestürzte Bäume auf den Wegen zum Teil massiv beeinträchtigt. Alle verfügbaren Kräfte seien im Einsatz, auch das Technische Hilfswerk und die benachbarten Stadtwerke. Die Wemag habe einen Krisenstab eingerichtet. «Aufgrund der Schwere des Ausmaßes bitten wir unsere Kunden um Verständnis», sagte Unternehmenssprecherin Diana Kuhrau.

Nach aktuellem Informationsstand (15 Uhr) haben heute Nacht Einwohner der folgenden Orte keinen Strom:

Für die Prignitz: Wehningen, Rüterberg, Kleinow Ausbau, Groß Warnow, Hühnerland, Klein Warnow, Bootz, Teesow, Ziegelei, Deibow, Zapel, Marienberg, Friedrichswalde, Lenzersilge und Bendelin Ausbau.

Für das Hagenower Umland: Neu Garge, Viehle, Gühlsdorf, Konau, Darchau, Klein Wolde, Helm, Schwanheide Neuer Damm, Clausenheim, Stintenburger Brücke, Neu Lübtheen, Ramm, Gudow, Grüner Jäger.
 

„Xavier“ durchkreuzt Pläne des Ministeriums

Eigentlich wollte sich Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) am Freitag über den Zustand von Autobahnen in Brandenburg informieren - wegen Sturmtief „Xavier“ fällt das aber aus. „Der Termin wird zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Wann war aber noch unklar. Das Unwetter hatte am Donnerstagnachmittag über der Mark gewütet und vier Menschen das Leben gekostet.

Schneider wollte am Berliner Ring verschiedene Baustellen begutachten. Etwa 50 Millionen Euro muss das Land allein in diesem Jahr aufwenden, um die Schäden auf verschiedenen Abschnitten zu beseitigen. Betroffen sind unter anderem die Autobahnen 2 und 9.

Schlosspark Ludwigslust gesperrt

Mecklenburg-Vorpommerns größter Landschaftspark, der 120 Hektar große Schlosspark Ludwigslust, ist nach schweren Sturmschäden gesperrt worden. „Xavier“ habe zahlreiche Bäume entwurzelt, sagte eine Sprecherin des zuständigen Landesbetriebs für Bau und Liegenschaften am Freitag. Wege seien durch abgeknickte Äste blockiert. „Die Aufräumungsarbeiten sind in vollem Gang, die Gefahren jedoch noch nicht gebannt.“ Es bestehe immer noch die Möglichkeit, dass sich abgebrochene Äste aus den Kronen lösen und herabstürzen. Ziel sei es, die zentrale Hofdamenallee als wichtige innerstädtische Wegeverbindung am Nachmittag wieder freizugeben.

Bundesweit sieben Todesopfer

Der Sturm hat in Mecklenburg-Vorpommern mindestens ein Todesopfer gefordert. Auf der B 191 bei Karstädt (Landkreis Ludwigslust-Parchim) war ein Baum auf einen Lastwagen gestürzt und hatte den Fahrer erschlagen. Zwischen Klein Vielen und Liepe im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte starb ein Mann, nach NDR-Informationen an einem Herzinfarkt, als ein Baum vor seinem Auto auf die Straße stürzte. Eine Polizeisprecherin bestätigte den Todesfall, konnte aber nicht sagen, ob ein Zusammenhang mit Sturm „Xavier“ besteht.

Bundesweit hat Xavier am Donnerstag mindestens sieben Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Am späten Abend entspannte sich zumindest die Wetterlage.


Sturm beschädigt Gedenkstätte

Durch den Sturm „Xavier“ ist eine historische Mauer in der Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg (Oberhavel) eingestürzt. Etwa 15 Meter seien am Donnerstag umgeworfen worden, teilte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten am Freitag mit.

Die Mauer befindet sich auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers zwischen dem Archivgebäude und dem zentralen Gedenkort Station Z. Besucher kamen laut Stiftung nicht zu Schaden, da die Gedenkstätte bereits seit 16.00 Uhr geschlossen gewesen sei.

Im Bereich der ehemaligen Kommandantur stürzten außerdem mehrere Bäume um, ohne jedoch weiteren Schaden anzurichten. Die Gedenkstätte ist seit Freitag wieder regulär geöffnet.

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