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Hochgradig Betrunkene in Krankenhäusern Normalität : 4,6 und 5,5 Promille - tödliche Mengen Alkohol

vom

Eine Neubrandenburgerin schlief in dieser Woche mit 4,6 Promille Alkohol im Blut und einer brennenden Zigarette ein. Zuvor wurde bei Rostock eine Frau mit 5,5 Promille aus dem Zug geholt. Nachrichten, die erschrecken.

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2013 | 08:10 Uhr

Eine Neubrandenburgerin wurde in dieser Woche mit 4,6 Promille Alkohol im Blut aus ihrer Wohnung gerettet, nachdem sie dort betrunken mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen war. Vor einer Woche holte die Bundespolizei bei Rostock eine 45-Jährige aus einem Zug, bei der ein Alkoholwert von 5,5 Promille festgestellt wurde. Nachrichten, die erschrecken - und nachdenklich machen. Karin Koslik sprach darüber mit Dr. Markus Stuppe, dem Chefarzt der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen an den Helios Kliniken Schwerin.

4,6 oder sogar 5,5 Promille Alkohol im Blut - ist man damit nicht schon tot?

Dr. Stuppe: Ja, das sind Alkoholmengen, die potenziell tödlich sind. Menschen, bei denen derartig hohe Alkoholkonzentrationen im Blut gemessen werden und die überleben, haben sich durch regelmäßiges Trinken großer Mengen Alkohol über einen längeren Zeitraum eine hohe Toleranz erworben.

Ein an Alkohol gewöhnter Körper verträgt also auch mehr Alkohol?

Ja, das ist so.

Wie viel muss man trinken, um derartige Promillewerte zu erreichen?

Das ist von Alter, Geschlecht und körperlicher Verfassung abhängig. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass eine Frau im ersteren Fall mit einem Körpergewicht von 70 kg etwa 550g bzw. 650 ml reinen Alkohol konsumiert haben muss, um auf derartige Werte zu kommen.. Das sind gut zwei große Flaschen Schnaps, eventuell sogar noch ein bisschen mehr, weil man so große Mengen ja nur über einen längeren Zeitraum trinken kann, in dieser Zeit aber schon ein Teil des Alkohols vom Körper wieder abgebaut wird.

Was richtet eine so hohe Alkoholkonzentration im Körper an?

Ein großes Risiko ist, dass es zu Atemlähmungen kommen kann, das heißt, die Betroffenen drohen zu ersticken. Gefahr droht auch dadurch, dass bestimmte Schutzreflexe des Körpers durch den Alkohol ausgeschaltet werden, stark Betrunkene können also leichter an Erbrochenem ersticken, oder sie erfrieren, weil ihr Kälteempfinden gestört ist.

Stimmt es, dass jeder Rausch auch dazu führt, dass Hirnzellen absterben?

Grundsätzlich ja, aber der Körper kann das über einen langen Zeitraum kompensieren. Erst nach längerem Alkoholmissbrauch kann es zur Verschlechterung der Konzentrationsfähigkeit, zu Koordinationsstörungen oder zu einer Veränderung der Persönlichkeit kommen.

Die Häufung der Meldungen über stark Betrunkene hier im Land lässt aufmerken. Wird mehr getrunken, oder vertragen die Menschen weniger Alkohol?

Ich halte diese Häufung für einen Zufall, nicht für einen Trend. Dass Menschen mit hohen Werten eingeliefert werden, ist in den Krankenhäusern Normalität, die Zahlen sind weitgehend konstant. Hier in der Klinik erleben wir mehrmals im Jahr Werte wie die eingangs genannten- das heißt, diese Patienten landen fast immer zuerst in der Notaufnahme, denn nicht selten haben sie schwere Bewusstseinsstörungen.

Wie viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern trinken riskant? Wie viele sind alkoholkrank?

In Mecklenburg Vorpommern gibt es etwa 77 000 Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit. Genaue Zahlen für einen riskanten Alkoholkonsum in unserem Bundesland gibt es nicht. Man weiß aber, dass in Deutschland 9,5 Millionen Menschen mindestens schädliche Konsummuster betreiben. Und Mecklenburg Vorpommern ist mit 37 Alkoholtoten je 100 000 Einwohner trauriger Spitzenreiter aller Bundesländer.

Wo liegen die Grenzen für einen gefahrlosen Alkoholkonsum?

Die Grenze für einen schädlichen Alkoholkonsum liegt bei Frauen bei zwölf Gramm reinen Alkohols am Tag, bei Männern bei 24 Gramm. Zwölf Gramm reinen Alkohols entsprechen einem viertel Liter Bier oder 0,1 Liter Wein, Männer dürfen doppelt so viel trinken.

Täglich?

Wer täglich Alkohol trinkt, bei dem sprechen wir bereits von einem riskanten Alkoholkonsum. Denn das tägliche Trinken kann zu einem Ritual führen und eine spätere Kontrolle erschweren. Möglicherweise steigt auch schon die Toleranzgrenze - um denselben Rausch zu erleben, brauchen Menschen, die täglich Alkohol trinken, also immer größere Mengen.

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