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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 04:47 Uhr

Tourismus : 40 Millionen Euro für Luxusanlage

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Waren soll eine Anlage mit 184 Ferienwohnungen entstehen / 3,7 Millionen Euro soll das Land zuschießen

svz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 20:55 Uhr

So ein Grundstück hätte er noch nicht gesehen, sagt Jörg Lindner. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Lindner Investment Management (LIM) habe schon einige touristische Projekte realisiert. Erst vor einem Jahr übernahm das Düsseldorfer Unternehmen das Hotel- und Sportresort am Fleesensee. Doch die 40 000 Quadratmeter-Fläche direkt am größten terrestrischen Nationalpark Deutschlands in Waren seien noch einmal etwas ganz Besonderes. „Die Landschaft hier ist unfassbar schön“, schwärmt Lindner.

Gestern Abend legten er und sein Partner Kai Richter genau hier den Grundstein für das Luxushafenprojekt „Maremüritz“. Bis Ende nächsten Jahres sollen auf der Fläche direkt an der Müritz mit Blick auf die Innenstadt von Waren 184 Ferienwohnungen entstehen sowie ein eigener Hafen mit 150 Liegeplätzen, eigener Hafengastronomie und einer Wellness-Oase. Ein Viertel der Wohnungen sei bereits verkauft, so Lindner. Das Besondere: Solange die Räume nicht privat von den Mietern genutzt werden, kümmert sich LIM um die Vermietung. Lindner rechnet so bei einer Auslastung von 60 Prozent mit 100 000 zusätzlichen Gästen im Jahr.

Gemeinsam mit industriellen Investoren investiert LIM mehr als 40 Millionen Euro in den Bau des Projekts. Knapp 3,7 Millionen Euro sollen vom Landesförderinstitut MV bezuschusst werden. Ein entsprechender Förderantrag wurde im Februar gestellt, teilt ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums auf Nachfrage mit. Doch „eine Entscheidung zu Maremüritz steht noch aus. Es müssen hierfür Unterlagen eingereicht werden“. Mit dem Zuschuss soll der Spa-Bereich der Anlage finanziert werden – ein 24 Meter langer beheizter Pool und vier Panoramasaunen mit Blick auf den See.

Einschließlich dem Luxushafenprojekt prüft die Landesregierung derzeit eine 20-prozentige Förderung in Höhe von 23 Millionen Euro für drei weitere größere Hotelvorhaben in Ahlbeck, Neubrandenburg und Prora. 1000 weitere Betten soll es geben. Sehr zu Kritik der Grünen, wie aus einer kleinen Anfrage hervor- geht. Denn nach den Richtlinien zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ ist die Schaffung neuer Bettenkapazitäten nicht zuwendungsfähig. Die Grünen kritisieren, dass das Wirtschaftsministerium Hotels mit Wellness- oder Gesundheitsangeboten von dieser Regelung ausnehme und „Einzelfallentscheidung vorschiebt, um millionenschwere Förderungen zu rechtfertigen“. Der Entscheidungsprozess sei nicht transparent genug. Die zahlreichen Bauvorhaben im Land führen „nicht nur zu einer deutlichen Zunahme von Ferienwohnungen und Ferienhäusern, sondern gehen auch über den Flächenbrauch zulasten von Natur und Umwelt“, heißt es weiter.

Wirtschafts- und Tourismusminister Harry Glawe (CDU) verdeutlichte im Landtag Ende April, dass im Bereich der Hotel- und Bettenförderung eine Vielzahl von Kriterien genutzt werde, ehe eine Entscheidung falle. Dabei handele es sich unter anderem um Fragen der Qualität, Auslastung und Anzahl der bereits vorhandenen Betten in der Region sowie der Rentabilität des Vorhabens. „Der Tourismus ist in MV einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche. Unser Ziel ist es, Kapazitätenerweiterung dem Bedarf entsprechend zu unterstützen und Überangebote zu vermeiden“, so Glawe. In MV gab es im Jahr 2011 in Hotels, Gasthöfen und Pensionen knapp 86 800 Schlafgelegenheiten. Im Jahr 2015 betrug die Zahl laut Statischem Amt MV noch 85 700. Im Bereich der Hotellerie lag die Auslastung 2015 bei 45 Prozent.

Nicht alle Vorhaben, die in den vergangenen Jahren gefördert wurden, seien positiv zu betrachten, meint Linken-Fraktionschef Helmut Holter. „Es ist richtig, keine Hotelneubauten zu fördern“, sagt er. Doch nur in der Regel. In Ausnahmefällen seien Förderungen sinnvoll, beispielsweise wenn durch innovative Ideen neue Gästegruppen nach MV gelockt werden können oder ein besseres Ganzjahresangebot entstünde. „Diese Argumentation mit Überkapazität ist zu kurz gesprungen.“

Auch das „Maremüritz“ kann daher auf eine Förderung hoffen. Projektleiter Andre Kühnen geht zumindest stark von einem Zuschuss aus, wie er sagt. „Das ist aber alles noch in der Diskussion“, sagt er. Inwieweit die Investitionssumme bereits abgedeckt ist, sei noch unklar.  

 

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