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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 08:41 Uhr

Jäger in MV : 400 Katzen erschossen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jäger erlegen pro Jahr hunderte wildernde Stubentiger. Tierschützer fordern Verbot der Haustierabschüsse.

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Die Jäger in MV schießen im Durchschnitt 400 wildernde Katzen und sieben Hunde pro Jahr. Nach dem Jagdgesetz sind sie dazu befugt, wenn sich Katzen mehr als 200 Meter vom nächsten Haus entfernt haben, sagte der Sprecher des Landesjagdverbandes MV, Ulf Peter Schwarz.

Als Grund nannte er, dass solche Katzen verwahrlost seien oder nicht ausreichend gefüttert würden und dann wildern gingen. „Vor allem für bodenbrütende Vögel können Katzen zur Gefahr werden.“ Im Vergleich zu DDR-Zeiten, als der Jäger für eine erlegte Katze 6 Mark bekam, wie sich Schwarz erinnerte, habe der Abschuss wildernder Katzen aber drastisch abgenommen. Nicht jeder Jäger ist zum Abschuss berechtigt, sondern nur der Jagdpächter oder Jagdaufseher, wie er sagte. Das Jagdgesetz zähle Katzen zum Raubzeug. Entsprechend würden geschossene Katzen draußen vergraben. Im Gegensatz zu anderem Raubwild wie Fuchs oder Marder tauchen Katzen jedoch nicht im Jagdbericht des Landes auf. Der Tierschutzbund rechnet daher mit einer hohen Dunkelziffer der tatsächlich erlegten Katzen, sagte die Landesvorsitzende Kerstin Lenz. Hunde dürfen laut Gesetz geschossen werden, wenn sie bei der Jagd auf Wild ertappt werden.

Der Tierschutzbund will, wie der Naturschutzbund und der Ökologische Jagdverband auch, den Abschuss von Haustieren im Landesjagdgesetz verbieten. Derzeit diskutieren einige Länder über eine Novellierung ihrer Gesetze. In MV spiele das Thema derzeit aber keine Rolle, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums.

Frank Demke vom Verein Wildtierhilfe MV ist davon überzeugt, dass Katzen keinen Einfluss auf die Vogelpopulationen haben. Ebenso seien die meisten Hunde nicht in der Lage, einen Hasen oder ein Reh zu erbeuten.  Katzen auf der Wiese seien in der Regel auf Mäusejagd, auch wenn sie gelegentlich einen Vogel fangen. Aber nicht der Bestand einer einzigen Art sei durch Katzen bedroht. „Der Haustierabschuss ist aus unserer Sicht völlig ungerechtfertigt“, sagte Demke. Zudem werde das Leid der Katzenbesitzer völlig ausgeblendet.  Damit Katzen sich nicht unkontrolliert vermehren und verwildern, sei die Kastration von freilaufenden Katzen aber schon wichtig, so Kerstin Lenz. Eine entsprechende Verordnung soll noch in diesem Jahr in MV eingeführt werden.

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